Spaziergänge – Tecknau BL

Wie ich mir die Orte aussuche und was eine Bar damit zu tun hat

Ein Ort, zwei Stunden Zeit, keine festgelegte Route. Teil 6 der Serie «Spaziergänge» führt durch Tecknau im Oberbaselbiet.

Der Geheimtipp 

«Geh doch mal nach ...» Warum denn? «Weil ich das Dorf unglaublich hässlich finde und gespannt bin, was du daraus machst.» Oder: «Weil mein Ballon beim Flugwettbewerb an der Hochzeit meiner Cousine dritten Grades auf einer Wiese hinter diesem Ort gelandet ist.» Oder: «Weil ich jedes Mal schmunzeln muss, wenn ich den Namen höre.» Sorry, liebe Einwohner von Nuglar-St. Pantaleon. Er meinte es sicher nicht bös.

Kürzlich hat mir jemand sein Handy unter die Nase gehalten und lachend mit dem Finger darauf gezeigt. «Chillholz» prangte da in Grossbuchstaben. Frei übersetzt: Extrem entspannter Wald. Leider ists keine eigenständige Gemeinde, sondern Teil von Thalheim. Aber es ist schon so: Manchmal braucht es wirklich keine weiteren Argumente. Frei nach dem Motto: Geh. Einfach. Dort. Hin.

Danke. Für. Den. Tipp.

Das totale Zufallsprinzip

Mit geschlossenen Augen in Google Maps ein bisschen rein- und rauszoomen und hoffen, dass ich am Schluss an einem Ort in der Region lande – und nicht irgendwo in den südlichen Karpaten. Ein Prinzip, das ich aus diesem Grund eher selten anwende.

Vielleicht wäre es etwas anderes, wenn ich mir im Büro eine Karte über den Bildschirm hängen und gelegentlich den einen oder anderen Pfeil aus dem Köcher ziehen würde. Das könnte wiederum sehr schnell ausarten. Oder wenns die alten Telefonbücher noch gäbe. Wobei wir die ja in der vorpubertären Phase hauptsächlich für eines verwendet haben: extrem lustige Telefonscherze. Wir dachten zumindest, sie seien extrem lustig. Vor allem morgens um 2 Uhr.

Die Fremdbestimmung

Vor ein paar Wochen habe ich meine Tochter gefragt, ob sie gerne mal mitkommen wolle. Sie wollte. Mit der eigenen Kamera. Und sie wollte sich selbst aussuchen, wohin wir spazieren gehen. Schnell mal auf Wikipedia die Liste «Gemeinden des Kantons Solothurn» geöffnet und sie scrollen lassen. Keine zehn Sekunden später stand unser Ziel fest: Lommiswil. Das Lamm im Wappen hatte es ihr angetan. So sehr, dass sie sich den Rest der Liste gleich schenkte. Sorry, liebe Solothurner nach dem «L». Ich kann nichts dafür.

Die persönliche Beziehung

In Aarau, wo ich lebe, und in Muri, wo ich aufgewachsen bin, war ich schon unterwegs. Aber es gibt noch andere Gemeinden, zu denen ich eine persönliche Beziehung habe. Zu Wettingen zum Beispiel, wo ich vor dem Umzug in die Aargauer Kantonshauptstadt wohnte. Zu Wohlen, wo ich meine ersten eigenen vier Wände und den ersten Job hatte. Und eben zu Tecknau. Ohne vorher je einmal dagewesen zu sein.

Die Idee entstand in einer Bar in der Stadt, an einem gemütlichen Dienstagabend mit einer Kollegin. Wir fragten uns, ob es nicht extrem lustig wäre, mal ein paar Stunden am Stammtisch einer richtig rustikalen Beiz zu verbringen und zu ergründen, wo auf dem Land der Schuh drückt. Übers Rössli in Zeglingen (hat leider nur bis 23.30 Uhr geöffnet) kamen wir irgendwie aufs Bahnhöfli in Tecknau (offen immerhin bis Mitternacht). Fortan ein Running Gag. Doch selbst wenn wir es wirklich einmal nach Tecknau geschafft hätten: Wir wären unter Umständen vor verschlossenen Türen gestanden. Das Restaurant Bahnhof hat, so erzählt man sich im Dorf, ziemlich unregelmässige Öffnungszeiten. Und die Telefonnummer ist auch ausser Betrieb.

Das Wunschkonzert

Einen Wunsch habe ich bislang erfüllt. Und bin dafür direkt anschliessend zu Kaffee und Gipfeli eingeladen worden. Für einen zweiten wärs langsam an der Zeit. Wer mir also via spaziergaenge@chmedia.ch den originellsten Grund dafür liefert, wieso ich genau in seiner oder ihrer Gemeinde spazieren gehen soll, den werde ich demnächst besuchen. Kaffee und Gipfeli sind natürlich höchst fakultativ. Ich bin ja nicht bestechlich.

Nächster Halt: Vordemwald AG

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Autor

Patrik Schneider

Patrik Schneider

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