Universität Bern
Fische können das Verhalten ihres Nachkommens schon vor der Eiablage steuern

Tiere und Pflanzen geben ihrem Nachwuchs schon vor der eigentlichen Geburt lebensnotwendige Informationen mit und können beispielsweise ihr Wachstum beeinflussen. Eine neue Studie mit Buntbarschen zeigt jedoch, dass sie auch Einfluss auf das Verhalten haben können.

Gülpinar Günes
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Die Versuche wurden jeweils mit Buntbarschen durchgeführt. Hier eine Unterart der Tiere.

Die Versuche wurden jeweils mit Buntbarschen durchgeführt. Hier eine Unterart der Tiere.

Keystone

Fischweibchen können über ihre Eier das Fluchtverhalten ihrer Nachkommen beeinflussen. Wie eine Studie der Universität Bern mit Bllutbarschen zum ersten Mal nachweisen konnte, hatte der Nachwuchs von Fischmüttern, denen vor der Eiablage Raubfischvideos gezeigt wurden, eine schnellere Fluchtreaktion als die der Kontrollgruppe. Sie waren im Schnitt 50 Millisekunden schneller als die der Kontrollgruppe, wie das Institut für Ökologie und Evolution der Universität mitteilt. «Mit dieser Studie konnten wir erstmals nachweisen, dass ein mütterlicher Effekt auf die Eiausstattung nicht nur Wachstum oder Körperbau beeinflusst, sondern auch das Verhalten verändern kann», erklärt Barbara Taborsky, Professorin am Institut.

Dass Tiere und Pflanzen Eigenschaften ihres Nachwuchses wie Körperbau oder Wachstum beeinflussen können, ist nichts Neues. Bei Vögeln und Fischen geschieht das beispielsweise über die Zusammensetzung der Eier. Wenn sie unter Stress sind etwa, können die Tiere Stresshormone in die Eier einlagern. Auch ihr Brutpflegeverhalten kann nachweislich den Nachwuchs beeinflussen, beispielsweise wenn Nahrungsknappheit herrscht oder das Räuber-Risiko gross ist. Dann senden sie entsprechende Signale an ihre Nachkommen, die sie auf die zukünftigen Umweltbedingungen oder Stressfaktoren nach der Geburt vorbereiten sollen. In dieser Studie wollten die Forscher allerdings genau wissen, wie das funktioniert.

Versuchsgruppe entwickelt weitere vorteilhafte Eigenschaften

«Wir fanden heraus, dass Mütter der Räuber-Versuchsgruppe grössere und proteinreichere Eier legten, also mehr Energie für jedes einzelne Junge aufwandten», sagt Barbara Taborsky. Laut der Studie gab es in den ersten Tagen nach dem Schlüpfen der Buntbarsche auch Unterschiede bei den Wachstumshormonen. So war der Versuchs-Nachwuchs grösser als die der Kontrollgruppe. Zusätzlich zu ihrer schnelleren Fluchtreaktion sei das ein weiterer Vorteil gegenüber Räubern.

Die neuen Erkenntnisse der Studie seien ein wichtiger Schritt zum Verständnis der mütterlichen Effekte. Es sei bisher wenig bekannt, wie Tiere Informationen über die Umwelt an ihre Nachkommen weitergeben. «Dass Tier-Eltern vielfältige Möglichkeiten haben, Nährstoffe oder Hormone in ihren Eiern zu deponieren, um die Fitness, also das Überleben und den Fortpflanzungserfolg der Nachkommen zu beeinflussen, wurde lange Zeit ignoriert», sagt Barbara Taborsky.

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