Zu Hause bei

Schauspieler Daniel Rohr: Der Tausendsassa auf der Liege

Daniel Rohr in seinem privaten Reich, wo er auf der Le-Corbusier-Liege manchmal stundenlang Texte memoriert.Annika Bütschi

Daniel Rohr in seinem privaten Reich, wo er auf der Le-Corbusier-Liege manchmal stundenlang Texte memoriert.Annika Bütschi

Die Genossenschaftswohnung, die der Zürcher Schauspieler Daniel Rohr (53) mit seiner Familie bewohnt, ist sein Rück-zugsort. Gäste empfängt er beinahe jeden Abend im Theater Rigiblick.

Es braucht keine lange Akklimatisationszeit, bis man sich in Daniel Rohrs Zuhause wohl fühlt. Das liegt einerseits am Hausherrn, der einen mit kräftigem Händedruck willkommen heisst und elastischen Schrittes und munter erzählend durch die 6-Zimmer-Wohnung führt. Und andererseits am unprätentiösen, sympathischen Nachkriegs-Genossenschaftswohnungsstil. Küche und Esszimmer sind nicht zu klein, die Stube anders als in vielen modernen Wohnungen nicht überdimensioniert, und das Arbeitszimmer lässt Rohrs kreativen Gedanken genügend Raum.

Vom Bienenhaus in die Ruheoase

«Da das Theater Rigiblick meistens einem Bienenhaus gleicht, in dem ständig diskutiert, musiziert und gespielt wird, erledige ich konzeptionelle Arbeit meist zu Hause», erklärt er. Das Zimmer mit hellem Parkett, das von Regalen gesäumt ist, in denen unzählige Bücher und Platten stehen, ist sein Reich. Ausser den Enzyklopädien habe er nahezu alles schon gelesen oder gehört, sagt der Künstler, der seine Stücke als Theaterdirektor selbst auswählt oder gar entwickelt. Eine Wand allein ist seinem Spezialgebiet gewidmet, der Schnittstelle zwischen Musik und Theater. Dort stehen Fachbücher, Biografien, Songbooks sowie eine grosse CD- und Vinylplatten-Sammlung, die von Dylan und Reed bis Bruckner und Beethoven reicht.

Wenn sich Rohr in seine Materie vertieft, setzt er sich entweder an den schwarzen USM-Haller-Bürotisch oder macht es sich auf seiner Le-Corbusier-Liege bequem. «Auf ihr kann ich – mit Pausen – bis zu drei Stunden anspruchsvolle Texte memorieren», erklärt er. Auch auf die Hauptrolle des Zürcher Bürgermeisters Hans Waldmann in der umstrittenen neuen Dokufiction-Serie «Die Schweizer» hat er sich hier vorbereitet.

Von der Wohnung im Hochparterre des lachsfarbigen Wohnblocks im Quartier Oberstrass aus geniesst Rohr den Blick aufs benachbarte Schulhaus. «Der Lärm von Kindern, die in der 10-Uhr-Pause ‹göissend› auf dem Pausenplatz herumrennen, klingt in meinen Ohren wie Musik!» Rohr liebt das Rennen auch. Zuletzt hat er den Berlin-Marathon bestritten, betont jedoch, dass es ihm weniger um Resultate geht als um das Erlebnis und die Bewegung unter freiem Himmel. Das Magazin «Running», die Schlechtwetter-Laufbrille und das Ringheft, in dem er über seine Läufe Buch führt, die auf dem Schreibtisch liegen, deuten jedoch darauf hin, dass er sich nicht nur im Beruf gründlich und ambitioniert mit seinen Themen auseinandersetzt.

Fundstücke aus den Ferien

Für Ordnung, gutes Design und kulinarische Höhenflüge im Hause Rohr ist primär Ehefrau Henrica besorgt. «Sie ist strukturierter, hat das Talent und nimmt sich die nötige Zeit dafür», bekennt der Künstler, der in der Küche vor allem gerne Eintöpfe und Suppen macht. «Jetzt im Herbst, wo die Vielfalt auf den Märkten enorm ist, habe ich Hochsaison!» Dass diese Gerichte aufgewärmt oft sogar noch besser schmecken, kommt der Familie sehr entgegen, da die Koordination der Essenszeiten schwierig ist, arbeitet Henrica doch vollberuflich als Ärztin, Sohn Jonas (20) studiert Medizin, Tochter Selina (18) geht noch auf die Kantonsschule und Daniel wirkt fünf bis sechs Abende pro Woche im Theater Rigiblick.

Wo die Wände nicht von Regalen abgedeckt sind, hängen Bilder oder Schaukästen, in denen Rohr Muscheln und andere Fundstücke aus Schnorchel- und Tauchferien rund um den Globus aufbewahrt. «Die Stille der Unterwasserwelt ist der Gegenpol zu meinem Alltag, der vor allem aus dem gesprochenen Wort besteht», analysiert Rohr.

Zwei Bilder, die Rohr besonders viel bedeuten, hängen im Esszimmer. Das eine hat er von einer Besucherin seiner Aufführung der Adaption von Pink Floyds «Dark Side On The Moon» bekommen und zeigt einen Astronauten, das andere Franz Zappa. «Als Beethoven der Rockmusik ist er für mein Schaffen bis heute ein Leuchtstern.»

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1