Reisen
Wie man sich bettet, so träumt man: Drei unvergessliche Übernachtungsideen für den Sommer

Unter dem Sternenhimmel im Wallis, im Kloster in Solothurn und retrostyle im DDR-Wohnwagen in der Ostschweiz: Von diesen drei Übernachtungen träumt man auch Tage danach noch.

Sabine Kuster, Niklaus Salzmann und Katja Fischer De Santi
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Im Sternenbett: Beatmet vom Bergwind

Der Himmel war unser Zelt – die Plane brauchten wir in der Nacht nicht.

Der Himmel war unser Zelt – die Plane brauchten wir in der Nacht nicht.

Bild: Irene Stutz

von Sabine Kuster

Der Wind lässt ein paar Haare über meinem Gesicht tanzen. Davon erwache ich. Ich blinzle, sehe oben Sterne und am Fussende des Bettes den Mond. Er scheint über das Schneefeld, die Bettstatt, das Duvet, unsere Nasen. Und bestrahlt wie der Projektor eines surrealen Kinos die senkrechte Felswand des Balmhorns hinter uns. Ich höre nichts, zuerst. Dann Schmelzwasserrauschen, weit entfernt. In Wollsocken stelle ich mich auf die Felsplatte, auf der das Bett steht, und lasse mich von der Szenerie verschlucken.

Als ich das nächste Mal erwache, ist im Kinosaal das Licht angegangen. Die Schatten auf dem Schneefeld ziehen sich so schnell zurück, dass wir zuschauen können. Die Freundin schält sich aus Schlafsack und Duvet. Das Gesicht rosig, nicht gerädert wie sonst, wenn man eine Nacht durchgestanden hat in einem muffigen Hüttenschlag. Der Wind hat uns eine Nacht lang sanft beatmet.

Der Tag geht traumhaft weiter, aber wichtig ist: Dieses Bett auf 2690 Metern auf dem Lötschenpass zwischen Kandersteg und dem Wallis, das abgeschiedene Nest ohne Mauern und Glas ist noch buchbar (vorausgesetzt, Sie lesen die Zeitung früh). 100 Franken pro Person, Halbpension, eine Million Sterne inklusive. Ein Physiker im Tal hatte zwar gesagt, man könne von Auge keine Million Sterne sehen, aber Physiker verstehen nichts von Romantik.

Von blossem Auge wahrhaftig gesehen haben wir eine Million Bergblumen in allen Trendfarben, die unten im Tal je Mode gewesen sind. Einfach noch schöner. Dazu hundert magere Murmeltiere und drei erdbraune Rehe.

Ich geb’s zu, auf dem Hinweg (ab Lauchernalp) haben wir uns verlaufen, weil der Weg unter dem Schneefeld eine fiese Kurve machte. Aber das Hin und das Zurück (via Gitzifurgge nach Leukerbad) ist zweitrangig. Natürlich war das Bad im Bergbach herrlich und Znacht und Zmorge in der nahe gelegenen Lötschenpasshütte köstlich. Aber schlicht unvergesslich ist die Nacht auf Fels und Schnee unter freiem Himmel.

Gut zu wissen: Gefroren haben wir nicht. Obwohl es nachts nur 5 Grad warm war, erwachten wir nach einer halben Stunde mit Hitzestau. Was auch an der Bettflasche lag, welche das Hüttenteam uns unter das Duvet gelegt hatte. Ein warmer Schlafsack liegt zudem bereit. Bei Regen kann über die Bettstatt eine perfekt passende Plane mit grossem durchsichtigem Fenster gezogen werden. Dünne Mütze nicht vergessen!

Reservation: www.loetschenpass.ch

Weitere exklusive Übernachtungen unter freiem Himmel sind in der ganzen Schweiz zu finden unter: millionstars.swisshotels.com.

In der Klosterzelle: Der wahre Luxus findet sich im Garten

Die ehemaligen Klosterzellen sind einfach, aber angenehm ausgestattet.

Die ehemaligen Klosterzellen sind einfach, aber angenehm ausgestattet.

Bild: zvg

von Niklaus Salzmann

Kein Mensch zu sehen. Ich finde den Schlüsselsafe im Veloraum, tippe meinen Code ein und mache mich mit dem Schlüssel auf die Suche nach meinem Zimmer. Über schwere Steinstufen und dunkelrote quadratische Kacheln, abgewetzt von unzähligen Schritten, geht es in den oberen Stock. Neben der Réception (die in der Regel nur am Morgen besetzt ist) trägt eine Holztür meine Zimmernummer. Dahinter erwartet mich ein hübsches Kämmerchen, weisse Wände mit Holzbalken, ein hölzerner Schrank, ein Tischchen, ein Lavabo. Und neben dem bescheidenen Einzelbett der mintgrüne Kachelofen, eine Wucht! Die Bibel liegt diskret hinter dem Ofen.

Freundlich scheint die Sonne herein, der Blick aus dem Fenster fällt auf einen Obstbaum im weitläufigen Klostergarten. Um ihn zu erreichen, führe ich meine Erkundungstour weiter, gelange durch einen Gang in den Anbau mit Dusche und WC, der weniger antik wirkt als der Rest des Gebäudes, und über eine mit nicht ganz frischem Spannteppich bezogene Treppe in den Garten.

Zu meiner Linken sagt ein Schild: «privat»; offenbar ist der eine Teil der Handvoll Kapuzinerinnen vorbehalten, die noch im Kloster leben. Doch zu sehen ist auch hier niemand, ich scheine die einzige Menschenseele weit und breit zu sein. Trotzdem fühle ich mich nicht etwa einsam, sondern erhaben: Das alles, dieses mächtige Gebäude mit dem schier endlosen Garten, ist da für mich allein.

Ich gehe am Bienenhaus vorbei, von dem am nächsten Morgen Honig auf dem Frühstückstisch stehen wird, und dann der Mauer entlang. Sie ist unüberwindbar hoch – aber ihre Patina gibt ein Gefühl von Geborgenheit. Bis zum hinteren Ende des Gartens ist es so weit, dass es fast schon ein Spaziergang ist. Dort laden lauschige Bänklein zum Verweilen ein.

Ich kehre aber um, hole mir in der Küche ein Glas Rotwein und setze mich beim Bienenhaus an ein Gartentischchen. Hier lasse ich meinen Gedanken freien Lauf und versuche zu ergründen: Was ist Luxus? Für mich sind es nicht der Flatscreen und die Minibar, die mich in einem Fünfsternehotel erwarten würde. Sondern das zu finden, was mir im Alltag fehlt: wahre Ruhe.

Gut zu wissen: Das Kloster nimmt seit Jahrhunderten Gäste auf. Der heutige Hotelteil hat vier Einer- und zwei Zweierzimmer mit WC auf der Etage. Die Einrichtung ist nicht ins letzte Detail durchgestylt, sondern wohltuend imperfekt. Beliebt ist das Hotel bei Velofahrerinnen und Pilgern, für Partys ist es der falsche Ort: Gäste werden gebeten, sich mit Lärm zurückzuhalten. Es gibt Frühstück, aber kein Abendessen.

Reservation: porta-secunda.ch

Im originalen «Dübener Ei»: Ein Hingucker auf zwei Rädern

Wie ein Zelt auf Rädern, nur viel schicker. Unterwegs mit dem Vintage-Wohnwagen.

Wie ein Zelt auf Rädern, nur viel schicker. Unterwegs mit dem Vintage-Wohnwagen.  

Bild: kaf

von Katja Fischer De Santi

Wir sind ein Hingucker. Wohin wir auch fahren: Die Leute winken uns fröhlich zu und machen Fotos. Unauffällig reisen geht mit dem himmelblauen «Dübener Ei» mit Jahrgang 1988 wirklich nicht. Das DDR-Kennzeichen am Heck macht ­zudem auch gleich klar, dass es sich um eine originale «Knutschkugel» von vor der Wende handelt, liebevoll restauriert vom Ostschweizer Kulturveranstalter Gerold Huber.

Sechs verschiedene Kult-Caravans im Stil der 1960er-Jahre vermietet der Sammler zurzeit. Allen gemeinsam ist: Sie sind alt und speziell. Jedes hat seine eigene Geschichte. Ich bekomme den «Schneeball» und bin froh, ist das Bett darin grösser als erwartet. Ich kann mich mit meinen 1 Meter 80 problem­los ausstrecken. Auch Platz für einen Gaskocher (für den frischen Frühstückskaffee) bleibt im 280 Kilo leichten «Ei».

Das Interior ist einfach gehal­ten, man reist am besten mit sehr leichtem Gepäck an. Licht oder einen Kühlschrank gibt es in der «Knutsch­kugel» nicht. Dafür darf ich in Hubers ­riesigem Fundus an Campingmaterial, vieles davon Vintage, wühlen. Ein ­Tischchen, ein Stuhl, eine Solarlampe, ­etwas Besteck und Weingläser sollen für den Ausflug an die Thur ausreichen. Eine Strassenkarte gibt es noch dazu und den dringenden Hinweis, niemals rückwärts zu fahren. «Der Wagen schert extrem schnell aus, und dann haben wir den Schaden.»

Apropos Schaden: Die Vintage-Wohnwagen sind alles andere als robust. Die Jahre haben ihre Spuren hinterlassen. Die meisten seiner «Rolling Vintage ­Hotels» hat Huber in denkbar schlechtestem Zustand aus feuchten Scheunen gerettet. So wellt sich das Dach meines «Schneeballs» ziemlich, und die Fenster lassen sich nur mit viel Gefühl öffnen. In der Nacht werde ich trotzdem sehr gut schlafen, leichter Regen prasselt auf das dünne Dach, der Wind zieht sanft durch die Fenster, das Bett ist ­bequem.

Das Beste aber ist, dass man die leichten Wohnwägelchen fast überall hinstellen kann. Auf einen schönen ­Parkplatz im Alpstein, auf eine Wiese über dem See, wenn man den Bauern ­vorher kurz fragt, oder an eine Hochzeitsfeier, als Überraschung. Die Aufmerksamkeit ist einem sicher, und romantisch wird es in der Knutschkugel auch fast ­sicher.

Gut zu wissen: Ein Gespann mit Vintage-Wohnwagen und Smart kostet werktags 222 Franken und am Wochenende 333 Franken pro Nacht. Die Wohnwagen müssen in Wittenbach (bei St.Gallen) abgeholt werden.

Reservation: www.rosita.ch

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