mRNA-Technik
Eine Impfung gegen Krebs ist viel komplizierter als gegen Covid

Bei Covid-19 hat die mRNA-Impfung eingeschlagen. Auch gegen Krebs soll die mRNA-Technik dereinst wirken.

Bruno Knellwolf
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Gibt es künftig eine Spritze gegen Krebs?

Gibt es künftig eine Spritze gegen Krebs?

Symbolbild: Keystone

«Das Prinzip ist das gleiche, ob man das nun gegen ein Coronavirus oder Krebszellen einsetzt», sagt Burkhard Ludewig vom Kantonsspital St.Gallen. Wenn man die spezifischen Rezeptoren der Krebszellen kennt, schleust man mRNA ein und dann baut der Patient selbst in seinem Körper Antikörper gegen den Tumor auf – er wird sozusagen geimpft gegen den Krebs. «Der grosse Unterschied ist, dass eine Impfung gegen Krebs viel komplizierter ist als die Impfung gegen Sars-CoV-2», sagt Ludewig.

Burkhard Ludewig vom Kantonsspital St.Gallen

Burkhard Ludewig vom Kantonsspital St.Gallen

Archivbild: zvg/KSSG

Bis jetzt sei noch mit einer Ausnahme mit keiner Impfung gegen Krebs ein breiter Schutz erreicht worden. Die Ausnahme ist die erfolgreiche Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs, ein durch Viren verursachter Krebs. «Das heisst, eine Impfung gegen Viren ist generell relativ einfach. Die Impfung gegen Krebs ist dagegen schwierig», sagt Ludewig.

Behandlung von Darmkrebs oder entzündlichen Darmkrankheiten

An der Universität Bern forscht Phi­lippe Krebs an mRNA-Molekülen, die zu unterschiedlichen Proteinen führen. Kürzlich hat sein Team von der Uni Bern neue Erkenntnisse im Zusammenhang der mRNA-Regulation mit Darmerkrankungen gewonnen. Gemäss dem Forscher könne die mRNA-Technologie potenziell zur Behandlung von Darmkrebs oder von entzündlichen Darmerkrankungen eingesetzt werden. Bis zu einem klinischen Einsatz dieses Verfahrens wird es nach Thomas Cerny, Präsident der Krebsforschung Schweiz, noch dauern. «Da müssen positive klinische Studien vorliegen, was noch einige Jahre in Anspruch nehmen wird. Wir gehen aber davon aus, dass die mRNA-Impfung in Kombination mit bestehenden bereits zugelassenen Immun-Therapien ihren Platz finden könnte. Vorerst eher nicht alleine als mRNA-Vakzin», sagt der St.Galler Krebsspezialist Cerny.

Thomas Cerny.

Thomas Cerny.

Archivbild: Michel Canonica

Auch Philippe Krebs sieht einen möglichen Weg in Kombinationstherapien, bei denen mehrere Arten von Medikamenten zum Einsatz kommen. Im Vordergrund stehen dabei die Kombination mit «Checkpoint-Inhibitoren». Bei diesem Verfahren wird das Immunsystem des Patienten reaktiviert. Gegen Krebsarten wie Haut- und Lungenkrebs wurden diese Inhibitoren mit Erfolg eingesetzt. Allerdings müsse die Wirksamkeit solcher Kombinationstherapien unter Einbezug der mRNA-Technologie noch in Tiermodellen von Krebs nachgewiesen werden.

Studien mit verschiedenen Kombinationen sind inzwischen gestartet worden. Ob diese die Erwartungen erfüllen, sei noch eine offene Frage, hält Cerny fest. «Grundsätzlich ist das Feld weit offen für sehr viele Tumorarten, die mit Hilfe der mRNA-Technologie dem körpereigenen Immunsystem gezielt besser angreifbar präsentiert werden können», sagt Cerny. Auch könne er sich vorstellen, dass diese Technologie Rückfälle oder die Gefahr der Metastasierung nach operativer Entfernung von bösartigen Tumoren verhindern könnte oder bei Früherkennung die Weiterentwicklung bösartiger Zellen bremsen oder blockieren könnte. Allerdings seien das noch Hypothesen. «Erst klinische Studien werden die Antwort geben können», sagt Cerny. Die Hypothesen seien aber durchaus solid.

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