Warnung: Leserinnen und Leser, die sich über das Foto und den Titel dieses Textes ärgern, sollen bitte weiterblättern. Zwar kommt es fast schon einer journalistischen Todsünde gleich, einen Artikel mit diesem Satz zu beginnen. Denn er schreckt einen beträchtlichen Teil der Leserschaft ab. All jene nämlich, die finden, es sei nun mal gut mit den ständigen Katzengeschichten, Katzenbildern und Katzenvideos.

Aber heute, am 8. August, ist der Internationale Tag der Katze, der Weltkatzentag. Und damit der perfekte Zeitpunkt, um eine Ode, ein Loblied auf unsere Samtpfoten anzustimmen. Zugegeben, der Weltkatzentag ist genauso sinnlos oder sinnvoll wie eine ganze Reihe anderer abstruser Gedenk- und Aktionstage. Ausserdem ist es umstritten, seit wann es diesen Tag gibt, ja ob er überhaupt offiziell existiert.

Immerhin schildert der Autor Detlef Bluhm, der zahlreiche Bücher über Katzen geschrieben hat, in seinem Buch «Die Katze, die nach den Sternen griff», die Entstehung des Weltkatzentags. Die Idee stammt demnach von einer Katzenbesitzerin aus Rheinland-Pfalz. Sie startete im Frühling 2002 unter ihren Freunden eine Umfrage, welches Datum für einen Tag zu Ehren unserer Stubentiger am geeignetsten ist. Es gab so viele verschiedene Vorschläge, dass der Termin ausgelost werden musste; das Los fiel auf den 8. August.

Hunde- oder Katzenmensch?

Egal, ob diese Geschichte stimmt oder der Weltkatzentag eine «Ente» ist; gleichgültig ob der Tag von Tierschutzorganisationen zum Anlass für (begrüssenswerte) Kastrationsaktionen genommen oder ob er von Herstellern von Produkten für Tiere zu Werbezwecken genutzt wird: Diese Zeilen zum Internationalen Tag der Katze sind für Menschen bestimmt, die überzeugt sind, dass ein Leben ohne Katze möglich, aber sinnlos ist.

Und das sind eine ganze Menge. In der Schweiz wurden gemäss offizieller Statistik im vergangenen Jahr rund 1,66 Millionen Katzen als Haustiere gehalten – gegenüber etwa 522 000 Hunden. Anders ausgedrückt: In 30 Prozent der Schweizer Haushalte leben Katzen; Hunde gibt es in 12 Prozent der Haushalte.

Die Katze ist somit in der Schweiz viel beliebter als der Hund. Was sagt das über unsere Persönlichkeit aus? Viele Tierfreunde sind überzeugt, dass sich die Menschheit in Hunde- und Katzenmenschen unterteilen lässt. Hundemenschen gelten als selbstsicher, autoritär und rechthaberisch; Katzenmenschen dagegen als unabhängig, sensibel und tolerant. Diese Typisierung stammt keineswegs aus dem Lehrbuch für Küchenpsychologie

Vielmehr beschäftigt sich die seriöse Forschung seit Jahrzehnten mit der unterschiedlichen Persönlichkeit von Hunde- und Katzenfans. Neuere Studien aus den USA zeigen, dass ein Zusammenhang zwischen unserer Persönlichkeit und unserer Vorliebe für ein bestimmtes Haustier nicht unwahrscheinlich ist. So sind Katzenmenschen offener, fantasievoller und experimentierfreudiger als Hundeliebhaber. Diese erwiesen sich als dominanter und wettbewerbsorientierter.

Diese Charakterisierung gilt auch für Politiker. Wissenschaftlich ist das zwar weniger seriös. Aber mal ehrlich: Können Sie sich Wladimir Putin als Katzenfreund vorstellen? Eben. Der russische Präsident ist ein Hundemensch. Er mag möglichst grosse und natürlich treue Hunde, obwohl er sich im Putin-Kalender 2017 mit einer Katze auf dem Arm abbilden liess – die allerdings ziemlich unglücklich dreinschaut.

Putin und die Katze

Putin und die Katze

In der süd-sibirischen Region Chakassien, September 2015.

Leoparden sind eher sein Ding: Putin und die Raubkatzen im Sochi National Park, Februar 2014

Leoparden sind eher sein Ding: Putin und die Raubkatzen im Sochi National Park, Februar 2014

Auch viele amerikanische Präsidenten zogen Hunde den Katzen vor. Doch es gab auch Katzenfreunde. Zum Beispiel Abraham Lincoln, Theodore Roosevelt, John F. Kennedy – und natürlich Bill Clinton. Socks, der schwarz-weisse Kater der Familie Clinton, wurde zum internationalen Medienstar.

1998 im Weissen Haus: Bill Clinton «Socks» wird mit einem Welpen konfrontiert und ist nicht sehr erfreut.

1998 im Weissen Haus: Bill Clinton «Socks» wird mit einem Welpen konfrontiert und ist nicht sehr erfreut.

Donald Trump hingegen mag überhaupt keine Tiere. Er weigerte sich strikt, einen Hund ins Weisse Haus einziehen zu lassen. Dabei haben die «First Dogs» in Washington eine ebenso grosse Tradition wie die Katzen am Sitz des britischen Premierministers in London.

Trump und der Adler: Achtung, gleich greift er an!

Kann auch nicht mit Vögeln: Donald Trump.

Unabhängig und eigensinnig, wie Katzen nun mal sind, hängen die Samtpfoten von 10 Downing Street aber nicht so sehr an ihrem «Personal», dem jeweiligen Regierungschef, sondern am Haus. Der weiss-getigerte Kater Larry wohnt momentan gemeinsam mit Theresa May an der Downing Street.

Downing Street Nr. 10: Theresa May zieht ein und Larry hat immer mal wieder mit Ausenministeriums-Kater Palmerston zu kämpfen.

Downing Street Nr. 10: Theresa May zieht ein und Larry hat immer mal wieder mit Ausenministeriums-Kater Palmerston zu kämpfen.

Er hat David Cameron überlebt, der vor gut einem Jahr über die verlorene Brexit-Abstimmung stolperte und es ist nicht auszuschliessen, dass der Kater auch noch in «Number 10» sein wird, wenn Mays Nachfolger dort einzieht. Larry ist mittlerweile noch berühmter als seinerzeit Socks im Weissen Haus. Kein Wunder: Larry hat einen Facebook- und einen Twitter-Account.

Mohammed und die Katze

Ähnlich wie Trump ist auch der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan kein Tierfreund. Dass er Hunde nicht mag, überrascht nicht. Sie gelten im Islam als unrein. Katzen gehören dagegen zu den reinen Tieren und werden geschätzt.

Der Religionsstifter Mohammed besass selbst eine oder sogar mehrere Katzen. Gemäss einer Legende schlief eines Tages eine Katze auf dem Ärmel seines Gewandes. Als es Zeit für das Gebet war, wollte der Prophet aufstehen. Damit er die Katze nicht aufwecken musste, schnitt er einfach den Ärmel seines Mantels ab.

Katzen gehörten in den Stall

Katzen begleiteten den Menschen bereits in vorchristlicher Zeit, zunächst vor allem als Mäuse- und Rattenfänger. Zu verhätschelten Samtpfoten wurden sie erst später. Noch in den frühen 1960er-Jahren war es in den Städten kaum üblich, Katzen als Haustiere zu halten – und in Mietwohnungen zum Teil nicht einmal gestattet. Katzen gehörten auf den Bauernhof, in den Stall.

Deshalb schmuggelte man das winzige, kaum zehn Wochen alte Büsi in der Hand verborgen an der neugierig aus dem Fenster schauenden Hauswartin in die Wohnung. «Nehmt sie mit, wenn ihr wollt. Sonst ertränke ich sie», hatte der Bauer zuvor gesagt. Spezielles Katzenfutter, Katzenkistchen und -streu gab es damals noch kaum. Erst seit 1963 würden Schweizer Katzen Whiskas kaufen. Das Kätzchen bekam deshalb in seinen ersten Lebensjahren Mais oder Gries mit gekochter Lunge; der Gestank verpestete die ganze Wohnung. Und als Katzenklo dienten eine alte Wäschezaine und zerrissenes Zeitungspapier.

Inzwischen ist Katzenfutter zu einem Riesengeschäft geworden. In der Schweiz liegt der jährliche Umsatz bei mehr als 100 Millionen Franken. Es gibt Nass- und Trockenfutter mit allen möglichen (und unmöglichen) Geschmacksrichtungen, für Kitten, für Senioren,
Diätfutter für zu dicke Katzen, Spezialfutter für wählerische Büsi, für Katzen mit Hautproblemen, mit Verdauungsproblemen, mit Nierenproblemen.

Natürlich sei unseren Samtpfoten am Weltkatzentag ein besonderer Leckerbissen gegönnt. Doch bei aller Liebe zu den eigenen Stubentigern haben wahre Katzenfreunde an diesem und selbstverständlich an allen anderen Tagen des Jahres auch ein Herz für heimatlose Streuner und gequälte Büsi. Es gibt – leider – auf der ganzen Welt mehr als genug davon.