Meinung
Der glückliche alter Mann

Laut einer Umfrage unter Schweizer Männern tut sich gerade in Graben zwischen den jungen und älteren Herren auf. Während die einen hadern sind die anderen ziemlich selbstzufrieden.

Katja Fischer De Santi
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Was ist ein Mann? Und was tut ein Mann, das fragen sich immer mehr (jüngere) Männer.

Was ist ein Mann? Und was tut ein Mann, das fragen sich immer mehr (jüngere) Männer.

Str / KEYSTONE

Männer haben’s schwer und nehmen's leicht, so sang Herbert Grönemeyer 1984, und zu diesem Fazit kommt auf den ersten Blick auch die gestern veröffentlichte Schweizer Männerstudie. Die Ergebnisse zeigen: Deutschschweizer fühlen sich grundsätzlich gut. So geben über achtzig Prozent der Männer an, mit ihrer Familiensituation zufrieden oder gar sehr zufrieden zu sein. Auch ihr Berufsleben finden immerhin siebzig Prozent gut, selbst der viel beschworene Verlust der Männlichkeit zeigt sich nicht in der Umfrage.

Schaut man sich die Zahlen aber genauer an, erkennt man, dass es vor allem den über 65-Jährigen richtig gut geht. Jenen also, die sich niemals Feminist nennen würden (80 Prozent), die zu zwei Drittel finden, ein Elternurlaub sei nicht Sache des Staates, und die Geschlechterdebatte mehrheitlich als unnötig bezeichnen.

Glückliche Patriarchen, die nicht nur die Frauen, sondern auch ihre jüngeren Geschlechtergenossen nicht mehr verstehen. Denn die 16- bis 34-jährigen Männer hinken im Stimmungsbarometer hinterher. Sie wollen nicht mehr Haupternährer sein, bezeichnen sich gerne als Feministen, wünschen sich mehr Freizeit, besseren Sex und eine Elternzeit. Dass in dieser Gruppe nur noch 42Prozent angeben, genau zu wissen, was es bedeutet, ein Mann zu sein, braucht uns nicht zu beunruhigen. Es ist ein gutes Zeichen für ein flexibles, neues Männerbild – das alte geht gerade zufrieden in Rente.

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