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Wo sich das Azorenhoch bildet und Wale tauchen

Die neun Inseln der Azoren sind immergrün. Hier die Insel São Miguel mit einem Vulkankrater (Mitte links). Neue Vulkanausbrüche erzeugen mancherorts Wüste. Allemann

Die neun Inseln der Azoren sind immergrün. Hier die Insel São Miguel mit einem Vulkankrater (Mitte links). Neue Vulkanausbrüche erzeugen mancherorts Wüste. Allemann

Zwischen den Inseln im Atlantik muss es sich versteckt halten, das Azorenhoch. Auf der Suche danach treffen wir auf Wale, Delfine und alte Tauchlegenden.

«Gut festhalten», mahnt Lisa Steiner, als wir in ihren Katamaran Norberto steigen. Und schon fahren wir in Richtung offenes Meer, ins Gebiet Princesa Alice Banks, eines Unterwasserbergs mit schönsten Tauchgründen, 45 Seemeilen südwestlich von den Azoreninseln Pico und Faial entfernt.

Pottwale: Die Azoren sind ein hervorragender Beobachtungsort.

Pottwale: Die Azoren sind ein hervorragender Beobachtungsort.

Doch schnell noch ein Blick zurück aufs Hafenstädtchen Horta an der Ostküste der Insel Faial. Pittoresk liegt es da. Hier ankern Jachten aus aller Welt und verewigen sich an der Mole mit einem Gemälde oder sonstigen Graffiti. Denn hier in der Mitte des Atlantiks zwischen Europa und Amerika ist die Hälfte einer Atlantiküberquerung geschafft. Man tankt auf, nimmt Proviant an Bord und vor allem geht man ins Peter Café Sport, um zu reden, zu lachen, zu tanzen, zu essen und zu trinken. Der aromatische Gin Tonic, mit gewaltigen Kräuterbündeln in grossen, bauchigen Gläsern serviert, ist legendär. Und mit steigendem Alkoholkonsum werden auch die erlebten Abenteuer immer waghalsiger.

Norberto Serpa, 60, zerknittertes Gesicht, die langen ausgebleichten Haare mit einer Bandana gebändigt, ist immer mittendrin. Er gilt als die Tauchlegende der Azoren und weiss einfach alles über die Unterwasserwelt zwischen den Inseln. Die Atmosphäre der Story über die Verfolgungsjagd auf Moby Dick, den grossen weissen Wal, von Herman Melville 1851 so anschaulich zu Papier gebracht, hängt schwer im Raum. 1987 wurde zum letzten Mal ein Pottwal getötet; seitdem haben sich die Gewässer rund um die Azoren von einer Todeszone zu einem weltweiten Top-Spot für Walbeobachtungen gewandelt. «Ein lebender Wal ist für uns heute wertvoller als ein toter», gibt Norberto gern zu später Stunde zum Besten.

Die Meeresbiologin Lisa Steiner, 50, ist unser Skipper für diesen Ausflug. Sie steht wetterfest eingepackt, mit Fotoapparat und Fernglas ausgerüstet, wie ein Fels am Bug der «Norberto». 1988 kam sie mit ihrem damaligen Mann von Wisconsin, USA, auf die Azoren, um die Wanderströme der Wale zu erforschen und zu dokumentieren. Kein Wunder, traf das Paar auf Norberto Serpa, nach dem auch das Boot benannt ist. Gebannt lauscht Lisa Steiner am Funkgerät. Sind Wale in Sicht? Die Tipps kommen von Walspähern, die in den Klippen von Pico und Faial das Meer mit Fernrohren absuchen. Erblicken die ehemaligen Walfänger eine Walfontäne, geben sie den Bootsführern Bescheid – und schon schiessen die Boote los.

«Die Azoren gehören zu den besten Orten der Welt für Walbeobachtungen», sagt Lisa Steiner, denn hier fänden die grossen Tiere ihr Lieblingsfressen in Hülle und Fülle: Oktopusse, Kalmare und Kraken. Zudem schwimmen die Wale sehr nah an der Küste und das Netz der Ausgucke sei ideal, um die Tiere auch zu finden. Neben Blau- und Finnwalen sowie den seltenen Entenwalen kann man vor allem im Frühling auch die bis zu 40 Tonnen schweren Pottwale sichten. Und zwar nicht nur Bullen wie in Norwegen und Neuseeland, sondern auch Muttertiere und ihre Kälber.

Sie kennt jeden einzelnen Wal

«Hey, da ist Wilhelmina», lacht Steiner und zeigt auf einen Punkt irgendwo vor uns, wo ein kleines Gesprudel stattfindet, für Laien fast nicht sichtbar. Die Meeresbiologin, die eine Datenbank über alle 338 Wale der Gegend erstellt hat, kennt die meisten Tiere beim Namen. «Willie ist am einfachsten zu erkennen, weil er keine Rückenflosse hat», erklärt sie. «Aber fast alle haben ihre Eigenarten, in der Farbe und in der Zeichnung». Aus dem kleinen Gesprudel werden immer grössere Fontänen.

Es müssen an die fünf, sechs Tiere dort draussen sein, die ihre Buckel und Rückenflossen zeigen, beobachtet die Wissenschafterin mit ihrem Fernglas. Weiter als 300 Meter darf unser Boot nicht ran. Doch auch von blossem Auge sind die hohen Fontänen der Wale gut zu erkennen. Was für ein Schauspiel! Nach viel Geplänkel verabschieden sich die Meeressäuger, und wie auf Kommando strecken zwei von ihnen zum Abschied ihre gewaltigen Schwanzflossen in die Höhe.

Während bei Walen die Distanz vorgeschrieben ist, dürfen wir auf der Delfin-Tour mit Maske und Schnorchel, aber ohne Flossen recht nah ins Wasser springen, wenn die Schwärme mit bis zu Hunderten von Tieren an den Schlauchbooten vorbeirasen. Wieder sind es die Späher, die genau wissen, wo sie sind. Einfach ist es nicht, aber ein unglaubliches Erlebnis, die possierlichen, neugierigen Jungtiere unter Wasser zu beobachten. Sie ducken sich zu gern schnell weg in die Tiefe. Sie springen aber auch oft in die Höhe, sodass wir ihren Spielen auch von unserem Boot aus zusehen können.

Unser Flieger geht. Zeit, Abschied zu nehmen. Hingetupft wie mit dem Spritzbeutel liegen sie da, die neun Inseln der Azoren, mitten im Atlantik. Die immergrüne Vegetation kriecht zwischen grün und blau schimmernden Seen bis zu den Vulkanspitzen hoch, Millionen blaublühender Hortensienbüsche, die einst im 19. Jahrhundert aus dem Fernen Osten importiert wurden, breiten sich aus. Der Ausbruch des jüngsten Vulkans 1957, Capelinhos genannt, sorgte für eine ungewöhnliche Wüstenlandschaft. Grandiose Szenerien sind das, für die man sich ebenfalls Zeit nehmen sollte.

Das Azorenhoch liegt woanders

Richtig Freundschaft konnten wir mit dem legendären Azorenhoch nie schliessen, leider, es gibt sich gern bedeckt. Wir lernten aber, dass sich der bekannte Hochdruckgürtel weit, weit südlich der Inseln bildet, nie lange bleibt und oft mit dem starken Islandtief zu kämpfen hat. Und warum Azorenhoch? Weils keinen anderen Bezugspunkt im unendlich blauen Atlantik gibt. So einfach ist das.

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