Die in der Bretagne mit einem Möbelunternehmen beginnende Saga der Familie Pinault gipfelt in einem sagenhaften Triumph: Mit einem Umsatz von 15,5 Milliarden Euro im vergangenen Jahr, figuriert Kering unter den weltweit grössten Luxusgüterkonzernen.

Noch vor zehn Jahren hat der Anteil der Luxuslabels des damals noch PPR (Pinault-Printemps-Redoute) genannten Unternehmens lediglich 17 Prozent ausgemacht. Heute sind es 71 Prozent des Gesamtumsatzes, vor allem dank den Modemarken Gucci, Saint Laurent und Balenciaga.

Das Wachstum der noch im Konzern gehaltenen Sport- und Lifestylelabels ist hingegen weit bescheidener. Deshalb trennte sich Konzernleiter François-Henri Pinault vor zwei Wochen von Puma und verteilt die Mehrheit der Aktien des deutschen Turnschuhproduzenten an die Kering-Aktionäre.

Der kluge Einsatz von neuen Chefdesignern hat bewirkt, dass etwa Gucci heute wieder zu den grossen Trendlabels zählt. Vor zwei Jahren entstand ein regelrechter Hype um die Princetown-Slippers mit Pelzeinsatz; Stilikonen wie Alexa Chung zeigten sich damit auf Instagram.

Es erstaunt daher nicht, dass Guccis Umsatz in den vergangenen Jahren um mehr als vierzig Prozent auf 6,2 Milliarden gestiegen ist. Und auch Saint Laurent sitzt wieder fest im Sattel. Die Millennium-Generation steht zudem sehr auf Balenciaga, das 100-jährige Nobellabel mit dem unverkennbaren architektonischen Stil, in den der erfolgreiche Chefdesigner Demna Gvasalia nun Streetwear einfliessen lässt.

Gewiss haben die markenübergreifenden, neu eingeführten Produktionsabläufe, die Umstellung auf nachhaltige Fabrikation und der Glamour von Pinaults Ehefrau, Schauspielerin Salma Hayek, viel zum modernen Image des Konzerns beigetragen, der weltweit 44 000 Mitarbeiter, davon 60 Prozent Frauen, beschäftigt.

Frauen zu fördern, steht für Pinault im Vordergrund: «Meine Frau hat mich stark beeinflusst, was die feministische Problematik betrifft», sagt der 56-jährige Konzernleiter, Vater von drei Kindern. Salma Hayek (51), die den Sohn des Firmengründers François Pinault in Venedig kennen gelernt und 2009 geheiratet hat, setzt sich als Aufsichtsratsmitglied der Fondation Kering international für die Frauenrechte ein.

Goldene Schachzüge

Dass die Pinaults heute in der Highfashion die Nase vorn haben, ist jedoch eben vor allem den Chefdesignern der Häuser zu verdanken, die am richtigen Ort eingestellt worden sind: «Um das Ziel eines modernen Luxus zu erreichen, der auf einem kreativen Risiko basiert, vertrauen wir die Marken einzigartigen Talenten in totaler Freiheit an», sagt der Konzernleiter.

Als sein Vater François Pinault Ende der 1990er-Jahre Yves Saint Laurent und Gucci kaufte, gelangen ihm zwei goldene Schachzüge auf einen Streich: Gucci steckte damals voll in der von Tom Ford mit heissem Sexappeal entfachten Erfolgsepoche, und der wenige Jahre später verstorbene Yves Saint Laurent war einer der einflussreichsten und bekanntesten Couturiers.

Damals amtete Ford gleichzeitig als Chefdesigner beider Marken. Zwar hatte er dem Florentiner Label neuen Glanz verliehen; Saint Laurents reiches Erbe ging er hingegen zu zaghaft an. Nach Fords Ausstieg stellte François-Henri Pinault 2012 mit Hedi Slimane einen der weltweit besten Chefdesigner an, der erst noch Yves Saint Laurent persönlich gekannt und geschätzt hatte.

Mit seiner rockigen Allüre hat Slimane das Seventy-Label neu etabliert. Plötzlich wollten sich wieder alle, die es sich leisten konnten, ein Stück Saint Laurent erhaschen.

Der weltweit beste Designer

Gleichzeitig floppte jedoch Gucci ohne Ford, bis Pinault vor zwei Jahren dem langjährigen Studio-Mitarbeiter Alessandro Michele die Regie übergeben hat, der einen radikalen Imagewechsel vollzieht und Fords vulgäre Sexyness verbannt.

Das Konzept des Römers eines fröhlichen Spiels mit allen erdenklichen Mustern und Farben am gleichen Look hat dem 46-Jährigen die Ernennung zum weltweit besten Designer des Jahres 2016 eingebracht.

Bei Saint Laurent findet seit zwei Jahren das Gegenteil statt: Dort entwirft Slimanes Nachfolger, Anthony Vaccarello, extrem erotische Kollektionen. Seine Werbekampagne mit einem Rollergirl, das freizügig den Slip zeigt, war ein Skandal, doch sein Rezept mit unendlich langen Beinen unter voluminösen Superminikleidern geht auf: 2017 ist Saint Laurents Umsatz nochmals um zwanzig Prozent auf 1,5 Milliarden gestiegen.

Dabei hatte Pinaults Erzkonkurrent, LVMH-Konzernleiter Bernard Arnault, noch mit «La Redoute steigt in den Luxus ein!» über ihn gewitzelt, als Pinault ihm 1999 Gucci unter der Nase weggeschnappt hatte. Denn damals gehörte kein Luxus zum PPR-Konzern, sondern das Versandhaus La Redoute, das Warenhaus Printemps und die riesigen Buchhandlungen und Schallplattengeschäfte FNAC. Von allen dreien hat sich der Konzern jedoch inzwischen getrennt. Und nun auch von Puma.