Reisen

Tropische Schweiz: Wer Karibikgefühl erleben will, muss nicht ins Flugzeug steigen

Bis zu zwei Meter breit wird die Riesenseerose Victoria. Der Botanische Garten in Basel hat extra für sie ein kuppelförmiges Gewächshaus gebaut.

Bis zu zwei Meter breit wird die Riesenseerose Victoria. Der Botanische Garten in Basel hat extra für sie ein kuppelförmiges Gewächshaus gebaut.

Tropisches und subtropisches Ambiente bieten auch die hiesigen botanischen Gärten in ihren Gewächshäusern. Und dies ohne Gerangel um die besten Strandplätze.

Auch wenn es draussen nicht mehr gar so kalt und grau ist: Frühling ist es noch längst nicht. Darüber täuschen auch die ersten Krokusse und Schneeglöckchen nicht hinweg. So mancher würde deshalb am liebsten in den nächstbesten Flieger steigen, der in die Wärme zieht. Dabei lässt sich dieser Wunsch ganz einfach umsetzen: Tropisches und subtropisches Ambiente bieten auch die hiesigen botanischen Gärten in ihren Gewächshäusern. Und dies ohne Gerangel um die besten Strandplätze.

Beim Betreten der Gewächshäuser – die dazu oft auch von ihrer Architektur her spannend zu betrachten sind – kommt man sich vor, als würde man in eine andere Welt katapultiert. Feucht und warm ist die Luft darin, selbst bei tiefen Aussentemperaturen. Es duftet wie in einem Blumenladen, und manchmal wird man auch von Vogelgezwitscher empfangen, etwa im Palmenhaus in der Stadtgärtnerei Zürich.

Vor allem aber wirkt das Grün beruhigend und entschleunigend und fegt die eben noch belastenden Gedanken weg. Hier herrscht kein Rambazamba wie an einem karibischen Strand, sondern meditative Ruhe. Inmitten der exotischen Pflanzen laden Bänke und Stühle dazu ein, in die Dschungelwelt einzutauchen – sei es auch nur über Mittag.

Vergnügliche Wissenschaft

Die botanischen Gärten entstanden nicht in erster Linie, um den Besuchenden eine urbane Wellness-Oase zu bieten. Sie haben sich mit ihren ausgedehnten Anlagen vielmehr der Arterhaltung, Züchtung und Forschung von Pflanzen verschrieben. Oft sind sie deshalb Universitäten angegliedert, die bis heute einheimische und fremdländische Pflanzenarten wissenschaftlich untersuchen.

Der wohl älteste botanische Garten der Welt befindet sich in der italienischen Stadt Padua und wurde 1545 gegründet. Nur ein paar Jahrzehnte jünger ist der 1589 gegründete Botanische Garten in Basel und damit einer der ältesten im deutschsprachigen Raum. Weltweit existieren fast 1800 solcher Gärten – ausser in der Antarktis gibt es sie auf allen Kontinenten.

Heute sind die weitgehend öffentlichen Gartenanlagen Orte, wo Wissenschaft und Vergnügen zusammenkommen.

Detaillierte Informationen zu den einzelnen Standorten finden Sie in der Bildergalerie weiter unten im Text.

Detaillierte Informationen zu den einzelnen Standorten finden Sie in der Bildergalerie weiter unten im Text.

«Ein Reich der Sinne und ein Ort der Kultur und des Wissens, der gleichzeitig zum Verweilen für alle einlädt», sagt Flavia Castelberg vom Botanischen Garten in Bern. «Er zeigt die faszinierende Vielfalt der Pflanzen und vermittelt ihre grosse Bedeutung für den Menschen und macht auch auf ihre Gefährdung aufmerksam.»

Entsprechend bieten die botanischen Gärten der Schweiz Führungen, Workshops, Vortragsreihen und Ausstellungen an. Jedes Jahr im Februar und von Mitte Juni bis Mitte Juli spannen rund zwanzig botanische Gärten der Schweiz für die «Botanica» zusammen, um mit verschiedenen Projekten auf die Rolle der Gärten hinzuweisen, die sie als Hort der Biodiversität spielen.

Und so bringt ein Spaziergang durch einen botanischen Garten mit sich, dass man auch etwas lernt. Schon mal was von monocarpen Pflanzen oder Epiphyten gehört? Erstere blühen nur einmal im Leben, Letztere wachsen auf anderen Pflanzen. Natürlich gedeihen in den warmen Gewächshäusern vor allem exotische Pflanzen, die in unseren Breitengraden in freier Natur nicht wachsen würden – also Fehlanzeige, falls jemand Ideen für den eigenen Garten sucht.

Fast könnte man meinen, die Gärten seien bei all der kulturellen Fülle an Angeboten etwas aus der Mode gekommen. Oft flaniert man fast allein durch die Gewächshäuser und Gartenanlagen. Tatsächlich sind manche Gewächshäuser etwas in die Jahre gekommen, und manche botanische Gärten standen auch schon kurz vor der Schliessung, etwa der in Bern. Seit er 2018 vollumfänglich in die Uni Bern integriert wurde, konnte sein Weiterbestehen langfristig gesichert werden.

Trotzdem sind die botanischen Gärten gewissermassen ein Anachronismus in unserer Zeit: Die öffentlichen städtischen Gärten sind alle gratis. Es gibt auch private Häuser wie etwa die Tropenhäuser von Frutigen und Wolhusen (nur noch bis Ende Juni 2019 geöffnet) oder das Papiliorama in Kerzers, die zwar Eintritt verlangen, aber dafür mit viel Multimedia und Ausstellungen zu Spezialthemen aufwarten.

Meistgesehen

Artboard 1