Ausgestorben
Sie schleichen sich nicht nur durch «Game of Thrones»: Schattenwölfe gab es einst wirklich

Die ausgestorbenen Riesenwölfe waren gross und stark und frassen riesige Pflanzenfresser. Vermutlich starben sie zusammen mit ihnen aus am Ende der Eiszeit – und leben heute in Fantasywerken wie «Game of Thrones» wieder auf.

Roland Knauer
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Schattenwölfe treten in der Serie «Game of Thrones» auf.

Schattenwölfe treten in der Serie «Game of Thrones» auf.

Bild: HBO

Wenn riesige Wölfe durch eine kalte Winterlandschaft aus Schnee und Eis streifen, denken manche sofort an die Fernsehserie «Game of Thrones». Doch was die wenigsten wissen: Diese gigantischen Schattenwölfe gab es einst wirklich.

Neben den Wölfen Canis lupus jagte bis vor mindestens 13000 Jahren in Amerika auch der etwas grössere Canis dirus. Die beiden Arten gingen ähnlich wie Menschen und Schimpansen bereits seit 5,7 Millionen Jahren getrennte Wege. Das beschreibt in der Zeitschrift «Nature» ein weltweit forschendes Team um Angela Perri und Laurent Frantz.

Trotzdem ähneln sich beide Arten verblüffend. Nur war der Schattenwolf mit 68 Kilogramm nicht nur schwerer als die heute rund 40 Kilogramm wiegenden Wölfe, sondern hatte mit seinem grösseren Kopf und den kräftigen Zähnen auch einen erheblich stärkeren Biss, mit dem er wohl die am Ende der Eiszeit noch lebenden grossen Pflanzenfresser gut erbeuten konnte.

Die mit rotem Fell gezeigten Schattenwölfe stritten wohl vor mehr als 13000 Jahren mit den noch heute lebenden grauen Wölfen, bei der Partnerwahl aber kamen diese anscheinend nicht in Frage

Die mit rotem Fell gezeigten Schattenwölfe stritten wohl vor mehr als 13000 Jahren mit den noch heute lebenden grauen Wölfen, bei der Partnerwahl aber kamen diese anscheinend nicht in Frage

Illustration: Mauricio Antón

Allein in den Teergruben Rancho La Brea in Los Angeles fanden Forscher Überreste von mehr als 4000 Schattenwölfen. Sie gelten als eines der häufigsten und gefährlichsten Raubtiere Amerikas Ende der Eiszeit.

Noch keine sichere Antwort haben die Forscher auf die Frage gefunden, weshalb die Schattenwölfe nach dem Ende der Eiszeit aus der realen Welt verschwanden. Laurent Frantz hegt einen Verdacht: Offensichtlich waren Schattenwölfe besonders gut an die Jagd auf grosse und sehr grosse Säugetiere angepasst. «Wölfe sind dagegen viel flexibler und jagen noch heute Bisons, aber auch kleinere Arten wie Karibus und andere Hirsche», erklärt Laurent Frantz. Als am Ende der Eiszeit die grossen Arten wie die Mammuts und Riesenfaultiere verschwanden, kamen die anpassungsfähigen Wölfe und Kojoten mit der neuen Situation ganz gut zurecht. Die Spezialisten für Grosswildjagd aber zogen den Kürzeren und starben schliesslich aus.