Reisen
Dem Rhein entlang nach Amsterdam: Nichts ist so entspannend wie eine Flussschifffahrt

Verloren hat unsere Autorin auf dem Wasserweg zwischen Basel und Amsterdam das Zeitgefühl. Gewonnen hat sie dafür viel Ruhe.

Rita Kohn Dell’Agnese
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Vier Länder und immer wieder idyllische Naturlandschaften passiert die MS Edelweiss.

Vier Länder und immer wieder idyllische Naturlandschaften passiert die MS Edelweiss.

Bild: zvg

Sie fängt beim Kofferpacken an. Die Unsicherheit, was mich auf dem Flussschiff MS Edelweiss erwartet, das mich auf dem Rhein von Basel nach Amsterdam und zurück bringt. Legere Kleidung? Oder doch etwas Gediegenes? Immerhin werde ich acht Tage auf einem Schiff verbringen, das mit «4 Sterne +» wirbt. Zumindest für das Captain’s Dinner soll es elegante Kleidung sein. Nun noch die Frage: Brauche ich etwas gegen Seekrankheit? Rein zur Prophylaxe. Und als endlich alles im Koffer steckt, kommt die Angst auf, der grosse Koffer könnte in der Kabine zu einem Hindernis werden. Kurz: Ich bin eine Flussreise-Novizin.

Vor dem Anleger St.Johann in Basel bringt ein Blick auf das Gepäck meiner Mitreisenden etwas Erleichterung. Sie alle haben ebenfalls einen grösseren Koffer dabei. Und es ist unverkennbar, dass ein grosser Teil von ihnen nicht zum ersten Mal auf eine Flussschifffahrt geht. Da wird über die Vor- und Nachteile verschiedener Schiffe diskutiert, und schnell sind Handys gezückt, um den neuen Reisegefährten Fotos von der letzten Fahrt zu zeigen.

Das Panorama auf Flussschifffahrten ist einzigartig – Städte erscheinen in ganz neuem Licht.

Das Panorama auf Flussschifffahrten ist einzigartig – Städte erscheinen in ganz neuem Licht.

Bild: rk

Die Menschen, die sich am Anleger versammeln, gehören mit wenigen Ausnahmen zur Kategorie der Rentnerinnen und Rentner. Da und dort sind jüngere Personen auszumachen. Da auch von ihnen die einen oder anderen versierte Flussreisende zu sein scheinen, werfe ich mein Vorurteil, dass es wohl vor allem ein Angebot für ältere Passagiere ist, über Bord.

Während in den vergangenen Sommern die Kapitäne der Rheinschiffe vor allem mit einem zu tiefen Pegelstand zu kämpfen hatten, war es in diesem Sommer das Hochwasser. An ein Einschiffen in Basel ist nicht zu denken. Die Gruppe der 77 Passagiere wird mittels Bussen nach Breisach gebracht, wo die MS Edelweiss vor Anker liegt und auf uns wartet.

Die Tabletten gegen Seekrankheit bleiben in der Schachtel

Der Empfang auf dem Schiff ist überaus herzlich. Für die Crewmitglieder ist es eine der ersten Fahrten, die nach der langen, coronabedingten Zwangspause wieder möglich sind. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kommen aus über zwölf Nationen. Es soll sich bis zum Schluss nichts an ihrer echten Herzlichkeit ändern.

Die Passagiere nehmen beim Willkommensapéro erste Gespräche auf, während das Schiff fast unmerklich ablegt und Kurs auf das erste Etappenziel Mannheim nimmt. Zuerst einmal heisst es, sich auf dem Schiff einzuleben. Für die Passagiere werden es acht Tage sein, die sie mit der «Edelweiss» unterwegs sind. Für die Crew ist es bedeutend länger, bis sie für einige Tage in ihre Heimat reisen können.

Auch für den Ungarn Antal Nagy-Pal, der als Kapitän am Ruder der «Edelweiss» steht, beginnt eine längere Arbeitsphase. Er steuert er das Schiff durch die schwierigen Passagen des Rheins. Elf Jahre ist der Rhein nun sein Zuhause. Manchmal habe er Heimweh, gesteht er. Zu Hause habe er eine Frau und eine zweieinhalbjährige Tochter. Doch ein Wechsel auf ein Donauschiff ist derzeit keine Option. Um wieder dort am Ruder zu stehen, müsste er zuerst das entsprechende Patent machen.

Schon nach wenigen Stunden wird das Leben an Bord tief gelassen und ebenso tief entspannt. Das sanfte Gleiten des Schiffes auf dem fliessenden Wasser hat etwas Meditatives. Alle Bedenken fallen ab, die Tabletten gegen Seekrankheit bleiben in der Schachtel. Beim Abendessen kommt man mit anderen Passagieren ins Gespräch. Es wird völlig unwichtig, ob man derselben Generation angehört, wichtig ist nur, dass man dasselbe Gefühl teilt: die Freude, eine Reise zu machen, auf der Hektik keine Rolle spielt.

Die Landschaft lässt sich von der eigenen Kabine aus beobachten.

Die Landschaft lässt sich von der eigenen Kabine aus beobachten.

Bild: rk

Industrie, Auen und Grossstädte

Basaltabbau im Vulkanmuseum nahe Koblenz, Kohleabbau in der Zeche Zollverein Essen, die Chemieparks entlang des Rheins, imposante Frachter aller Art: Es ist auch eine Reise durch das Industriezeitalter. Dazwischen ziehen immer wieder Auen und kleinere Dörfer vorbei, manchmal Grossstädte wie Mainz, Köln oder Amsterdam.

In Amsterdam wendet das Flusskreuzfahrtschiff und nimmt Kurs auf Basel.

In Amsterdam wendet das Flusskreuzfahrtschiff und nimmt Kurs auf Basel.

Bild: Getty

Sie zeugen davon, welche Bedeutung dem Rhein zukommt. Die Ausflüge führen durch Kleinstädte, Kurorte oder Festungsanlagen. Meine Bedenken, zu oft per Bus zu den Sehenswürdigkeiten unterwegs zu sein und damit die Ruhe der Schiffsreise aufs Spiel zu setzen, erweisen sich als unbegründet.

Als Ausgleich zu den Landausflügen gibt es lange Passagen auf dem Schiff. Dabei ist das Sonnendeck mit seinen Sitzgruppen und Liegestühlen ebenso verlockend wie die Ruhe der eigenen Kabine, in der sich die langsam vorbeiziehende Landschaft durch die weit geöffnete Schiebetür beobachten lässt.

Festungen, Dörfer und Städte ziehen an einem vorbei.

Festungen, Dörfer und Städte ziehen an einem vorbei.

Bild: rk

Für ein besonderes Erlebnis sorgen immer wieder die verschiedenen Schleusen oder die auf dem Rhein verkehrenden Frachtschiffe, die einen Eindruck der immensen Menge an Waren vermitteln, die über den Rhein in die Schweiz geliefert werden.

Die Passagiere sind rasch zu einer eingeschworenen Gruppe geworden, man tauscht mehr aus als nur ein paar belanglose Worte. Und so macht sich gegen Ende Wehmut breit. Erst am Abend zuvor wird mir bewusst, dass tatsächlich schon eine ganze Woche vergangen ist. Eine Woche, in der ich der Hektik des Alltags ein Schnippchen schlagen konnte.

Gut zu wissen

Die Flusskreuzfahrt In acht Tagen fährt das Schiff MS Edelweiss von Basel nach Amsterdam und zurück. Jeden Tag gibt es einen Stopp und die Möglichkeit, einen Ausflug an Land zu unternehmen.

Preis
Je nach Saison und Kabine kostet die Reise zwischen 490 und 1790 Franken pro Person. Inbegriffen ist die Vollpension an Bord exklusiv die Getränke.

Corona
An Bord herrscht Maskenpflicht, und die Zahl der Passagiere ist beschränkt. Da die MS Edelweiss vier Staaten passiert, kann es sein, dass aufgrund der Bestimmungen der einzelnen Länder kurzfristig täglich Fieber gemessen oder getestet werden muss.

Anbieter
Die Flusskreuzfahrt wird von Thurgau Travel organisiert und durchgeführt: www.thurgautravel.ch

Die Reise wurde durch Thurgau Travel ermöglicht.

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