Als Felix Wolf als junger Mann erkannte, dass er schwul ist, war ihm klar, dass er nie heiraten und nie eine Familie haben würde. Doch er täuschte sich. Heute lebt er mit seinem Mann Pascal Wolf in New York. Gemeinsam sind die beiden Schweizer Eltern von drei Kindern im Alter zwischen fünf und sieben Jahren.

Einblick in ihr Leben gibt ein Dokumentarfilm, den das Schweizer Fernsehen am Sonntag ausstrahlt (siehe Hinweis). «Hier in den USA haben wir gesehen, dass auch Schwule das Recht haben, eine Familie zu gründen», sagt Pascal Wolf.

Reporter: Wenn Schwule Kinder kriegen (Quelle: SRF)

In den USA ist die kommerzielle Leihmutterschaft in 18 Bundesstaaten erlaubt. Sie steht auch gleichgeschlechtlichen Paaren offen. Spezialisierte Agenturen verfügen über Kataloge mit Daten über Eizellspenderinnen, vermitteln die Leihmutter, kümmern sich um Rechtliches. Alles in allem, so schätzen die Wolfs, hätten sie pro Kind etwa 150 000 Dollar aufgewendet.

Auf der Geburtsurkunde ihrer Kinder sind Pascal und Felix Wolf als Eltern aufgeführt. Leihmütter verzichten nach der Geburt auf alle Rechte. Darauf anerkennen die örtlichen Behörden den Partner des leiblichen Vaters als zweiten Elternteil und lassen ihn das Baby adoptieren. Gestützt auf das Urteil wird die neue Geburtsurkunde mit den Namen der Wunscheltern ausgestellt.

Nicht nur in New York, auch in der Schweiz gründen mittlerweile gleichgeschlechtliche Paare Familien. Auch Männerpaare erfüllen sich ihren Kinderwunsch mit einer grossen Selbstverständlichkeit, wie die Zürcher Anwältin Eylem Copur beobachtet.

Doch für Schwule in der Schweiz ist der Weg zum Kind aufwendiger und unsicherer als für Schwule in den USA: Leihmutterschaft ist in der Schweiz verboten. Trotzdem nehmen auch Männer-Paare aus der Schweiz die Dienste amerikanischer Leihmütter in Anspruch. Wollen jedoch zwei frischgebackene Väter zurück in der Schweiz ihre Elternschaft anhand der amerikanischen Geburtsurkunde rechtlich anerkennen lassen, stellen sich die Behörden quer. Denn nicht nur handelt es sich um die verbotene Leihmutterschaft, sondern auch die Stiefkindadoption ist gleichgeschlechtlichen Paaren nach heutiger Rechtslage untersagt.

Bis heute haben die Schweizer Behörden kein ausländisches Adoptionsurteil anerkannt, bei dem die gleichgeschlechtlichen Eltern keinen Bezug zum Land haben, in dem ihr Kind geboren worden ist. In mehreren Kantonen sind Verfahren am Laufen.

Doppelte Vaterschaft möglich

Nun dürfen schwule Väter aber hoffen: Die Chance besteht, dass in der Schweiz demnächst das erste Männerpaar offiziell als «Vater und Vater» anerkannt wird.

Von der Öffentlichkeit unbeachtet hat der Bundesrat in einem Bericht zur Leihmutterschaft Ende 2013 festgehalten, die schweizerischen Behörden seien nicht verpflichtet, im Ausland mittels Leihmutterschaft begründete Kindesverhältnisse grundsätzlich abzuweisen. «Wenn es die übergeordneten Interessen des Kindes gebieten, kann ein solches Kindesverhältnis (...) anerkannt werden», heisst es im Bericht.

Nach Ansicht des Bundesrats führt die derzeitige Praxis zu einer «schwer erträglichen Situation»: «Gewisse Wunscheltern werden nicht als rechtliche Eltern eingetragen, obwohl sie faktisch für die Erziehung des Kindes sorgen.» Dies betreffe vor allem Konkubinatspaare und gleichgeschlechtliche Paare. «Diese Überlegungen sprechen für eine Anerkennung des Kindesverhältnisses der Wunscheltern», schreibt der Bundesrat. Auch mit Blick auf das Kindeswohl müsse eine Anerkennung oder Erstellung eines Kindesverhältnisses möglich sein.

Wie viele Paare in der Schweiz schon mithilfe einer Leihmutter Eltern geworden sind, ist unbekannt. Bei heterosexuellen Paaren schöpfen die Behörden selten Verdacht, wenn sie mit einem Neugeborenen aus dem Ausland einreisen. Der Bundesrat schreibt von zehn bekannten Fällen. Anwältin Karin Hochl aus Winterthur sagt, es habe in letzter Zeit eine enorme Zunahme gegeben. Ihre Kanzlei erhalte fast wöchentlich Anfragen zu diesem Thema.

Der Boom zeige, dass Paare mit Kinderwunsch die Möglichkeiten ausschöpfen, welche ihnen die globalisierte Fortpflanzungstechnik bietet. Derzeit sind die kantonalen Behörden betreffend Anerkennung derartiger Kindesverhältnisse noch restriktiver eingestellt als juristische Fachpersonen und Lehre. Es zeichnet sich jedoch ein Wandel ab. Das Familienrecht wird näher an die Realität heranzubringen sein, meint Anwältin Karin Hochl. «Ist ein Kind einmal in der Schweiz und wird es von den Wunscheltern gut betreut, sprechen in der Regel die Interessen des Kindes für die Anerkennung eines solchen Kindesverhältnisses», sagt Karin Hochl. Es gehe nicht, dass das Kind anstelle der Wunscheltern für deren Verhalten bestraft wird.

Die SRF-Sendereihe «Reporter» zeigt am Sonntag, 30. März, 21.40 Uhr, den Film «Wenn Schwule Kinder kriegen». Die Schwestern Corinne und Yvonne Eisenring begleiteten die Familie Wolf in New York und besuchten die Eizellspenderin und die Leihmutter.