Plädoyer für den Fernunterricht
Als Eltern erwartet man nun täglich die nächste Quarantäne

Zum Glück sind Sportferien, findet unsere Autorin und Mutter dreier Kinder. Sie hat genug davon sich wegen einer möglichen Corona-Ansteckung zu sorgen. Während die meisten Eltern froh sind, dass die Schulen noch geöffnet sind, hält Susanne Holz mit ihren Argumenten dagegen.

Susanne Holz
Susanne Holz
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Die Kinder der Autorin kamen mit dem Fernunterricht ganz gut zurecht.

Die Kinder der Autorin kamen mit dem Fernunterricht ganz gut zurecht.

(Bild: Symbolbild/ Keystone)

Endlich mal eine Verschnaufpause! Denkt man sich, wenn man wie ich drei Schulkinder und ziemlichen Respekt vor der Krankheit hat, die seit einem Jahr den Globus in Atem hält, und deren mögliche Spätfolgen gerade erst bekannt und erforscht werden.

Warum ich von einer Verschnaufpause rede? Verschnaufen können besorgte Eltern in manchen Kantonen diesen Tagen, weil Sportferien sind. Weil die Kinder zu Hause sind und man sich als Mutter oder Vater nicht jeden Tag fragen muss, ob sich womöglich eines der Kinder in der Schule infiziert hat. Hat man mehrere Schulkinder, steigt dieses Risiko. Und natürlich steht auch immer die Frage im Raum, ob Klassengspänli sich infiziert haben. Ob bald wieder ganze Schulklassen und Familien in Quarantäne müssen. All das kann jetzt jederzeit passieren, und dies in Kauf nehmen zu müssen, weil am Präsenzunterricht festgehalten wird, kostet Nerven.

Fünf-Personen-Regel aber trotzdem Schulklassen

Nerven hat das wohl auch die Mutter aus Bern gekostet, die eine Website zu Coronaausbrüchen an Schulen betreibt. Anfang Februar verzeichnete die Website mehr als 100 Cluster mit Schulausbrüchen, verteilt auf über die Hälfte der Kantone. Was bedenklich ist und zu erwarten war. Und nach den Sportferien? Nicht wenige Familien kehren dann vom Skifahren zurück, aus Gebieten, bekannt für die Verbreitung der ansteckenderen Virusmutationen. Die Sorge, dass Schulen in der Folge zum Treibhaus für mutierte Viren werden, ist nicht ganz aus der Luft gegriffen.

Drei Schulkinder, einmal Primar-, einmal Sekundar- und einmal Fachmittelschule, haben mir im Frühjahr 2020 gezeigt, dass Fernunterricht funktionieren kann. Der damals in der Politik ohne Wenn und Aber beschlossen wurde. Und jetzt, im Februar 2021, frage ich mich, was es für einen Sinn macht, Eltern ins Homeoffice zu schicken und Kinder in die Schule? Ist es ausserdem sinnvoll, dass wir wegen der Fünf-Personen-Regel keine zusätzlichen Leute einladen würfen, Kinder und Jugendliche aber fünf Tage in der Woche mit 20 und mehr Klassenkameradinnen und Klassenkameraden in einem Raum sitzen?

Macht es Sinn, Läden und Restaurants zu schliessen und Schulen offen zu halten? In Läden kann man die Anzahl der Personen im Raum begrenzen und strikte Schutzkonzepte einhalten. Restaurantbesuche wiederum sind freiwillig, man kann das Risiko einer Infektion in Kauf nehmen oder nicht. Der Schulbesuch aber ist Pflicht. Egal, ob Kinder, Eltern oder Lehrer Risikopersonen sind oder nicht. Sie alle gehen derzeit Risiken ein, die man andernorts mit vermeidet – und es steht nicht mal zur Debatte, sie deshalb für eine bald zu impfen.

Fernunterricht im letzten Frühjahr war kein Desaster

Ich verstehe nicht, warum man den Präsenzunterricht vehement verteidigt mit dem Argument, er hätte negative psychische Auswirkungen auf die Kinder und deren Familien, gleichzeitig aber Regeln für Schulkinder in Quarantäne herausgibt, welche die Mühsal eines Fernunterrichts um ein Vielfaches toppen: Ist ein Kind infiziert, muss es sich tagelang im Zimmer isolieren, das Essen wird vor die Tür gestellt, und das Kind soll bitte nach Gebrauch das Badezimmer desinfizieren…

Es ist klar, dass viele Familien den Fernunterricht im letzten Frühjahr problematisch fanden. Nicht alle Eltern können zu Hause bleiben und neben der Arbeit im Homeoffice auch noch Kinder betreuen. Und wohl auch nicht jede Schule kann Laptops zur Verfügung stellen. Doch solch ein Desaster, wie nun vermittelt wird, war der Fernunterricht nicht. Vielerorts hat er funktioniert. An Mittelschulen etwa müssen Schülerinnen und Schüler sowieso ihren eigenen Laptop haben. Und schlussendlich fragt sich doch: Wie schwer wiegen ein paar Wochen, in denen weniger gelernt wird, wenn danach die Pandemie und alle Massnahmen zu einem schnelleren Ende finden würden?