Gerichtsfall
Nach 13 Jahren Vormundschaft: Britney Spears kommt von ihrem Vater frei – ein Leben in Freiheit kennt sie nicht

Jamie Spears hatte seit 2008 die Vormundschaft für seine 39 Jahre alte Tochter inne. Zuletzt war bekannt geworden, dass er die Pop-Sängerin bis in ihr Schlafzimmer hinein überwachen liess.

Katja Fischer De Santi
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Fans feiern am 30. September 2021 den Gerichtsentscheid über die Vormundschaft Britney Spears in Los Angeles.

Fans feiern am 30. September 2021 den Gerichtsentscheid über die Vormundschaft Britney Spears in Los Angeles.

Caroline Brehman/EPA

Endlich: Free Britney. Nach 13 Jahren ist der Vater der Sängerin als Vormund für seine Tochter abgesetzt worden. Ein US-Gericht hatte dem Antrag von den Anwälten der Sängerin am Mittwoch stattgegeben. Damit wird zumindest schrittweise Wirklichkeit, wofür Fans und Promis unter kräftiger Beihilfe grosser Medienhäuser wie der «New York Times» oder Netflix seit zwei Jahren kämpfen: dass die bald 40-jährige Sängerin «ein selbstbestimmtes Leben» führen kann, wie ihr Anwalt Mathew Rosengart sagte.

Ihren Vater ist Britney Spears also nun endlich los, die Vormundschaftsregelung bleibt zunächst aber bestehen. Die nächste Anhörung soll am 12. November stattfinden. Erst dann könnte das Gericht über die mögliche Aufhebung aller Auflagen entscheiden.

2008 befand ein Gericht: Spears sei eine Gefahr für sich und andere

Der 69 Jahre alte Jamie Spears hatte seit 2008 die Vormundschaft für seine Tochter inne, nachdem die Sängerin wegen privater und beruflicher Probleme psychisch zusammengebrochen war.

Vater Jamie Spears hatte seit 2008 die Vormundschaft über seine Tochter.

Vater Jamie Spears hatte seit 2008 die Vormundschaft über seine Tochter.

AP

Nicht nur für ihre Fan-Community waren die Bilder der verstörten und aggressiven Sängerin damals schwer erträglich. Es wirkte, als hätte Britney Spears zwischen Drogenexzessen und Sorgerechtsstreits den Halt verloren. Die Boulevardpresse erklärte sie für verrückt. Die Richter später auch. Spears sei nicht mehr zurechnungsfähig, sei eine Gefahr für sich und andere. Ein Gericht entschied, dass vorübergehend ihr Vater, James Spears, genannt Jamie, zusammen mit einem Anwalt alle wichtigen Entscheidungen im Leben seiner Tochter treffen sollte – angefangen bei der Wahl ihrer Medikamente, bis hin zur Verwaltung ihres Millionenvermögens.

Der Vater nutzte ihre Kinder als Repressalie

Dies mit fragwürdigen Mitteln, wie die Dokumentation «Controlling Britney Spears» der «New York Times» nahelegt. Wie eine Gefangene soll er seine Tochter behandelt haben, sie selbst im Schlafzimmer mit Kameras überwacht, ihr Telefon zeitweise abgehört haben. Ihre Kinder dienten ihm, wie die Sängerin bei Anhörungen im Juni und Juli sagte, als Repressalie. Funktionierte sie nicht so wie von ihm gewünscht, durfte sie ihre Kinder nicht sehen. Und dass Britney Spears funktionieren konnte, das bewies sie immer wieder, bei Auftritten auf der halben Welt, als Jurorin bei einer US-TV-Castingshow.

Mit ihren Auftritten (hier 2016 für Pepsi) verdiente Britney Spears weiterhin bis zu 60 Millionen Dollar im Jahr – verwaltet von ihrem Vater.

Mit ihren Auftritten (hier 2016 für Pepsi) verdiente Britney Spears weiterhin bis zu 60 Millionen Dollar im Jahr – verwaltet von ihrem Vater.

Rob Grabowski/AP

Doch Interviews gab sie keine mehr, Einblicke in ihr Leben blieben selten und vor allem über Social Media sehr diffus. Dort postet die 39-Jährige sehr regelmässig Videos von sich. Bauchfrei und lasziv wie in ihren jugendlichen Jahren tanzt oder posiert sie dort, bleibt aber seltsam stumm und distanziert.

In Kombination mit etwas wirren Textzeilen und sehr vielen Emoticons macht es keinen sehr gesunden oder zumindest erwachsenen Eindruck. Spears Fans sind sich denn auch sicher, dass sie nicht selbst ihre Social-Media-Accounts kontrolliert. Und dass diese mit oft sehr altem Videomaterial künstlich am Laufen gehalten würden. Wer sich die Bilder genauer anschaut, kann sich des Eindrucks kaum verwehren, dass diese Frau entweder immer noch sehr labil oder sehr unfrei – oder wohl einfach beides ist.

Dass ihr Vater, der stets beteuerte, nur das Beste für seine Tochter zu wollen, selbst die Kontrolle darob verloren hatte, steht aber wohl ausser Frage.

Ein Leben in Freiheit kennt sie nicht

Ob es für Britney Spears je möglich sein wird, ein wirklich freies und selbstbestimmtes Leben zu führen, steht auf einem anderen Papier. Es wird sehr, sehr schwierig für sie, die mit 13 Jahren zum Pop-Star wurde, die Männerfantasien erfüllte, bevor sie selbst einen Mann geküsst hatte, die von den Medien hoch- und niedergeschrieben wurde, die die Kontrolle über ihr Image schon vor Jahrzehnten an ihre Plattenfirmen, Manager und die Medien verloren hat. Wie sich ein freies Leben anfühlt, weiss die 39-Jährige, die sich gerade wieder verlobt hat, vermutlich gar nicht.

In den Anhörungen soll sie gesagt haben, dass sie keine weiteren psychologischen Abklärungen ertragen und erdulden werde. Sie sei jahrelang dazu gezwungen worden und wolle einfach ihre Freiheit geniessen. Ob die Richterin Brenda Penny jedoch zulässt, die Vormundschaft ohne gesundheitliches Gutachten zu beenden, ist mehr fraglich.

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