Coronakrise
Lebensmittellager sind voll – nur wenige Güter müssen aus Notlagern geholt werden

In den Läden sind die Regale wieder voll. Selbst wenn Lebensmittel knapp geworden wären: Die Schweiz hat vieles im Pflichtlager.

Jacqueline Schilling
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Im Turm der Swissmill werden Tonnen von Mehl gelagert.

Im Turm der Swissmill werden Tonnen von Mehl gelagert.

Christian Beutler/Key

«Es reicht für alle!» Mit ganzseitigen Inseraten in den grossen Tageszeitungen warben kürzlich die Detailhändler. Das sind Aldi, Coop, Denner, Lidl, ­Manor, Migros, Spar, Valora und Volg. Sie versprechen, dass es auch in einer Krise wie jetzt genügend Lebensmittel und Bedarfsgüter für alle gibt. Bedarfsgüter ist der Begriff für alles, was wir – abgesehen von Lebensmitteln – zum Leben brauchen.

Panikkäufe sind nicht nötig

, schreiben die grossen Geschäfte. Denn zum einen werden in der Landwirtschaft und in den Fabriken immer noch Waren produziert, zum anderen haben die Detailhändler Vorräte, und es gibt die sogenannten Pflichtlager des Bundes. Sie sind in der Schweiz vorgeschrieben. Zuständig dafür ist das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung, kurz BWL. Es rechnet aus, wie viel die 8,5 Millionen Schweizerinnen und Schweizer jeden Tag zu essen brauchen, und bestimmt, wie viel Notvorrat vorhanden sein muss.

Bei den Lebensmitteln sind das unter anderem 160'000 Tonnen ­Weizen, 63'000 Tonnen Zucker und 15'400 Tonnen Reis. Dieser Vorrat befindet sich in sogenannten Pflichtlagern und reicht für drei bis vier Monate für alle Menschen, die in der Schweiz leben. Verantwortlich für die vorgeschrieben gefüllten Lager, sind ungefähr 300 private Unternehmen. Die Grosshändler nämlich.

Die Lager mit den Lebensmitteln sind voll

«Im Moment braucht man nichts aus den Lebensmittelpflichtlagern», sagt Stefan Menzi, der beim BWL arbeitet und stellvertretender Chef der Abteilung Vorratshaltung ist. Es seien sogar mehr Lebensmittel vorhanden als vor der Krise.

Dass hier und dort Regale leer waren, habe nicht damit zu tun, dass zu wenig Teigwaren – oder auch WC-Papier – da seien, sondern mit der Logistik. Die musste geändert werden: Weil jetzt mehr Leute zu Hause statt in Kantinen oder im Restaurant essen, müssen weniger Lebensmittel zu Grossisten und mehr zu den Detailhändlern. Die Güter müssen anders verteilt werden. Damit das klappt, dürfen Lastwagen auch in der Nacht und am Sonntag unterwegs sein. Das ist sonst verboten.

In der Krise – gerade jetzt, da wir alle zu Hause sitzen – sind wir darauf angewiesen, dass es zu Hause warm ist und wir nicht im Dunkeln sitzen müssen, dass Lastwagen, Busse, Züge weiterhin fahren, dass unsere Telefone und Computer funktionieren. Dieser Bereich heisst «Energieversorgung». Dazu gehören Treibstoffe für Autos, Lastwagen und Flugzeuge und Heizöl.

Im Pflichtlager gibt es zudem Uran-Brennstäbe, damit die Atomkraftwerke weiterhin Strom produzieren können – und Medikamente. Wo nötig, gibt der Bund Güter aus den Pflicht­lagern frei.

Während die Pflichtlager für Lebensmittel auch jetzt nicht angetastet werden müssen, kommt es bei den Heilmitteln immer wieder vor, dass etwa Antibiotika fehlen

, sagt Stefan Menzi. In solchen Fällen bekommen Spitäler und Ärztinnen und Ärzte das, was ihnen fehlt, aus dem Pflichtlager.

Selbst für Krisen, die länger als drei bis vier Monate dauern, hat die Schweiz einen Notfallplan. In einem solchen Fall spielen die Schweizer Bäuerinnen und Bauern eine besonders wichtige Rolle. Für sie gibt es schon heute einen Vorrat an Saatgut, Dünger und Futtermitteln für die Tiere.