Uhren

Wer Zeit zeigt, zeigt auch, was dahinter steckt

Masterpiece Maurice Lacroixho

Masterpiece Maurice Lacroixho

Viel Mechanik mit optisch attraktiven Innovationen und hochwertige Architektur

253 231 Leuchtdioden bringen den Palast von Swarovski zum Erleuchten, 50 000 goldene Uhrwerke hängen bei Citizen an feinen Stahlschnüren von der Decke, 624 Holzleisten brauchte der japanische Stararchitekt Toyo Ito für den Pavillon von Hermès, und Chopard hat sich gleich ein Schlösschen bauen lassen, das auch ein 5-Sterne-Hotel sein könnte. Angesichts dieser Prachtwerke bleibt so manchem Besucher an der Baselworld schlicht der Mund offenstehen. Und man vergisst fast, dass es hier eigentlich um etwas anderes geht: um Uhren und Schmuck. Grösser und teurer heisst das Motto der diesjährigen Uhren- und Schmuckmesse, als wolle man damit vergessen lassen, dass die Geschäfte auch schon besser liefen. Dabei ist diese Pavillon-Welt in der neuen Messehalle von Herzog & de Meuron bloss für sechs Tage bestimmt. Doch etwas Kostbares wie Zeit darf durchaus auf Wattebäuschchen ins Zentrum gerückt werden. Es darf glänzen und flimmern, flackern und spiegeln. Hauptsache es werden Träume, Emotionen, Gefühle, Faszination geweckt.

So geht die Jagd der Journalisten und des Fachpublikums los auf die neuen Trends, was bei rund 1800 Ausstellern aus 40 Ländern auf 140 000 Quadratmetern keine einfache Angelegenheit ist. Manche finden auch, es gebe schlicht gar keine. Jedenfalls nicht den einzig wichtigen, nach dem sich alle richten wie die Mücken zum Licht.

Für Traditionsfirmen wie Rolex, Omega oder Patek Philippe heisst das Stichwort ohnehin Kontinuität. Sie bleiben ihrer Linie weitgehend treu. Ihre Produkte verändern sich über die Jahre optisch kaum, wenngleich auch die Tendenz in Richtung grösserer Uhren erkennbar ist. Vielmehr noch steht die qualitative Verbesserung der Uhrwerke im Vordergrund.

Der Ruf nach mechanischen Uhren ist nach wie vor gross. Entsprechend innovativ zeigen sich die Uhrenmarken – insbesondere diejenigen im sogenannten Palace, den die Messe für Newcomer in der Rosentalanlage gleich neben dem Messeturm eingerichtet hat. Wie etwa bei der Marke Urwerk, deren Modelle ziemlich futuristisch aussehen. Anstelle der Zeiger bewegen sich im Innern kleine Karusselle, sogenannte Satellitenkomplikationen, mit beweglichen Stundenmodulen. Wie zwei Stielaugen blicken beim Modell Megawind White Gold von MB & F die Funktionen für die Zeitangabe entgegen. Ghost Collection nennt N.O.A. ihre neusten Modelle. Ganz in Schwarz ist das tiefergelegte Zifferblatt mit einem lumineszierenden Belag versehen, der im Dunkeln leuchtet. Einblick ins Innenleben geben auch die mechanischen Uhren von Hyt. Eine Neuheit: Statt mit Zeigern wird die Zeit mittels einer farbigen Flüssigkeit angezeigt.

Die Kronenlosen kommen

Durchsicht und Transparenz ist auch bei den grossen Namen ein wichtiger Aspekt. So etwa bei Hublots Classic Fusion Squelette oder bei der Masterpiece MP 05 La Ferrari, die wie ein Motorenwerk aussieht. Etwas zurückhaltender offenbart sich der Einblick beim Tourbillon Bi-Axial Titane von Girard-Perregaux oder bei Corum Ti-Bridge Automatic Dual Winder. Neben viel Durchblick wartet Maurice Lacroix bei seiner Masterpiece Seconde Mystérieuse mit einer Weltneuheit auf: einer linearen Sekundenanzeige.

Klar gibt es Uhren, die auf Zeiger verzichten und stattdessen Zahlen für die Zeitablesung bieten. Aber Uhren ohne Krone? Es gibt es einige Uhrmacher, die auf das Teilchen bei 3 Uhr verzichten oder es zumindest zum Verschwinden bringen. Die belgische Marke Ressence zum Beispiel mit ihrer Uhr mit dem simplen Namen Type 3, die mit einem formschönen, puristischen und minimalistischen Design überzeugt. Statt einer Krone kann man die X-Trem-1 von Christophe Claret mit zwei herausklappbaren Schlüsseln auf dem Gehäuseboden aufziehen und richten. Die J12 Pétrograde Mystérieuse von Chanel ist mit einer versenkbaren Krone bei 3 Uhr ausgestattet.

Natürlich kann man sich eine Uhr im Wert eines Ferraris oder eines halben Einfamilienhauses ans Handgelenk hängen. An der Baselworld werden aber durchaus auch bezahlbare Modelle präsentiert. Zwar richtet sich die weltgrösste Uhrenmesse in erster Linie an ein Fachpublikum, also Wiederverkäufer und Journalisten. Doch auch die breite Öffentlichkeit kann einen Blick in dieses Universum werfen. Für die Tageskarte zum stolzen Preis von 60 Franken bekommt man dafür neben edlen Uhren und Schmuck auch noch hochwertige Architektur zu bewundern.

Baselworld Messe Basel, bis 2. Mai, www.baselworld.ch, Eintritt: 60 Franken.

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