Fantasy Basel

Wenn Sailor Moon ins Drämmli und der Stormtrooper aufs Velo steigt

An der Fantasy Basel trifft man auf Dutzende Menschen, die sich als Helden aus Comics, Games und Filmen verkleidet haben. Die Cosplay-Szene hat die Schweiz erreicht. Ein Augenschein.

Während in der Eventhalle junge Männer mit Plastikschwertern aufeinander losgehen, diskutiert Darth Vader mit Spider-Man bei einem Bier. An der Fantasy Basel trifft man dieses Jahr in den Hallen der Messe Basel wieder diverse seltsame Gestalten an. Wer sich für Konsolen-, Brett- oder Online-Spiele, Romane oder auch Kunst mit surrealem Inhalt interessiert, kommt hier auf seine Kosten.

Einzigartig an der Messe ist auch, dass die Besucher selbst ein Highlight sind. Viele Fantasy-Begeisterte verkleiden sich als eine ihrer Lieblingsfiguren. Beim sogenannten «Cos-play» geht es darum, eine Figur aus Film, Comic oder Game möglichst genau zu imitieren. Der Verkleidungskult hat seinen Ursprung in Japan. Figuren aus Mangas werden dort seit Anfang der 90er-Jahre mit viel Aufwand dargestellt.

An der Basler Messe können sich die Verkleidungskünstler austauschen und sich mit Material eindecken. Diverse Stände bieten Perücken, farbige Kontaktlinsen und Materialien zur Kostümherstellung. Der Bezug zu Japan wird auch hier deutlich: Samuraischwerter und bunte Süssigkeiten aus dem Land werden angeboten. Die Fantasy-Fans investieren dabei viel Zeit und Geld in ihre Outfits: Bis ein Kostüm fertig ist, können mehrere Monate vergehen.

Mit Schwert und Perücke: Cosplayer erobern die Fantasy Basel

Mit Schwert und Perücke: Cosplayer erobern die Fantasy Basel

Die Cosplay-, Comic- und Game-Fans nehmen Basel in Beschlag: Seit gestern läuft in der Basler Messe die Comic Con, die Zehntausende Besucher anzieht. Viele von ihnen kommen gleich selbst verkleidet an die Messe. Neben verschiedenen Cosplay-Stars sind auch einige bekannte Schauspieler wie Kristian Nairn (Games of Thrones) mit dabei.

Die Cosplay-Szene in der Schweiz ist noch vergleichsweise klein. «Bis vor zwei Jahren gab es in der Schweiz nur etwa zehn bis zwanzig gute Cosplayer. Doch die Gemeinschaft ist seither enorm gewachsen», sagt Sandro Chiaravalle, der seine Verkleidungskreationen an einem Stand ausstellt.

Dass sich Fantastisches auch in der Schweiz zunehmender Beliebtheit erfreut, zeigt die Fantasy Basel. Nach der ausverkauften ersten Ausgabe von 2015 mit rund 20 000 Besuchern wurde das Ausstellungsgelände dieses Jahr noch vergrössert. Als «Swiss Comic Con» soll der Anlass Besucher aus der ganzen Schweiz, aber auch aus dem Ausland anziehen.

Das fällt auch beim Gang durch die Hallen auf. An vielen Orten wird Englisch
gesprochen. Internationale Firmen wie Disney, Marvel und Nintendo stellen ihre neusten Videospiele, Filme und Serien vor. Fans stehen Schlange, um ein Autogramm vom Weltmeister des Online-Games «League of Legends», der eigens für die Fantasy Basel aus Spanien angereist ist, zu ergattern. Vor alten Röhrenfernsehern sitzen Anhänger von Retrogames und spielen auf alten Nintendo-Konsolen «Super Mario».

Schweisserbrillen und Röcke

Weniger friedlich geht es in der Halle 1.1 zu und her. Zwischen Ständen von Tattoostudios, wo sich Leute direkt an der Messe unter die Nadel legen, ist in einem Käfig ein Zombie ausgestellt, der mit viel Gebrüll auf sich aufmerksam macht. Die Organisatoren des «Zombie-Walks Basel», bei dem sich in Fetzen gehüllte und leichenhaft geschminkte Freaks durch die Stadt bewegen, haben den Käfig aufgestellt.

Impressionen von der Fantasy Basel

Impressionen von der Fantasy Basel

Die Cosplay-, Comic- und Game-Fans nehmen Basel in Beschlag: Seit gestern läuft in der Basler Messe die Fantasy, die Zehntausende Besucher anzieht. Viele von ihnen besuchen die Ausstellung verkleidet.

Wie vielfältig die Fantasy-Community ist, zeigt auch der Steampunk-Bereich. Der Autor Martin Riesen bezeichnet das Science-Fiction-Genre mit dem dazugehörigen Outfit als «Reenactment einer Zeit, die es nie gegeben hat». Mit bronzenen Zahnrädern, Schweisserbrillen, viktorianischen Anzügen und Röcken werden bizarre Outfits zusammengestellt.

Die Mitglieder «Swiss Steampunk Society», die zurzeit rund 100 aktive Mitglieder zählt, versetzten sich in ein Paralleluniversum, in dem Dampfmaschinen statt Elektrizität dominieren. Für Riesen ist dieser Aufzug aber keine Verkleidung, sondern vielmehr eine Gewandung, wie er erklärt.

Die Fantasy Basel ist ein reizüberflutendes Sammelsurium, eine Heimat für Game-Freaks, Brettspiel-Nerds und Comic-Geeks. Ganz speziell tritt dies dort zutage, wo die Hingabe zur Fantasie hart in der Wirklichkeit aufschlägt: Wenn Sailor Moon ins Drämmli und der Stormtrooper aufs Velo steigt.

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