Unwetter
Diese sieben historischen Fluten verschlangen ganze Städte und Tausende Menschen

Das anhaltende Unwetter sorgt in der Schweiz für wüste Szenen und fordert in Deutschland sogar mehrere Tote. Doch Europa hat schon mehrere Hochwasserkatastrophen hinter. Folgend eine Auswahl der einschneidendsten Ereignisse in Europa und der Welt.

Gülpinar Günes
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1219: Erste Marcellsflut, Nordseeküste

Die erste Marcellsflut an der Nordseeküste forderte schätzungsweise bis zu 50'000 Todesopfer und gehört zu einem der verheerendsten Katastrophen in der Geschichte der Nordseeküste. Sie ist laut dem Norddeutschen Rundfunk (NDR) auch die erste Sturmflut, von der ein überlieferter Augenzeugenbericht existiert.

Der Sturm soll im Januar 1219 mit einer leichten Brise angefangen haben bevor er sich am 16. Januar, also am Tag des heiligen Marcellus, zu einem Hagelsturm entwickelte. Als dann am Abend der Sturm kehrte, soll sich das Meer laut Überlieferung «kochendem Wasser ähnlich» über die Küste ergossen und mehrere Tausend Menschen in den Tod gerissen haben. Die bestehenden Deiche hätten keine Chance gegen die Wassermassen gehabt.

Etwas mehr als 100 Jahre später ereignet sich 1362 eine zweite Marcellsflut. Sie wird auch «das grosse Ertrinken» genannt und ereignete sich ebenfalls am Tag des heiligen Marcellus, am 16. Januar im Jahr 1362. Sie fordert mit rund 100'000 Opfern doppelt so viele Menschenleben, wie die erste Marcellsflut, wie der NDR berichtet. Darüber hinaus versinken ganze Inseln und Städte unter den Wassermassen. Darunter auch die Stadt Runghold, die auch als «Atlantis der Nordsee» gilt.

1342: Magdalenenhochwasser Mitteleuropa

Die Magdalenenflut im Sommer 1342 traf weite Teile von Mitteleuropa, insbesondere Deutschland, wo sie als Jahrtausendflut gilt. Nach einem Schneereichen Winter in Europa soll ein plötzliches Tauwetter die Schneemassen zum Schmelzen und den Wasserpegel der Flüsse zum Steigen gebracht haben.

Darauf folgte wieder Schnee und ein kühler Frühling bevor Mittel Juli ein Dauerregen einsetzte. Dieser brachte die Flüsse Main, Rhein, Donau, Weser und Elbe zum Anschwellen und führte schliesslich zu Hochwasser. Und weil die Flüsse noch unverbaut waren, konnte sich das Wasser sich ungehindert ausbreiten, wie die «Zeit» berichtet. Viele Flüssen sollen während der Katastrophe die höchsten jemals gemessenen Höchststände erreicht haben.

1480: Magdalenenhochwasser, Schweizer Mittelland

Das zweite Magdalenenhochwasser im Jahr 1480 war wohl verheerender für die Schweiz als die erste. Sie betraf vor allem die Aare und das Rheinland und gilt als eine der schwersten Überschwemmungen in diesem Gebiet. Ähnlich wie beim ersten Magdalenenhochwasser soll der Winter und das Frühjahr in der Schweiz im Jahr 1480 schneereich gewesen sein. Als im Juli eine Hitzewelle einsetzte, soll das Schmelzwasser bereits zu Hochwasser geführt haben. Erst der mehrere Tage andauernde Starkregen führte zur schliesslich zur Katastrophe.

Im Berner Mattequartier beispielsweise sollen die Wohnräume im ersten Stock komplett unter Wasser gestanden haben. Die Wassermassen der Saane brachten in Freiburg eine Brücke zum Einsturz und schwemmten eine Kapelle weg. Die Aare zerstörte weitere Brücken, wie in Aarwangen, Olten und Aarau.

Die Aare im Berner Mattequartier am Freitag, 16. Juli 2021.

Die Aare im Berner Mattequartier am Freitag, 16. Juli 2021.

Marcel Bieri / Keystone

1570: Allerheiligenflut, Holland

Die Allerheiligenflut im November 1570 gilt in Holland als eine der Schlimmsten Flutkatastrophen vor dem 20. Jahrhundert. Bis zu 25'000 Menschen sollen dabei ums Leben gekommen sein. Obwohl erstmals eine Warnung herausgegeben wurde, seien viele der Opfer nicht vorbereitet gewesen, wie die «Welt» schreibt. Die gesamte Küste des Landes stand damals unter Wasser, alle Dörfer wurden dabei überschwemmt. Der Wasserstand soll sogar rund vier Meter über dem normalen Stand gewesen sein.

Erst 1953 kam es in Holland wieder zu einer Flut mit ähnlich grossem Ausmass. Sie gilt als die schlimmste Nordsee-Sturmflut des 20. Jahrhunderts. Ereignet hat sie sich in der Nacht vom 31. Januar auf den 1. Februar 1953 und betraf grosse Teile der niederländischen und englischen Küste. Trotz Massnahmen kamen dabei alleine in Holland über 1800 Menschen ums Leben, die in der Nacht vom Wasser überrascht worden waren. Nach der Katastrophe hat das Land umfassende Massnahmen zum Hochwasserschutz ergriffen.

1868: Hochwasser, Schweiz

Starker Niederschlag im Herbst 1868 führte in mehreren Schweizer Kanton zu starkem Hochwasser. Laut «Swissinfo» erreichte beispielsweise der Lago Maggiore damals einen Höchststand von fast 200 Metern. In den am meisten betroffenen Kantonen, Tessin, Wallis. Graubünden, Uri und St. Gallen forderten die Niederschläge 51 Todesopfer.

Das Ereignis hatte zur Folge, dass der Bundesrat erstmals in die Bewältigung einer Katastrophe eingriff und unter anderem eine nationale Sammelkampagne startete, wie Swissinfo weiter schreibt.

1927: Mississippiflut, USA

Der fast 4000 Kilometer lange Fluss Mississippi führte im Sommer 1927 zu einer der grössten Flutkatastrophen der Vereinigten Staaten und betraf gleich sieben Bundesstaaten. Sie war eine Folge der mehrere Tage andauernden Niederschläge im Einzugsgebiet des Flusses und führte dazu, das die USA das längste Dammsystem der Welt baute. Seither kam es immer wieder zu Hochwasser beim Mississippi. Sie waren allerdings nicht mehr so schlimm wie der im Jahr 1927.

Auch 2011 überflutete der Mississippi.

Auch 2011 überflutete der Mississippi.

Keystone

1931: Flutkatastrophe, China

China wurde mehrmals von Hochwasser und Fluten heimgesucht. 1887 beispielsweise führte eine Flut beim Gelben Fluss zum Tod von bis zu 2 Millionen Menschen. Kaum 100 Jahre später ereignet sich im Jahr 1931 eine weitere Serie von Hochwassern im Einzugsgebiet des Jangtsekiang. Infolgedessen starben mehrere hundert Tausend Menschen. Die Schätzungen reichen laut Wikipedia von 145'000 bis über drei Millionen.