Wohnen
Strandkörbe: Nach fünfzig Stunden reif für die Insel

Die von Hand geflochtenen Strandkörbe aus Heringsdorf sind Wind- und Wetter-Helden und auch für die Berge ideal

silvia schaub
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Egal ob Sie auf Amrum, Sylt oder Rügen im Strandkorb liegen – die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass Sie in einem echten «Heringsdorfer» das Sonnenbad geniessen. Denn die 1925 gegründete Firma Korbwerk GmbH aus Heringsdorf auf Usedom ist die älteste noch bestehende Strandkorbmanufaktur Deutschlands. Kein Wunder, hat sich der Betrieb an dieser Ostseeküste angesiedelt, liegen doch 42 Kilometer Sandstrand vor der Haustür. Dazu gibt es 1900 Sonnenstunden im Jahr, jede Menge Wind und Wetter sowie Tausende von sonnenhungrigen Badegästen, die vielleicht gerade wegen der Strandkörbe hierherkommen.

In der Manufaktur herrscht Hochbetrieb, noch sollen möglichst viele Körbe ausgeliefert werden. Die Flechter ziehen die Bänder mit grosser Fingerfertigkeit und Tempo über das Untergestell aus Kiefer, Iroko- oder Teakholz. 50 Stunden harte Arbeit. «Geflochten wird heute mit witterungsbeständigen PE- oder PVC-Bändern, nur noch selten mit Peddigrohr», erklärt Betriebsleiter Mathias Krüger. Nach 10 Jahren fängt der Naturstoff nämlich an, brüchig zu werden. Deshalb trotzen nun meist Kunststoffbänder Wind und Regen. Vorzugsweise in Weiss, das mit den blau-weissen Blockstreifen der Polster so schön harmoniert.

Jeder Korb ein Unikat

Apropos Streifen: Natürlich kann man seinen persönlichen Strandkorb auch mit Tupfen oder Blümchen haben. Denn bei Korbwerk gibt es nichts ab Stange, die Firma punktet mit Individualität. «Jeder Korb ist ein Unikat, das auf Kundenwunsch hergestellt wird», verspricht Mathias Krüger und erzählt von Extrabreiten, Leselampen, Rückenheizungen oder eingebauten Lautsprechern. Zudem kann man aus diversen Extras wählen, wie Tischchen, verschliessbare Schubladen oder auch Ausführungen für den Vierbeiner.

Wer schon einmal in einem Korbwerk-Stuhl gesonnt hat, weiss die Vorzüge zu schätzen. Erstaunlich darum, dass die Strandkörbe es kaum über die deutschen Landesgrenzen hinausgeschafft haben. Ausser in die Schweiz, die der grösste ausländische Markt für das Heringsdorfer Unternehmen ist. Das mag etwas verwundern. Wenn man allerdings einmal im kühlen Davos an einem windigen Tag in einem Ostsee-Strandkorb gegessen ist, weiss man, dass das Sommermöbel auch im Winter und auf Nicht-Meereshöhe Potenzial hat.

Korbwerk-Strandkörbe gibt es ab ca. 1500 Franken, z. B. bei Rüegger Holz AG, 4813 Uerkheim, oder Mändli GmbH,
8207 Schaffhausen.

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