Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat mit der WiFi4EU-Initiative ambitionierte Ziele: «Jedes europäische Dorf und jede Stadt soll bis 2020 mit kostenlosem Internetzugang ausgestattet werden», sagt er. Die Initiative setzt sich zum Ziel, ein vollständig vernetztes Europa zu kreieren, wo jedermann Zugriff aufs Internet hat. Insbesondere soll die Verbindung an Standorten verbessert werden, an denen bisher kein vergleichbares privates oder öffentliches WLAN-Angebot vorhanden ist.

Die EU-Kommission sowie Vertreter der Staaten haben sich entschieden. Die Initiative mit dem Namen «WiFi4EU», schon seit September 2016 in Abstimmung, wurde nun im Rahmen der Strategie für einen digitalen Binnenmarkt der EU definitiv angenommen. Das öffentliche WLAN soll in allen europäischen Staaten installiert werden und wird mit 120 Millionen Euro von der EU finanziert.

Aus welcher Kasse die Mittel genommen werden, wird noch geklärt. Die Gemeinden oder Städte müssen lediglich die Erhaltungskosten tragen. Mögliche Standorte sind öffentliche Parks, grosse Plätze, Bibliotheken oder auch Spitäler. Derzeit sei geplant, dass 6000 bis 8000 Gemeinden von dem Gratis-WLAN profitieren können.

Lohnt sich in der Schweiz nicht

Eine Nachfrage beim Bundesamt für Kommunikation (Bakom) klärt auf: Die Schweiz wird nicht von dieser Initiative profitieren. «Die Schweiz nimmt an verschiedenen anderen Aktivitäten im Zusammenhang mit der Strategie für einen digitalen Binnenmarkt teil, wie beispielsweise als Beobachterin im Bildungsbereich oder auch als Partnerin in der Cybersicherheit», sagt Pressesprecherin Silvia Canova.

Ob sich die Initiative in der Schweiz überhaupt lohne, ist fraglich, da es im Land zahlreiche kostenlose WiFi-Angebote an öffentlichen Orten gibt: Bis zu 80 SBB-Bahnhöfe, Postautos und Flughäfen sowie städtische Angebote sind bereits ausgestattet. Pläne zum subventionierten Ausbau von Hotspots auf nationaler Ebene gebe es laut dem Bakom in der Schweiz nicht.

Die SBB selber verzichten bewusst auf WLAN im Zug. Die eingebauten Signalverstärker sorgen bereits für guten Empfang von 3G- oder 4G-Netzen. Laut der SBB lohnt sich die Anschaffung nicht, da laut Umfragen über 70 Prozent der Kunden ein Smartphone besitzen. Die Abonnemente der Schweizer Mobilfunkanbieter sorgten ohnehin für grosse Datenvolumen. Ausserdem müssten die SBB hohe Kosten zahlen, die durch das Datenvolumen anfallen.

Neben dem Gratis-WLAN in den 80 meistfrequentierten Bahnhöfen will der Bahnbetrieb derzeit keine weiteren ausbauen: «Die SBB investieren dort, wo der grösste Kundennutzen besteht. Zum heutigen Zeitpunkt werden daher keine weiteren Bahnhöfe mit Gratis-WLAN ausgerüstet, der Bedarf wird aber kontinuierlich beobachtet», so Mediensprecherin Masha Foursova.