TalkTäglich
«Ohne Pfarrer Sieber wären wir nicht mehr am Leben»: Zwei ehemalige Drogensüchtige erzählen

Es war die Hölle. Bei Sina Signorell sogar bereits, bevor sie auf den Platzspitz kam. Andi kam erst später zu den Drogen, aber nur schwer wieder davon los. Beide verdanken dem kürzlich verstorbenen Zürcher Obdachlosenpfarrer Ernst Sieber viel. In der Sendung «TalkTäglich» sprach das Paar darüber.

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Viele sind gestorben auf dem Platzspitz. Sina und Andi haben Zürichs offene Drogenszene in den 80er- und 90er-Jahren überlebt. Das verdanken sie unter anderem Pfarrer Ernst Sieber, wie sie gegenüber Tele Züri sagen.

«Er war ein herzensguter Mensch und hat uns immer in die Arme genommen», sagt Sina Signorell. Wäre er nicht gewesen «wäre ich nicht mehr am Leben», ist sie sicher. Und auch Andi sagt: «Ich wäre in der Kiste. In der Holzkiste.»

Sina Signorell lebte im Sune-Egge, einem Hospiz für schwerst Süchtige. Andi Gerber kam dort hin zur Methadon-Abgabe. So lernten sich die beiden kennen und wurden ein Paar.

Gotteserlebnis im Gefängnis

Andi Gerber war zuvor zu acht Jahren Gefängnis verurteilt worden, unter anderem wegen Drogenhandels. Den Personenfahndern aus Siebers Pfuusbus, die ihn auch im Gefängnis besuchten, verdanke er seine «Genesung».

Heute sind sie beide clean. Das Paar lebt gemeinsam in Neuhausen. Für Andi Gerber ist nicht nur die Erinnerung an Ernst Sieber als einen besonderen Menschen geblieben, sondern auch der Glaube an Gott. Im Gefängnis hatte er ein «Gotteserlebnis»: «Ich habe es eins zu eins so erlebt, wie es in der Bibel steht.»

Am vergangenen Samstag ist Ernst Sieber verstorben. Eine traurige Nachricht für die beiden, aber auch die Gewissheit, dass er jetzt «beim obersten Chef ist», wie Sieber selbst zu sagen pflegte. Andi Gerber sagt: «Jetzt wird sich zeigen, wie es weiter geht, wenn er nicht mehr da ist.» (smo)

Sehen Sie hier die Sendung TalkTäglich mit Sina Signorell und Andi Gerber in voller Länge:

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