Raumfahrt

Wettrennen der Milliardäre: Warum Jeff Bezos dem Konkurrenten Elon Musk davonfliegen könnte

Die beiden Kontrahenten Jeff Bezos und Elon Musk befeuern den Weltraum-Zweikampf.

Die beiden Kontrahenten Jeff Bezos und Elon Musk befeuern den Weltraum-Zweikampf.

Die erste Etappe dürfte Elon Musk gewinnen. Dieses Wochenende soll SpaceX als erste private Firma Menschen ins All schiessen. Doch der Wettlauf geht weiter. Vieles deutet darauf hin, dass Amazon-Gründer Jeff Bezos zuerst auf dem Mond sein wird.

Dicke Wolken über Florida haben am Mittwoch einen Start noch verunmöglicht. Nun soll die Raumfähre Crew Dragon mit den Astronauten Bob Behnken und Doug Hurley an Bord am Samstagabend abheben – und Weltraumgeschichte schreiben. Es wäre der erste bemannte Raumflug einer privaten Firma. SpaceX, das Unternehmen von Tesla-Gründer Elon Musk, will dieses Kunststück vollführen und beweisen, dass nicht nur Nationen, sondern auch Firmen Menschen ins All schiessen können.

Vorerst kein erfolgreicher Start: Douglos Hurley und Bob Behnken schlüpften diesen Mittwoch vergebens in den Spacesuit.

Vorerst kein erfolgreicher Start: Douglos Hurley und Bob Behnken schlüpften diesen Mittwoch vergebens in den Spacesuit.

Ort des Geschehens ist der Weltraumflughafen Kennedy Space Center. Von hier startete vor gut 50 Jahren Neil Armstrong mit seiner Crew und gewann für die USA das Wettrennen zum Mond gegen die damalige Sowjetunion. Nun ist erneut ein Space Race im Gang: eines der Milliardäre. Neben Elon Musk ist der zweite berühmte Teilnehmer der Amazon-Gründer Jeff Bezos mit seinem Raumfahrtunternehmen Blue Origin.

Die Kontrahenten selbst befeuern den Zweikampf. Er liebe Rennen, meint Musk in einem Interview und redete seinen Opponenten klein: «Mal ehrlich», sagte er, «ich glaube, wir sehen eher Einhörner tanzen als ein bemanntes Raumschiff von Blue Origin zur ISS fliegen.»

Heizt den Wettkampf mit Amazon-Chef Jeff Bezos an: Multimilliardär Elon Musk.

Heizt den Wettkampf mit Amazon-Chef Jeff Bezos an: Multimilliardär Elon Musk.

Musk vs. Bezos: Choleriker gegen Coolman

Gemeinsam ist den beiden der Hang zur Science-Fiction. Beide gelten als Nerds und haben sich in ihrer Kindheit in die einschlägigen Romane vertieft. Wenn Elon Musk seine Tesla in den Weltraum schiesst, um die Stärke seiner Rakete zu demonstrieren, dann ist das nicht nur ein fulminanter Werbespot für seine Elektroauto-Firma, sondern auch eine witzige Reverenz an den Kult-Roman «Per Anhalter durch die Galaxie». Und wenn Bezos seine Idee einer frei im All schwebenden zylinderförmigen Stadt präsentiert, so ist das eine Reminiszenz an die Science-Fiction der 70er-Jahre.

Was die beiden sonst noch eint: Sie haben ein dickes Portemonnaie. Bezos gilt als der reichste Mensch der Welt, sein Vermögen wird auf 147 Milliarden Dollar geschätzt; Musk bringt es immerhin auf 37 Milliarden. Wer von der Erde abheben will, für den ist Reichtum unerlässlich; Raketen sind Geldverbrennungsmaschinen.

Charakterlich sind die beiden unterschiedlich: Während Musk mit wirren Tweets Borderline-mässig austeilt, seinem Sohn den extravaganten Namen «X Æ A-12» gibt, in einem Interview kifft und Whisky trinkt, so mimt Bezos den besonnenen Typ. Cool und abgeklärt. Ohne allzu grossen Rummel zu produzieren, hat er die Technologie seiner Rakete und Raumfähre in den letzten Jahren weiterentwickelt.

Jeff Bezos ist reicher als Elon Musk, dafür ist sein Weltraumunternehmen Blue Moon weniger bekannt.

Jeff Bezos ist reicher als Elon Musk, dafür ist sein Weltraumunternehmen Blue Moon weniger bekannt.

Weiter zum Mond und dann zum Mars

Der erste Triumph dürfte nun aber Musk gehören. Die bemannte Mission zur Internationalen Raumstation ISS ist allerdings nur ein Etappensieg. Das Rennen geht weiter. Zum Mond. Und dann zum Mars. «Der Wettlauf um den privaten Zugang zum Weltraum endet nicht mit dem ersten Flug», sagt Willy Benz, Astronomie-Professor an der Universität Bern. Und Olivier de Weck, Professor für Raumfahrttechnologie am MIT in Boston, meint: «Das ist erst der Startschuss für die Zukunft der kommerziellen Raumfahrt.»

In den 60er-Jahren waren es die Russen, welche mit Juri Gagarin zuerst einen Menschen ins All beförderten. Am Ende aber wehte die amerikanische Flagge auf dem Mond. Auch im neuen Space Race könnte der Schnellstarter nicht der erste am Ziel sein. De Weck sagt: «Für mich ist Blue Origin der interessantere der beiden Konkurrenten.»

Olivier de Weck Professor für Raumfahrttechnologie am MIT in Boston

Olivier de Weck Professor für Raumfahrttechnologie am MIT in Boston

Die Philosophie von Blue Origin sei eine ganz andere als die von SpaceX. «Bei SpaceX geht alles sehr schnell, und Elon Musk scheut sich nicht, Fehler zu machen und Verbesserungen anzubringen. Bei Blue Origin nimmt man sich Zeit und versucht von Anfang an, alles richtig zu machen, ohne sich zu übernehmen», analysiert der Schweizer.

Die Strategie von Bezos zeigt sich auch im Logo von Blue Origin, das nicht etwa einen Adler zeigt, sondern eine Schildkröte, was doch eher ungewöhnlich ist für ein Unternehmen, das in der Luft operiert. Für de Weck ist klar: «Es symbolisiert, dass sich die Firma auf den langfristigen Erfolg ausrichtet.»

Kriegsgöttin Artemis und die erste Frau auf dem Mond

2024 will die Nasa wieder Menschen auf den Mond schicken – darunter zum ersten Mal eine Frau. Die Mission trägt denn auch den sinnträchtigen Namen, der Göttin der Jagd, Artemis. Das Ziel ist ambitioniert, doch dann endet nun mal eine allfällige zweite Amtszeit von Donald Trump, der mit einer Rückkehr zum Mond zu Ruhm kommen will.

Das Landemodul soll eine private Firma beisteuern. Diesen Frühling hat die Nasa entschieden, welche Unternehmen sie unterstützen wird. Das Rennen machte mit «Blue Moon» die Firma von Jeff Bezos, die 579 Millionen Dollar zugesprochen bekam. Das Technologie-Unternehmen Dynetics aus Alabama erhielt 253 Millionen und SpaceX 135 Millionen. Ein Indiz dafür, dass die Nasa langfristig auf Blue Origin setzt.

Beim Entwickeln von Landemodulen hat Jeff Bezos die Nase vorn.

Beim Entwickeln von Landemodulen hat Jeff Bezos die Nase vorn.

Doch am Schluss zählen die Resultate. Und der Wettkampf soll die Firmen zur Höchstleistung anstacheln. Willy Benz sagt: «Wenn sich mehrere Unternehmen um Dienstleistungen bewerben, führt das dazu, dass die Kosten sinken und die Zuverlässigkeit für Missionen steigt.» Nächsten Februar will die Nasa entscheiden, auf welchen der drei Konkurrenten sie setzt und wer eine Testmission fliegen darf, um letztlich Menschen auf den Mond zu schicken.

Willy Benz Direktor des Physikalischen Instituts der Universität Bern

Willy Benz Direktor des Physikalischen Instituts der Universität Bern

Die Nasa will den Erdtrabanten weiter erforschen, eine Reise zum Mars vorbereiten – und China zuvorkommen, das ähnliche Pläne hegt. Die Unternehmer sind an wertvollen Rohstoffen auf dem Himmelskörper interessiert. Und wittern ein weiteres Geschäft: Wer Nasa-Astronauten ins All befördern kann, der kann auch mit gut zahlenden Weltraumtouristen zu einem Ausflug abheben. Milliardäre, die sich etwas Aussergewöhnliches leisten wollen, gibt es genug.

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