Das ist sie also, Dawn. In ihrem schwarzen Landrover sitzend fahren wir ins Grüne. Wir kennen ihren Namen, ihre Adresse, sie habe einen grossen Garten und da würden wir die nächsten zehn Tage arbeiten. Die Strasse ist schmal und gewunden, dichte Hecken auf beiden Seiten lassen einen nicht um Kurven blicken. Zweimal bremst Dawn scharf, einmal vor einem Auto, einmal wegen eines Hundes. Wales ist hügelig, gelbgrün, nur Schafe scheinen hier zu leben – und die Meadows.

Arbeiten mit WWOOF

Dawn und Tony Meadows leben in einem walisischen Cottage mit einem rund 1.5 Hektaren grossen Garten mit Gemüseanbau und Waldstücken. Um das Land zu bewirtschaften, nehmen sie freiwillige Arbeiter bei sich auf und stellen ihnen im Gegenzug Verpflegung und Unterkunft zur Verfügung. Hinter der Idee steht die lose Organisation WWOOF (World Wide Opportunities on Organic Farms), welche naturbegeisterte Volunteers und nachhaltige Anbauer zusammenbringt.

Mit der Mitgliedschaft erhält man als Interessent das Adressverzeichnis von Höfen und Gärten eines Landes. Den Rest organisiert man selbst.

Leute aus ganz Europa

Im verwunschenen Garten geht die Arbeit nie aus: Unkraut wuchert, Bäume wachsen in den Himmel, der Anstrich des Hauses blättert. Unsere Aufträge sind abwechslungsreich und durchaus lehrreich: Wir sägen Holz, schaufeln einen Pfad, streichen die Gartenmöbel frisch und sammeln Beeren für den säuerlichen Johannisbeerwein. Fährt einmal täglich der Postbote vorbei, kläfft Jasper, der Zwergschnauzer, aufgeregt.

Abends kochen wir gemeinsam und schwatzen über dem obligatorischen cup of tea mit den anderen WWOOFern. Wir sind zu fünft, alle anfangs bis Mitte zwanzig, und Katja und mir wird klar, dass die wenigsten WWOOFer an einem Ort bleiben: Jenny aus Deutschland studiert Physik in Schottland und tingelt von Norden nach Süden durch Grossbritannien. Clément und Diane, ein Paar aus Frankreich, müssen fürs Studium drei Monate im englischsprachigen Raum arbeiten und haben sich mit WWOOF für eine kostengünstige Alternative entschieden.

Verschiedene Erfahrungen

WWOOFen kann einen an Orte führen, die man sonst nie gefunden hätte. Man kommt in Kontakt mit verwurzelten Menschen und lernt das Land jenseits von Big Ben und London Bridge kennen. Doch machten beispielsweise Diane und Clément nicht nur gute Erfahrungen: dürftige Unterkünfte, wenig zu Essen und keine Dusche. Auch Dawn betont: «Wer nur die Kultur kennen lernen und sein Englisch aufbessern will, ist falsch bei uns.

Bei uns geht es um den Garten, um Arbeit.» Manchmal schmerzt abends der Rücken, die Bremsen sind aufdringlich. Doch die grünen Hügel in der Dämmerung versöhnen uns. Und die Gespräche über eine Londoner Jugend zwischen Pink-Floyd-Konzerten und Kunstgalerien über gebackene Bohnen mit Toast sind fast schon wie Kultur.