Pandemie
Anteil der Delta-Variante steigt schneller als erwartet – ein flüchtiger Kontakt ohne Maske kann genügen für eine Infektion

In der Region Bern sind vermutlich schon die Hälfte aller Neuinfektionen solche mit der ansteckenderen Mutation aus Indien.

Sabine Kuster
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Ungeimpften fällt es durch die Mutation schwerer, sich zu schützen.

Ungeimpften fällt es durch die Mutation schwerer, sich zu schützen.

Bild: Laurent Gillieron/
Keystone

Schon vor zwei Wochen sah das berechnete Szenario eindrücklich aus – die Delta-Variante wäre demnach Mitte August für die Hälfte aller Corona-Infektionen verantwortlich gewesen. Nun hat deren Verbreitung noch schneller als erwartet zugenommen: Die Taskforce gibt in ihrem Update an, dass der Anteil vor zwei Wochen bei 23 Prozent gelegen habe. Die Abwasser-Analysten der ETH Zürich in Basel fanden die Variante aber in manchen Regionen noch häufiger.

Niko Beerenwinkel, Professor am Departement für Biosysteme, sagt in einem Interview: «Nach unseren Schätzungen machte die Variante am 15. Juni in Zürich 33 Prozent und in der Region Bern 48 Prozent aller nachgewiesenen Corona-RNA-Moleküle aus.» In den anderen untersuchten Kläranlagen war der Delta-Anteil geringer.

Die 15-Minuten-Regel gilt vermutlich nicht mehr

Der aktuelle Anteil liegt gemäss den Modellberechnungen von Covspectrum der ETH Zürich schweizweit bei durchschnittlich 40 Prozent. Damit dürfte es bereits schwieriger sein, sich mit einer einfachen Maske in einem schlecht gelüfteten Raum vor einer Infektion zu schützen.

Gemäss Meldungen aus Australien genügt es sogar, dass zwei Menschen ohne Maske aneinander vorbeigehen, um sich anstecken zu können. Die anfangs der Pandemie gültige Regel, dass der Kontakt während einer Viertelstunde und auf einer Distanz von weniger als zwei Metern stattfinden muss, ist demnach ausser Kraft.

Rund doppelt so ansteckend wie vor einem Jahr

Bereits die Alpha-Variante aus England ist viel ansteckender als der ursprüngliche Wild-Typ aus China, Berechnungen gehen von Werten von 35 bis 90 Prozent aus. Nun zeigen Erhebungen der britischen Gesundheitsbehörden, dass Delta im Vergleich zur Alpha-Variante wiederum das Risiko, sich zu Hause anzustecken, um 64 Prozent erhöht.

Damit verschärft sich in der Schweiz der Wettlauf zwischen den Impfungen und der ansteckenderen Variante. Erst 34 Prozent der Bevölkerung ist doppelt geimpft und hat somit einen guten Schutz auch gegen die Delta-Variante.