Für einen Skiausflug mit Kindern gibt es zwei Varianten. Entweder stressig: Früh aufstehen und mit einem Müsliriegel in der Hand loshetzen. Oder gemütlich: Warten, bis die Kinder ausgeschlafen haben, frühstücken, loszockeln – und bei der Ankunft im Skigebiet feststellen, dass der Tag schon fast vorüber ist.

Meine Familie hat sich für eine Kombination der beiden Varianten entschieden. Ausschlafen liegt nicht drin, der Schlafmangel schlägt sich auf die morgendliche Stimmung nieder. Der Fünfjährige will im Pyjama bleiben.

Der Achtjährige hat zwar schon die Unterhose angezogen, verweigert aber die Skihose für die Anreise, da sie zu warm gebe. Die Mutter will Frühstück essen. Der Vater will vorwärtsmachen. Es gibt Tränen und Geschrei, und am Ende steht die komplette Familie eine Stunde später als geplant am Bahnhof.

Und trifft dann erst um 12.01 Uhr in der Talstation Beatenbucht ein, von wo aus die Standseilbahn und danach Gondeln uns ins Skigebiet Niederhorn bringen.
Zwei Wochen zuvor, in einem anderen Skigebiet: Bei einer Familie, die der oben beschriebenen aufs Haar gleicht, war dies der Moment, wo der morgendliche Alltagsunmut in ein ernsthaftes Stimmungstief kippte.

Denn im Skigebiet, das international als «Best of the Alps» beworben wird, war klar, dass die verbleibende Zeit weder für das Ausreizen der 140 Pistenkilometer noch für eine Rechtfertigung des Tageskartenpreises von 69 Franken pro Erwachsenen reichte.

Die kleinen Skigebiete mit günstigen Familientageskarten im Überblick:

Wenig Piste, viel Pasta

Ganz anders auf dem Niederhorn im Berner Oberland. Wir wissen, dass es nebst der Gondelbahn nur einen einzigen Skilift gibt. Wir werden in aller Ruhe sämtliche Abfahrtsvarianten ausprobieren können. Und zwischendurch eine ausgiebige Essenspause einlegen.

Ohne das Gefühl zu haben, etwas zu verpassen oder abgezockt zu werden. Die Kosten: 120 Franken für eine vierköpfige Familie inklusive Pastaplausch im Bergrestaurant.
Dass ein Bergbahnarbeiter noch rasch mit dem Schraubenzieher die eine Gondel zu flicken versucht, verunsichert ein paar Gäste, doch schliesslich gelangen alle sicher aufs Niederhorn. Und los geht die Fahrt.

Die Pisten sind fast leer, was beim Fahrstil meines Fünfjährigen ein entscheidender Vorteil ist. Das Kontrollieren der Ski absorbiert seine ganze Aufmerksamkeit; ihn auf die FIS-Verhaltensregeln hinzuweisen, wäre nutzlos. Doch die anderen Pistenbenutzer haben genügend Platz, um ihn mit sicherem Abstand zu überholen, und wir als haftbare Eltern können uns entspannen.

Der Achtjährige saust derweil voraus. Da die Piste nicht sonderlich lang ist, muss er beim Skilift auch nicht allzu lang auf die Ankunft des kleinen Bruders warten. Anstehen müssen wir sowieso nicht (ganz im Gegensatz zum erwähnten «Best of the Alps»-Skigebiet).

Zwar könnte uns auch die Gondel wieder hochbringen, doch wir wagen uns auf den Bügellift, den Kleinen zwischen den Ski der Mutter. Zusammen meistern sie die Herausforderung bravourös. Der Grosse hat dagegen schon viel Bügellifterfahrung, so viel, dass er die Sache allein und locker angeht. Etwas zu locker vielleicht. Jedenfalls liegt er unversehens kurz vor Ende der Liftfahrt im Schnee.

Nach der zweiten Abfahrt ist es Zeit fürs Mittagessen. Erstens, weil die Stemmbogenabfahrten doch recht anstrengend sind für kleine Beine, zweitens, weil es den Pastaplausch nur bis halb drei gibt. Er besteht aus einem Riesentopf Pasta und vier Töpfen mit verschiedenen Saucen.

Eine simple Lösung, um Diskussionen um die Menüauswahl zu vermeiden und alle zufrieden zu machen. Inbegriffen im Familientagespass ist zudem eine 1,5-Liter-Flasche Mineralwasser (dass wir auch Süssgetränk bekommen hätten, verschweigen wir den Kindern).

Unfreiwillig im Tiefschnee

Satt geht es zurück auf die Pisten, mit dem grossen Bub auf die rote, mit dem kleinen auf die blaue. Schwarze gibt es nicht und braucht es auch nicht. Hingegen kommt es mit dem Achtjährigen zu einer kurzen Tiefschneefahrt durch den Wald (unfreiwillig – allein Bügellift fahren ist wirklich tückisch).

Noch bevor die Bergbahnen Feierabend machen, zeigt sich beim Kleinen die Müdigkeit. Nachdem er wegen einer verpassten Abzweigung ein paar Schritte zu Fuss durch den Schnee stapfen muss, hat er genug für diesen Tag. Er will auf die letzte Abfahrt verzichten.
Kein Problem, ab auf die Gondel. Ein Angestellter der Bergbahn ruft uns nach, ob wir eine Tageskarte hätten, nicht zum Kontrollieren, wir sollen die Tickets in der Tasche lassen, sagt er.

Da wir nicht durchs Drehkreuz gegangen sind, dreht er es von Hand, um den Zähler auf den richtigen Stand zu bringen.

Fazit: Der Tag war kurz, doch das reichte mit den kleinen Kindern – auch weil am Lift keine Zeit mit Schlangenstehen verloren ging. Das kleine Pistenangebot genügte für einen Tagesausflug vollkommen. Wir blicken trotz des schwierigen morgendlichen Starts auf einen gelungenen Tag zurück. Für unsere vierköpfige Familie war das Mini-Skigebiet weit besser als «Best of the Alps».

Eine Auflistung der Skigebiete mit Familienangeboten finden Sie unter:
myswitzerland.com/familienreduktion