Infektionskrankheit
«Trojanische Kuh» bekämpft Malaria

Anopheles-Mücken stechen in Tansania Kühe. Weil diese wie die Menschen riechen. Damit schützen die Tiere die Menschen vor der gefährlichen Krankheit.

Markus Schönherr, Kapstadt
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Der Biotech-Konzern Isca entwickelt ein Mittel, das Kühe und Ziegen nach menschlichem Schweiss riechen lässt. Ho

Der Biotech-Konzern Isca entwickelt ein Mittel, das Kühe und Ziegen nach menschlichem Schweiss riechen lässt. Ho

Sie sieht aus wie eine ganz gewöhnliche Kuh. Doch für den afrikanischen Farmer, seine Kinder und die Arbeiter ist das Huftier auf der Weide ein potenzieller Lebensretter. Mit ihrem injizierten Duftstoff lockt die Kuh Moskitos an, die Menschen mit Malaria infizieren, ihr selbst aber nichts anhaben können. Sie ist eine «trojanische Kuh».

Akribisch forscht der Biotechnologie-Konzern Isca Technologies in Kalifornien nach neuen Methoden, Afrikaner vor der lebensbedrohlichen Malaria zu schützen. In Tansania starteten die Wissenschafter nun einen Versuch, bei dem Kühe und Ziegen dank eines verabreichten Mittels nun erstmalig menschlichen Schweissgeruch nachahmten. Das Ergebnis: «Vielversprechend», wie die afrikanische Wochenzeitung «The East African» in ihrer aktuellen Ausgabe berichtet. Demnach hätten die todbringenden Anopheles-Mücken als Überträger der Malaria vermehrt die Weidetiere anstatt Menschen gestochen. Für die Blutsauger bedeutete der Stich das Ende ihres Insektendaseins: Sie starben in weiterer Folge an dem Entwurmungsmittel, das dem Vieh zum Schutz vor Parasiten verabreicht wird.

Da Kühe und Ziegen immun gegen die Krankheit seien, hätten sie von der Malaria-Mücke nichts zu befürchten, erklärt die britische Parasitologin Hilary Hurd. Ihr zufolge werde die als «Zooprophylaxe» bekannte Methode in Fachkreisen schon seit mehreren Jahren diskutiert.

Grosses Problem für Afrika

2015 erkrankten laut UNO weltweit 212 Millionen Menschen an Malaria. Etwa eine halbe Million davon starb. Afrika südlich der Sahara leidet besonders stark unter den Folgen, da die Region 90 Prozent der Malaria-Fälle und 92 Prozent der -toten verzeichnet.

Wegen des Erfolgs in Tansania soll die Versuchsreihe «trojanische Kuh» demnächst auch auf andere ostafrikanische Staaten ausgedehnt werden. In Uganda etwa bleiben Tausende Malaria-Patienten von einer effektiven Behandlung ausgeschlossen, wie die Gesundheitsorganisation HEPS-Uganda zu Jahresbeginn warnte. Grund dafür seien «exorbitant hohe» Medikamentenpreise in dem ostafrikanischen Staat. Diese seien für einen nationalen Gesundheitsnotstand verantwortlich. Der UNO zufolge leben 38 Prozent der Ugander von unter 1.25 US-Dollar pro Tag. Malaria belastet die Wirtschaft des Landes schwer. Rund die Hälfte aller Patienten, die in Uganda ein Krankenhaus aufsuchen, tue dies laut offiziellen Angaben wegen Malaria.

Afrika-weit zeichnet sich ein positiver Trend in der Malariabekämpfung ab. Sarah Barber, WHO-Sprecherin in Südafrika, sagt, heute hätten mehr Menschen Moskito-Netze und Sprays als vor 15 Jahren. Die Malaria-Rate ist um 37, jene der Toten um 60 Prozent gefallen.

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