Auszeichnung

Physik-Nobelpreis: Drei Gewinner, die unterschiedlicher nicht sein können

Mit dem Nobelpreis für ihre Forschung zu Schwarzen Löchern geehrt: Reinhard Genzel, Astrophysiker am Max Planck Institut, Andrea Ghez, Professorin für Physik und Astronomie an der Universität California in Los Angeles (UCLA) und Roger Penrose, emeritierter Professor der Universität Oxford in England.

Mit dem Nobelpreis für ihre Forschung zu Schwarzen Löchern geehrt: Reinhard Genzel, Astrophysiker am Max Planck Institut, Andrea Ghez, Professorin für Physik und Astronomie an der Universität California in Los Angeles (UCLA) und Roger Penrose, emeritierter Professor der Universität Oxford in England.

Eine sternensuchende US-Detektivin, eine ritterlich-britische Koryphäe und ein zurückgezogener Deutscher gewinnen den Nobelpreis in Physik.

Sie wollte eigentlich Balletttänzerin oder dann die erste Frau auf dem Mond werden. Nun ist sie die vierte Frau, die einen Nobelpreis für Physik erhält: die 55-Jährige Amerikanern Andrea Ghez. Eine Frau, die stets so fröhlich und beschwingt auftritt, dass man beinahe vergisst, dass sie gerade das Unvorstellbare zu erklären und zu beweisen versucht: schwarze Löcher. Oder genauer das supermassive schwarze Loch im Zentrum unserer Galaxie.

Andrea Ghez, Professorin für Physik und Astronomie, im Februar 2017 an der UCLA in Kalifornien.

Andrea Ghez, Professorin für Physik und Astronomie, im Februar 2017 an der UCLA in Kalifornien.

Jeden Tag mindestens ein Sudoku

In einer Selbstbeschreibung nennt sie sich «Stargazing Detectiv», Sternen suchende Detektivin. Rätsel faszinieren sie. Jeden Tag löst sie mindestens ein Sudoku, um ihr Gehirn zu entspannen, erzählte sie in einem Interview für die Webseite StarDate.org. Dass sie sich der Astronomie verschrieben habe, sei reiner Zufall.

Dass sie bei den Sternen hängen geblieben ist, ist dennoch nicht ganz zufällig. «Ich wählte die Physik, weil ich dachte, das sei ein Feld, dass mir möglichst viele Optionen offen hält.» Die Astronomie packte sie dann, weil es eine Kombination sei aus Mathematik, Computertechnik und Big Data. «Es war und ist wie ein riesiges Rätsel, das mich nicht mehr loslässt. Unser Verständnis davon, wie das Universum funktioniert, ist immer noch so unvollständig.»

Ein Kinderbuch, um Mädchen fürs Astronomiestudium zu begeistern

Zeitweise forschte sie an Projekten der US-Raumfahrtbehörde Nasa, bevor sie Anfang der 90er-Jahre an die University of California in Los Angeles (UCLA) ging, wo sie als Professorin bis heute forscht und lehrt. Schon 1995 hat sie ein Kinderbuch mit dem Titel: «You Can Be a Woman Astronomer» herausgegeben. Es müsste jetzt noch mit dem Untertitel «...and a Nobel Prize Winner» aktualisiert werden.

Roger Penrose: Der 89-Jährige Starwissenschafter

Im Jahr 2000 schlug die Queen Elizabeth Roger Penrose zum Ritter.

Im Jahr 2000 schlug die Queen Elizabeth Roger Penrose zum Ritter.

Eine andere Generation von Wissenschaftern repräsentiert der 89-jährige Brite Sir Roger Penrose. Von der Queen zum Ritter geschlagen, ist er als mathematischer Physiker ein Star. Seine Auszeichnungen füllen ganze Wände, seine populärwissenschaftlichen Bücher verkaufen sich trotz hochkomplexer Themen millionenfach. Als Andrea Ghez noch ein kein zehn Jahr alt war, bewies er zusammen mit Stephan Hawking, dass es während des Urknalls und im Inneren Schwarzer Löcher sogenannte Singularitäten geben muss.

Eine Familie aus hochkarätigen Wissenschaftern

Nach ihm ist das Penrose-Dreieck mit drei aufeinander stehenden rechten Winkeln benannt. Ein Konstruktion, die in der Realität nicht möglich ist, die jedoch den Grafiker M. C. Escher zu mehreren Bildern inspirierte. Der fünffache Vater stammt aus einer Familien von hochkarätigen Wissenschaftern. Sein Vater war der Genetiker Lionel Penrose, ein Pionier auf dem Gebiet der Vererbung geistiger Fähigkeiten. Rogers älterer Bruder Oliver war als Kind ein Überflieger und später Statistikprofessor in Edinburgh, der jüngere Bruder Jonathan wurde zehnmal britischer Schachmeister. Seine eigene wissenschaftliche Karriere trieb Roger Penrose hauptsächlich in Grossbritannien voran. Er promovierte 1957 an der Universität Cambridge und arbeitete später als Professor an der der renommierten Uni Oxford.

Der unauffällige Professor: Reinhard Genzel

Reinhard Genzel in seinem Büro in Garching, am  6. Oktober nach Bekanntgabe des Nobelpreises für Physik.

Reinhard Genzel in seinem Büro in Garching, am 6. Oktober nach Bekanntgabe des Nobelpreises für Physik.

Der Deutsche Reinhard Genzel ist der unauffälligste Wissenschafter in diesem illustren Trio. In den wenigen Interviews, die er in seiner Karriere gegeben hat, dreht sich alles stets nur um seine Forschung. Über Privates spricht er nicht. ETH-Physiker Sascha Quanz, der Genzel von einem Workshop kennt, sagt über ihn:

Der 68-Jährige Genzel scheint der Prototyp des zurückgezogenen Physikprofessors zu sein. Er promovierte 1978 am Max-Planck-Institut für Radioastronomie. Nach Abstechern in den USA zog es ihn auch wieder dorthin zurück. Seit 24 Jahren ist Genzel Direktor des Max-Planck-Instituts für extraterrestrische Physik. Als der Anruf aus Stockholm ihn erreichte, sei er gerade in einer Telefonkonferenz gewesen. Seither stehe das Telefon nicht mehr still, aber er hoffe, dass er noch dazu komme, auf seinen Preis anzustossen, gab er zu Protokoll.

Autor

Katja Fischer De Santi

Meistgesehen

Artboard 1