Mondlandung-Jubiläum
USA, Russland und Co. bekommen Konkurrenz im Weltall

Vor 48 Jahren wagten, im Wettstreit der Nationen um den Mond, Astronauten ihre ersten Schritte auf den Erdtrabanten. In ihre Fussstapfen treten nun Tech-Milliardäre wie Elon Musk und Jeff Bezos. Das All ist nicht mehr der alleinige Spielplatz von Staaten wie Russland, China oder den USA.

Julia Monn
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Die Besitzer von Tesla, Amazon und Google haben heute genügend Geld für eine private Mondmission.

Die Besitzer von Tesla, Amazon und Google haben heute genügend Geld für eine private Mondmission.

KEYSTONE

Nach drei Monaten im Amt verkündete Donald Trump bei einem Telefonat mit Astronauten der Internationalen Raumstation ISS, noch in seiner ersten, spätestens aber in seiner zweiten Amtszeit eine bemannte Mission auf den Mars senden zu wollen. Das Protokoll zeigt: Die Forderung des Präsidenten wurde mit Gelächter quittiert. Unsicher ist, ob es möglich ist.

Sicher ist: Die Zeiten, in denen Millionen von Menschen vor Bildschirmen oder dem Radio sitzen und verfolgen, wie Astronauten vom Typ Yuri Gagarin und Buzz Aldrin den Weltraum erkunden und als Staatsbeauftragte ihre Landesflaggen in die Mondoberfläche stecken, sind vorbei. Der Kalte Krieg ist passé. Und damit auch die Hochphase des Weltraumwettbewerbs. Die grossen Weltraumnationen von einst, auch sie schauen aufs Geld. Trump wird es für seine Grenzmauer brauchen, Putin kämpft noch immer mit Wirtschaftssanktionen. Und auch Europa feilscht derzeit um jeden Cent.

Neuer Wettstreit ums All

Doch inzwischen liebäugeln andere mit einer prestigeträchtigen Reise ins All: Tech-Multimillionäre wie Tesla-Gründer Elon Musk oder Amazon-CEO Jeff Bezos blasen zum Sturm auf die staatliche Vormachtstellung im Weltraum. Beide besitzen mit SpaceX und Blue Origin private Raumfahrtunternehmungen. Beide wollen zunächst zum Mond. Musk will Touristen dorthin befördern, Bezos eine ständige Station mit dazugehörigem Amazon-Lieferservice.

Nachdem die ersten Raketentests von SpaceX und Blue Origin von Erfolgen geprägt waren und die Raketen sogar wiederverwendet werden konnten, sorgte die Explosion einer unbemannten Falcon9-Rakete der Firma SpaceX im Herbst 2016 für Aufsehen. Die Technologie wurde angepasst, die letzten Tests im Juni sind geglückt. Technologiegigant Google plant zudem, Ende 2017 Rover auf den Mond zu schicken.

Doch das ist erst der Anfang. SpaceX-CEO Musk will Trump Konkurrenz bereiten. Denn auch der Tesla-Gründer bläst zur «Mission to Mars» und will nicht nur dort landen, sondern den Planeten auch gleich kolonialisieren. Das politische System für seine Mars-Kolonie hat sich Musk auch schon ausgedacht: Eine direkte Demokratie solls sein, sagte der Tech-Guru vergangenes Jahr am Rande eines Technologiepanels. Weil Korruption auf dem Mars so verhindert würde. Doch droht die überhaupt?

Old Space vs. New Space

Wie realistisch ist eine Schweiz im All? Und ist bald der Mond eine hippe Feriendestination? Unwahrscheinlich. Meint zumindest Werner Schmutz vom Swiss Committee of Space Research (CRS): «Das ist Geld zum Fenster hinausgeworfen.» Als Leiter des CRS vertritt Schmutz die Interessen der Schweizer Weltraumforschung. Diese erfolgt hierzulande in enger Zusammenarbeit mit der European Space Agency (ESA). Die europäische Schwester der amerikanischen Nasa koordiniert das Weltraumprogramm von 22 Staaten.

Die Schwestern sind das, was «Old Space» genannt wird. Als staatliche Raumfahrtagenturen organisiert und finanziert. Musk, Bezos und Co., das ist «New Space». Hier geben private Mäzene das Geld und die Vision vor.

Sie wollen ein All für alle und kritisieren, dass Nasa und ESA dafür zu behäbig seien. Ein All für alle, das wird es laut Weltraumforscher Schmutz so schnell nicht geben: «Es ist grundsätzlich schön, wenn sich viele Leute für das All interessieren. So gibt es viele Ideen. Die Erforschung des Alls ohne Nasa oder ESA ist aber völlig hoffnungslos», erläutert er. Dafür sei die Raumfahrt schlicht ein zu teures Geschäft. Vor allem dort, wo es Unbekanntes zu entdecken gibt: «Natürlich ist man inzwischen so weit, dass sich auch Privatunternehmen eine Weltraumrakete oder einen kommerziellen Satelliten bauen können.» Das ist laut dem Forscher das berechenbare Geschäft. Teuer und unberechenbar werde es dort, wo Unbekanntes erforscht werden soll. Schmutz zeigt sich überzeugt, dass sich kein Unternehmen leisten kann, was für Staaten nur ein Bruchteil ihrer Budgets ist.

Betrachtet man, was beispielsweise die staatlichen Raumfahrtbehörden Nasa und ESA im Vergleich mit SpaceX oder Blue Origin zur Verfügung haben, scheint sich dieses Bild zu bestätigen. Sowohl Elon Musk, als auch Jeff Bezos geben an, in ihre Raumfahrt-Unternehmen rund 1 Milliarde Dollar jährlich zu investieren. Zum Vergleich: Donald Trump sicherte der Nasa in einem im März verabschiedeten Gesetz für das Jahr 2017 rund 19 Milliarden Dollar zu. Die ESA-Staaten ihrerseits stellen der Behörde dieses Jahr ein Budget von knapp 6 Milliarden Euro zur Verfügung. Das Bild ändert sich aber, wenn man das Gesamtvermögen von Musk und Bezos mit einbezieht. Forbes schätzt, dass Amazon-CEO Bezos ein Vermögen von 87 Milliarden Dollar besitzt und Musk knapp 14 Milliarden.

Budget-Raumfahrt

Doch bleibt Raumfahrt ewig teuer? Raoul Keller, Leiter der Gruppe «Raumtechnik» des Industriedachverbands Swissmem, erklärt dazu: «Inzwischen ist es möglich, kleinere Satelliten und Raumsonden zu bauen. Die werden billiger und zahlreicher produziert.»

Raumfahrt geht im Verhältnis zu früher also auch günstiger. «Das geht allerdings zulasten der Qualität und erhöht damit das Risiko eines Fehlversuchs», erklärt Keller. Die Technik dazu ist vorhanden. Schweizer Raumfahrtunternehmen wie die Ruag oder Apco Technologies sind führend in ihrer Entwicklung und der Produktion. Schweizer Atomuhren, Messinstrumente und andere Komponenten ‹made in Switzerland› schwirren zahlreich im All. Trotz dieses Erfolgs ist in der Schweiz kein zweiter Elon Musk in Sicht. «Wir sind Zulieferer. Wir wollen qualitativ höchstwertige Komponenten herstellen», erklärt Raoul Keller die Schweizer Strategie in der Raumfahrt. «Die Komponenten sollen für jegliche Weltallmission unumgänglich werden. Eine eigene, private Mission wollen wir nicht.»

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