Manipulation

Wir lassen uns von gefälschten Fotos täuschen

Das Bild zeigt vier Raketen, abgefeuert von den iranischen Revolutionären Garden 2008. Gemäss eines Experten wurde das Bild manipuliert: Es seien nur drei Raketen gezündet worden.

Das Bild zeigt vier Raketen, abgefeuert von den iranischen Revolutionären Garden 2008. Gemäss eines Experten wurde das Bild manipuliert: Es seien nur drei Raketen gezündet worden.

Bäume ohne Schatten irritieren uns meist nicht. Wir bemerken Manipulationen an Fotos selten.

Menschen fallen leicht auf manipulierte Fotos herein – selbst wenn sie gezielt nach möglichen Manipulationen gefragt werden. Um das zu beweisen, legten Forscher der britischen Universität Warwick Hunderten Probanden echte und verfälschte Aufnahmen zur Beurteilung vor. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie im Fachblatt «Cognitive Research: Principles and Implications». «Bilder haben einen starken Einfluss auf unsere Erinnerungen. Wenn also Menschen nicht zwischen realen und gefälschten Details in Fotos unterscheiden können, könnten Manipulationen häufig verändern, was wir glauben und woran wir uns erinnern», sagte Co-Autor Derrick Watson laut einer Mitteilung.

Am 19. November 1997 bietet die Nachrichtenagentur Associated Press ein Foto an, das zwei ägyptische Soldaten vor dem Tempel der Hatschepsut zeigt, nachdem zwei Tage zuvor ein Bombenattentat das aegyptische Theben erschüttert hatte. "Ein Land wie im Krieg", lautete die Schlagzeile von Blick über einem Bericht zu dem Bombenattentat. Das vom Blick manipulierte AP-Foto illustrierte den Artikel: Statt einer Wasserlache zieht sich eine rot eingefärbte Blutspur bis hin zum Tempel der Hatschepsut und unterstreicht das entsetzliche Ausmass des Terroranschlags islamistischer Fundamentalisten, dem 62 Menschen, davon 36 Schweizer, zum Opfer fielen.

Eine der berühmtesten Fälschungen in der Schweiz: Bild zum Attentat von Luxor

Am 19. November 1997 bietet die Nachrichtenagentur Associated Press ein Foto an, das zwei ägyptische Soldaten vor dem Tempel der Hatschepsut zeigt, nachdem zwei Tage zuvor ein Bombenattentat das aegyptische Theben erschüttert hatte. "Ein Land wie im Krieg", lautete die Schlagzeile von Blick über einem Bericht zu dem Bombenattentat. Das vom Blick manipulierte AP-Foto illustrierte den Artikel: Statt einer Wasserlache zieht sich eine rot eingefärbte Blutspur bis hin zum Tempel der Hatschepsut und unterstreicht das entsetzliche Ausmass des Terroranschlags islamistischer Fundamentalisten, dem 62 Menschen, davon 36 Schweizer, zum Opfer fielen.

Bei einem der Experimente legten die Forscher 707 Probanden jeweils zehn Fotos vor, davon fünf echt und fünf verfälscht. Die Aufnahmen stammten aus der Google-Bildersuche. Die Wissenschafter montierten beispielsweise in das Foto mit einem Mann, der einen Fisch hält, ein Boot hinein. Oder sie hellten die Zähne deutlich auf. Diese beiden Veränderungen gelten als plausibel hinsichtlich physikalischer Gesetze. Die Wissenschafter manipulierten die Bilder aber auch auf nicht-plausible Art: Eine Baumgruppe im Hintergrund wurde verzerrt oder Schatten von Bäumen entfernt, obwohl sie in einer Wasserspiegelung noch zu sehen waren.

Fälschungen selten erkannt

Die Versuchsteilnehmer sollten sagen, ob das Bild manipuliert wurde. In 66 Prozent der Fälle lagen sie dabei richtig, wobei die Probanden bei Originalen besser abschnitten. Wenn alle nur geraten hätten, wäre die Quote bei 50 Prozent gelegen. «Dies hat gravierende Konsequenzen wegen der grossen Anzahl an Bildern und möglicherweise gefälschten Bildern, denen Menschen täglich durch soziale Netzwerke, andere Internetseiten und die Medien ausgesetzt sind», sagte die Forscherin Sophie Nightingale.

Bei einem zweiten, ähnlich aufgebauten Experiment fanden die Forscher heraus, dass die Fälschungen umso eher erkannt wurden, je mehr Bildpixel von den Manipulationen betroffen waren. Zudem waren Probanden wesentlich besser darin, eine Verfälschung in einem Bild gezielt zu finden, als generell ein manipuliertes von einem echten Bild zu unterscheiden. (sda)

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1