Bis zum traurigen Ende: Todesfälle durch Selfies nehmen zu

Meldungen über Selfie-Versuche, die zu Verletzungen und Todesfällen führen, häufen sich. Betroffen sind vor allem junge Männer – aber nicht nur.

<strong>Christian Satorius</strong>
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Wenn das nur gut geht: Selfie am Grand Canyon. (Bild: Getty)

Wenn das nur gut geht: Selfie am Grand Canyon. (Bild: Getty)

Ein Selfie vom Ende der Welt wurde 2018 einer 35-jährigen deutschen Touristin zum Verhängnis, als sie die World’s End genannte Klippe im Horton-Plains-Nationalpark in Sri Lanka hinabfiel. Sie hatte nicht so viel Glück wie der Holländer, der erst drei Jahre zuvor am gleichen Ort beim Fotografieren abgestürzt war, aber nach 45 Metern an einem Baum hängen blieb und so gerettet werden konnte.

No-Selfie-Zonen an Touristen-Hot-Spots

Unglücks- und Todesfälle durch Selfies haben inzwischen derartige Ausmasse angenommen, dass an Touristen-Hot-Spots immer häufiger sichere Selfie-Standorte ausgewiesen werden oder No-Selfie-Zonen auf die bestehende Gefahr hinweisen.

Mitte letzten Jahres hatte ein Wissenschafterteam um Agam Bansal vom All India Institute of Medical Sciences in New Delhi die weltweiten Selfie-Unfälle genauer beziffern können – jedenfalls jene, die als solche registriert waren. In der Zeit von Oktober 2011 bis November 2017 starben demnach 259 Menschen beim Aufnehmen eines fotografischen Selbstporträts, die meisten davon in Indien. Männer nahmen darunter mit 72,5 Prozent den grössten Anteil ein, sowie mit 182 Fällen jüngere Menschen unter 30 Jahren. In der Altersgruppe von 50 bis 69 waren lediglich fünf Personen betroffen.

Am häufigsten Tod durch Ertrinken

Bansal und sein Team fanden bei der Auswertung englischsprachiger Zeitungsartikel auch heraus, dass die Haupttodesursache das Ertrinken war, gefolgt von Verkehrsunfällen und Stürzen sowie Feuer. Die meisten tödlichen Unfälle mit Waffen ereigneten sich den Forschern zufolge in den USA, etwa beim Posen mit einer geladenen Pistole. Dennoch dürfte dies der Einschätzung der Wissenschafter nach wohl nur die Spitze des Eisberges sein, denn viele Unfälle würden wohl gar nicht erst gemeldet. Seit November des Jahres 2017, dem Ende des Untersuchungszeitraumes der Studie, haben sich bis zum heutigen Tag bereits mehr als zwei Dutzend weitere Todesfälle ereignet.

Mit Handgranate posiert

Aber was kann man tun, um Selfie-Unfälle zu verhindern? Das russische Innenministerium hat bereits 2015 einen Ratgeber für sichere Selfies herausgegeben. Darin wird vor den grössten Unfallrisiken nach Art eines Verbotsschildes gewarnt. Die Behörden sahen sich zu diesem Schritt veranlasst, als sich die Unfälle durch Selfies häuften. Im Januar 2015 hatten sich zwei junge Männer aus dem Uralgebirge in die Luft gesprengt, als sie für ein Selfie mit einer entsicherten scharfen Handgranate posierten.

Zur Mutprobe uminterpretiert

An manchen Touristen-Hot-Spots werden inzwischen sichere Standorte ausgewiesen, an denen Selfies gemacht werden können, ohne dabei in Gefahr zu geraten. Es entstehen zudem immer mehr No-Selfie-Zonen, in denen auf die besondere Gefährdung durch das Aufnehmen eines Selbstporträts an diesem Ort hingewiesen wird. Doch auch das hilft nicht immer, sondern wird im Gegenteil zur Mutprobe uminterpretiert. Geht doch! Meistens.