Automatisierung
Roboter ersetzen uns nicht nur – sie schaffen auch neue Jobprofile

In den nächsten zehn bis zwanzig Jahren könnten 47 Prozent der Arbeitsplätze in den USA der Automatisierung zum Opfer fallen, wie eine von der Universität Oxford veröffentlichte Studie zeigt. Wird der Mensch überflüssig? Niemals, sagen Experten.

Carla Stampfli
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Maschinen werden den Menschen daher nicht vollumfänglich ersetzen: Die Automatisierung vernichtet zwar Arbeitsplätze, schafft aber auch neue.

Maschinen werden den Menschen daher nicht vollumfänglich ersetzen: Die Automatisierung vernichtet zwar Arbeitsplätze, schafft aber auch neue.

Keystone

Ein Blick auf Evas Tag zeigt: Die automatisierte Zukunft hat längst begonnen. Dass unser Leben zunehmend automatisiert und digitalisiert wird, bleibt nicht ohne Auswirkungen.

In den nächsten zehn bis zwanzig Jahren könnten 47 Prozent der Arbeitsplätze in den USA der Automatisierung zum Opfer fallen, wie eine von der Universität Oxford veröffentlichte Studie zeigt. Auch in Grossbritannien sind laut dem Beratungsunternehmen Deloitte UK 35 Prozent der Arbeitsplätze in Gefahr. «Die Zahlen sind anwendbar auf die Schweiz», sagt Markus Koch, Industrieexperte und Partner bei Deloitte in der Schweiz. Mit dem Unterschied, dass der Automatisierungsdruck hierzulande aufgrund der hohen Kosten besonders gross sei.

Was bedeutet das für den hiesigen Werkplatz? «Es werden vor allem Routine-Arbeiten wegfallen», sagt Karin Frick, Forschungsleiterin am Gottlieb-Duttweiler-Institut (GDI). Denn je einfacher die Arbeitsprozesse seien, desto einfacher könne man diese automatisieren.

Verkaufspersonal muss zittern

Zu diesem Schluss kommt auch die Oxford-Studie: Besonders für Verkäufer ist das Risiko hoch, von Computern ersetzt zu werden. Ein klassisches Beispiel ist das Kassenpersonal. Die hiesigen Detailhändler haben Schritt für Schritt begonnen, dieses durch Selbstbedienungskassen zu ersetzten – Coop seit 2007, die Migros seit 2011. Doch auch Dienstleister, Logistiker oder Verwaltungsangestellte müssen sich laut der Studienautoren Sorgen um ihre Stelle machen.

Arbeitsplätze fallen nicht nur weg, sondern verschieben sich auch innerhalb der Berufsbranchen. Das sei in hoch spezialisierten Metiers, zum Beispiel in der Medizin, der Fall, sagt Karin Frick. Ein Computer könne einen Teil der Diagnose zwar übernehmen. Weil diese aber präziser ausfalle, brauche es Fachpersonen, welche die Daten interpretieren können. Anders ausgedrückt: «Jedes neue Wissen generiert auch neue Fragen.» Und um diese zu beantworten, brauche es wiederum kreative Menschen, erklärt Frick.

Roboterbär hilft Senioren

Maschinen werden den Menschen daher nicht vollumfänglich ersetzen: Die Automatisierung vernichtet zwar Arbeitsplätze, schafft aber auch neue. So werden künftig Programmierer und Datenmanager gefragt sein. Genauso aber Architekten, Musiker, Therapeuten, Sport-Trainer oder Werbefachleute.

Die Automatisierung bringt zudem Veränderungen für die Konsumenten: Maschinen werden in der Pflege zum Einsatz kommen, indem sie etwa den Gang auf die Toilette erleichtern. Statt Personal werden Roboter Senioren pflegen, sie aus dem Bett hieven, wie es bereits in Japan der Bär «Riba» tut. Zudem werden Geräte wie Kühlschrank, Waschmaschine und Smartphone stärker miteinander kommunizieren. Und es geht noch weiter: «Auch die Vernetzung von Mensch und Maschine geht zügig voran», so Unternehmensberater Markus Koch. Herzklappen, andere Organe oder Hörgeräte, alles aus dem 3-D-Drucker, werden implantiert.

Die Experten sind sich einig, dass die automatisierte Zukunft eine Chance ist. Die Lebensqualität wird erhöht, die Wirtschaft nachhaltiger, neue Stellen entstehen. Die Automatisierung birgt aber auch Risiken. Technologien könnten gehackt, Maschinen wie selbstfahrende Autos sabotiert, Konsumentendaten missbraucht werden.

Doch: «Die Schweiz hat hervorragende Aussichten, um in der neuen Welt zu bestehen», sagt Koch von Deloitte. Das nicht nur aufgrund der hohen Technologie hierzulande, sondern auch wegen der vielen gut qualifizierten Arbeitnehmer. Es sei aber nötig, dass Firmen ihre Fachkräfte umschulen und weiterbilden, damit sie auf die Veränderungen schnell reagieren können.