Überschwemmung
Rekordhochwasser in Vordemwald: Pfaffnern stand auf 2,75 Meter

Nach einem starken Gewitter im Raum Reiden/Pfaffnau traten alle Bäche und Flüsse über die Ufer, Unmengen Wasser flossen ins Tal. Das halbe Dorf wurde überflutet.

Raphael Nadler, Zofinger Tagblatt
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Ein starkes Gewitter setzte am Donnerstagabend das halbe Dorf unter Wasser.

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«So viel Wasser habe ich noch nie erlebt», sagt ein älterer Mann, der schon seit über 70 Jahren in Vordemwald lebt. Das halbe Dorf wurde überflutet. Die Pfaffnern brachte am frühen Abend plötzlich so viel Wasser wie nie zuvor. «Es wurde ein Rekordpegelstand von 2,75 Metern gemessen», sagt Gemeinderat Markus Schneitter. Normalerweise liege der Pegel unter einem Meter, sagt ein Fischer aus dem Dorf.

Ein starkes Gewitter entlud sich über dem Mittelland. Im Raum Reiden/Pfaffnau war dieses so stark, dass alle Bäche und Flüsse über die Ufer traten und Unmengen Wasser ins Tal flossen. Weil es schon in den Vortagen mehrfach stark regnete, konnten die Hänge und Wiesen die Wassermassen nicht mehr schlucken.

Vordemwald unter Wasser

Vordemwald unter Wasser

Raphael Nadler/
Zofinger Tagblatt

«Wir hatten nach kürzester Zeit über 100 Schadenmeldungen», sagt Vordemwalds Feuerwehrkommandant Roman Nöthiger. Von überall kam Wasser. «Eine Person wurde in ihrem Auto von den Fluten mitgerissen», sagt Nöthiger weiter. «Sie konnte sich aber selbst retten.» Sonst seien ihm keine Verletzten bekannt. Weil viele Trafostationen unter Wasser standen, musste an mehreren Orten der Strom abgeschaltet werden.

Die Schadenmeldungen häuften sich in der Nacht weiter. Viele Betroffene kontaktierten die Feuerwehr aber gar nicht mehr, im Wissen, dass diese bereits im Dauereinsatz stand. Unterstützung aus Strengelbach, Zofingen und Rothrist eilte zu Hilfe, auch der Zivilschutz wurde aufgeboten. Das Feuerwehrmagazin unweit der Pfaffnern musste mit mehrstöckigen Sandsackschichten vor dem Hochwasser geschützt werden.

«Es ist toll, wie die Nachbarschaftshilfe funktioniert und greift», sagt Vordemwalds Frau Vizeammann Karin Berglas. Sie war zusammen mit ihren Ratskollegen Max Moor und Markus Schneitter im Dorf unterwegs. Sie dankten den Hilfskräften und sprachen den Geschädigten Mut zu. «Es schmerzt im Herz», sagt Karin Berglas, «wenn man zum Beispiel das Team des Restaurants «untere Säge» sieht. Zuerst war das Gasthaus lange wegen Corona geschlossen und nun kommt noch das Hochwasser dazu. Ihnen bleibt momentan nichts erspart.» Auch Gemeindeammann Max Moor blieb nicht vom Hochwasser verschont. Er hat erst vor wenigen Tagen sein Haus fertig renoviert.

Grosse Schäden erlitten auch die Vordemwalder Vereine. Sie, die ihr Materiallager im Keller der Turnhalle hatten, müssen Totalschaden anmelden. Die Musikgesellschaft, der Rollhockeyverein, die Theatergruppe und weitere sind betroffen. «Am Dienstag habe ich noch für mehrere Tausend Franken Material in den Keller gebracht», erzählt ein Mitglied des Rollhockeyvereins. Auch die Rollhockeyhalle war rund 20 cm überflutet. Mit vereinten Kräften und bis tief in die Nacht wurde mit mehreren Wassersaugern und Pumpen gearbeitet.

«Nun beginnt das grosse Aufräumen», sagt der Feuerwehrkommandant. «Wie lange das ganze dauert, weiss ich nicht.» Unvorbereitet war Roman Nöthiger nicht auf diesen Abend, «es stand nämlich eine Einsatzübung auf dem Programm». Dass daraus aber ein verheerender Ernstfall wurde, lag nicht in seiner Macht.

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