Jetzt kommt es endlich ans Licht! Die Forscher Thomas Gilovich, Kenneth Savitsky und Victoria Husted Medvec konnten es wissenschaftlich beweisen. Wenn wir die Treppe hinauffallen, ein Wort in einem Vortrag vor 500 Leuten falsch aussprechen oder im Restaurant leise rülpsen, dann geht weder das Rampenlicht an noch nervt sich einer. Was aber tatsächlich angeht, ist das Licht auf der eigenen inneren Bühne, es wächst die Angst, peinlich zu sein oder sich blamiert zu haben.

Die Wissenschafter haben einen Namen dafür erfunden: Spotlight-Effekt. In ihrer Studie übergaben sie Studenten ein T-Shirt mit dem Konterfei von Barry Manilow, einem alternden Schlagersänger, der unter Studenten als oberpeinlicher Schmusesänger gilt. Mit roten Köpfen und unerträglichen Gedanken geplagt, mussten diese Manilow-Studenten anderen Studenten in normalen Klamotten begegnen. Die Wissenschafter waren überrascht, denn kaum ein Student kannte den Sänger, und das doofe T-Shirt war ihnen egal.

Egozentrische Perspektive

Peinliche Augenblicke hat schon jeder erlebt, aber nun wissen wir, dass wir sie falsch eingeschätzt haben. Die Ursache: Aufgrund unserer eigenen Wahrnehmung, die immer auf uns gerichtet ist, verwechseln wir die Perspektiven. Einfacher gesagt, wir stehen bei uns im Mittelpunkt und gehen davon aus, dass auch alle anderen registrieren, was bei uns passiert. Diese egozentrische Perspektive bremst uns im Alltag aus, hemmt uns und kurbelt unsere Hirnblutung an. Doch der Zeiger steht eindeutig auf Entwarnung. So viel Aufmerksamkeit will und kann uns auch gar niemand entgegenbringen. Mitmenschen sehen uns aus distanzierter Perspektive, da auch sie mit sich selbst beschäftigt sind.

Andererseits fanden die Wissenschafter heraus, dass das regelmässige Rauchen in Gegenwart von Kollegen viel störender wirken kann als bisher angenommen. Ein anderes Beispiel ist der Gebrauch von Parfüm. Setzt man sich im Tram neben eine Dame, die allzu freizügigen Umgang mit ihrem neuen Chanel Nr. 5 pflegt, wirkt das absolut störend. Das führt so weit, dass wir uns wegsetzen, egal, wie teuer das Parfüm war. Gerüche beeinflussen den Lebensraum von Mitmenschen weit stärker als andere Peinlichkeiten.

Ein weiteres Experiment der Forscher ergab, dass Leute in einer Gesprächsrunde ihre Beiträge für wichtiger hielten als die Beiträge der anderen. Sie waren davon überzeugt, dass ihr intelligenter Beitrag, ihr genialer Geistesblitz und die besonders geistreiche Aussage von allen gehört und geschätzt wurde. Von wegen! Unsere geistreichsten Sätze bringen weder die Luft zum Schwingen noch Herzen zum Überfliessen, denn sie werden in Diskussionen auch gleich wieder von neuen Sätzen abgelöst. Frustrierend? Nein, eher befreiend – je nach Perspektive.