Geschichte

Wie die Atombombe dafür sorgte, dass der Kalte Krieg kalt blieb

Die «Grossen Drei» in Potsdam: Attlee (GB), Truman (USA) und Stalin (SU).

Die «Grossen Drei» in Potsdam: Attlee (GB), Truman (USA) und Stalin (SU).

Die Atomwaffen brachten nicht den Frieden, sondern den Kalten Krieg und das «Gleichgewicht des Schreckens».

Weil eine Atomexplosion nicht nur eine sehr grosse Zerstörungswirkung habe, sondern durch die radioaktive Verstrahlung unweigerlich auch Zivilisten beeinträchtigen und töten würde, sei der Gebrauch dieser Waffe «durch dieses Land (sc. Grossbritannien) wohl nicht in Betracht zu ziehen», schrieben die Physiker Otto Frisch und Rudolf Peierls 1940 in ihr berühmtes «Memorandum» für die britische Regierung.

Klaus Fuchs

Klaus Fuchs

Ihnen war von Anfang an klar, dass bei vernünftiger Überlegung der Bombe nur eine Abschreckungsfunktion zukommen konnte. Es war auch klar, wem sie den Einsatz der Bombe zutrauten: dem Hitlerregime. 1940 war der Nichtangriffspakt zwischen Moskau und Berlin noch in Kraft. Nach dem Sommer 1941 änderte sich dies zwar, und Churchill versprach der Sowjetunion nach dem deutschen Überfall Hilfe. Trotzdem dachte man nicht daran, Stalin ins Atomgeheimnis einzuweihen.

Lawrenti Beria

Lawrenti Beria

Der deutsche Physiker Klaus Fuchs (1911–1988) hatte als Student aus Deutschland fliehen müssen, weil er Kommunist war. Ins britische Atomprogramm geriet er eher zufällig. Aber den Schritt zur Spionage tat er bewusst.

Die Sowjetunion war im Bild, was in den USA lief. Aber erst im August 1945, nach Hiroshima und Nagasaki, stellten die Sowjets ein eigenes Atomprogramm auf die Beine. Geführt wurde es von «Stalins Henker» Lawrenti Beria.

Igor Kurtschakow

Igor Kurtschakow

Das wissenschaftliche Kommando hatte Igor Kurtschakow. Bereits im August 1949 massen die Engländer und Amerikaner Plutoniumstaub in der ­Atmosphäre; dass die So­wjets so früh schon gleichziehen konnten, überraschte. Die russische Bombe war ein Nachbau von «Fat Man», der Nagasaki- oder der Trinity-Bombe von 1945.

Fast zur gleichen Zeit flog Fuchs auf. Weil er mit Kindern gut auskam, nannten sie ihn den «Onkel Klaus». Die Kollegen nahmen es mit Sarkasmus: Fuchs sei jetzt halt zum «Santa Klaus» der Russen geworden. Fuchs hatte sehr viel Material geliefert. Zum Man- hattan-Projekt allgemein, zu einer Isotopen-Trennvorrichtung, zum Zünd­mechanis­mus der Pluto­nium-Bombe, auch über gewisse Charakteristiken der H-Bombe. Fuchs war einer der bestdokumentierten Wissenschafter nach dem Krieg. Wie viel seine Spionage dem russischen Projekt nützte, bleibt offen. Zwei bis drei Jahre Zeitersparnis, schätzt man.

Ohne Bombe hätte Stalin den Korea-Krieg nie riskiert. Das ist der eine Punkt. Der andere: Wie lange wäre der Kalte Krieg «kalt» geblieben bei einem US-Atom-Monopol?

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1