Pandemie

Wenn Chips nicht mehr schmecken: Corona-Patienten klagen über Verlust des Geschmacksinns

Fieber und trockener Husten zählt zu den häufigsten Symptomen.

Fieber und trockener Husten zählt zu den häufigsten Symptomen.

Besonderheit am Coronavirus: Patienten klagen über den Verlust des Geschmacksinns. Im Spital liegen mehr Männer als Frauen.

Am 30. Dezember 2019 wurde in einem Spital in Wuhan bei einem Patienten erstmals ein Coronavirus mit «unbekanntem Verhalten» entdeckt. Seither geht das Virus um die Welt und verbreitet Angst und Schrecken. Diese Neuartigkeit des mutierten Virus bringt es mit sich, dass auch seine Symptome erst entdeckt werden mussten. In einer WHO-Studie aus China wird dargestellt, dass sich die Lungenerkrankung in den allermeisten Fällen mit Fieber zeigt, gefolgt von trockenem Husten, andere Symptome gibt es zahlreiche, sie kommen jedoch weit weniger vor.

Gemäss der Klinik für Infektiologie am Kantonsspital St.Gallen sind die Symptome tatsächlich nicht so eindeutig und es werden neue entdeckt. In den Schweizer Spitälern hat man festgestellt, dass viele Coronapatienten Geruchs- und Geschmacksstörungen erleben. Vielleicht ein Drittel der Spitalpatienten sind gemäss den St.Galler Infektiologen von einem solchen Verlust an Geschmackssinn betroffen.

Zu den Symptomen, welche die WHO in China festgestellt hat, kommt der Geschmacksverlust hinzu. Rechts wird die Männerlastigkeit bei den Hospitalisierten angezeigt.

Zu den Symptomen, welche die WHO in China festgestellt hat, kommt der Geschmacksverlust hinzu. Rechts wird die Männerlastigkeit bei den Hospitalisierten angezeigt.

Die Chips verlieren ihren Geschmack

So auch eine junge Frau mit drei Kindern. Sie hatte zuerst nur Symptome einer Grippe: Gliederschmerzen und 38,8 °C Fieber. Als sich Gleichgewichtsstörungen hinzugesellten, beschloss die Frau, für ihren Elektrolythaushalt mehr zu trinken und etwas Salziges zu essen. Sie fand eine Packung Chips, doch sie hörte bloss die Knackgeräusche – auf der Zunge schmeckte sie nichts. Es sei gewesen, wie Verpackungsmaterial zu essen, erzählt sie. Der Geschmacksinn blieb über mehrere Tage weg. Ein Test bestätigte die Ansteckung.

Auch starke Atembeschwerden und geistige Absenzen beim Reden kamen hinzu. «In der ersten Woche kam ich mir vor wie in Trance», erzählt sie. Sie war zwei Wochen lang krank, in Spitalpflege musste sie aber nicht. Ihre Kinder hatten nur Grippesymptome und auch ihr Mann einen schwächeren Verlauf.

Die Experten von der Klinik für Infektiologie bestätigen, dass sich die Einschränkung des Geruchs- und Geschmacksinns glücklicherweise recht schnell wieder zurückbildet.

Nicht für alle geht die Erkrankung so glimpflich aus. In der Schweiz mussten bis jetzt rund 1500 Menschen hospitalisiert werden, wie das Bundesamt für Gesundheit gestern bekannt gab. Dabei zeigte sich, dass 60 Prozent davon Männer sind. Auch bei den inzwischen 257 Todesfällen sind drei Fünftel Männer. Das bestätigen auch die Analysen aus China.

Als ein Hauptgrund wird dabei das Rauchen genannt, weil Männer häufiger an der Zigarette hängen. In der Schweiz stehen die weiblichen Raucher den männlichen aber nur wenig nach, als alleinige Erklärung dient das somit nicht. Einfluss könnte haben, dass Frauen in der Regel dank ihrer Hormone besser ausgerüstete Immunsysteme haben oder die Hygienevorschriften besser einhalten. Eine wissenschaftliche Erklärung gibt es noch nicht. Interessant ist aber, dass zwar mehr Männer im Spital landen, das Geschlechterverhältnis, was die Zahl der Infektionen betrifft, aber umgekehrt ist, also mehr Frauen positiv getestet werden. Wer nun daraus Schlüsse zur Gefährlichkeit des Coronavirus ziehen will, muss vorsichtig sein. Denn viele Erkrankungen verlaufen beinahe symptomlos, bleiben unerkannt und verfälschen prozentuale Berechnungen von Infektions- und Sterberaten.

Viele wollen Antikörper-Tests machen

Um die unerkannte Immunität in der Bevölkerung feststellen zu können, sind Antikörper-Tests gefragt. Mit diesen Tests wird über spezifische Antikörper im Blut festgestellt, ob jemand vom Coronavirus nicht mehr heimgesucht werden kann. Viele Leute möchten sich gerne testen lassen. Wenn möglich mit einem Selbsttest oder in der Apotheke.

Verschiedene solcher Tests werden momentan entwickelt. Einer davon von Lorenz Risch in seinem Labor LMZ in Vaduz, der ab nächster Woche einen selbst entwickelten Antikörpertest anbietet. Fürs Erste nicht für Selbsttests. Denn generell dürfen gemäss Risch Tests von Infektionskrankheiten nur in den von Swissmedic bewilligten medizinischen Laboratorien stattfinden. Ausnahmen sind möglich. Es sei absehbar, dass es wie vom Coronatest zu wenig Antikörper-Tests geben wird. Deshalb werden nach Risch vor allem exponierte Personengruppen dafür in Frage kommen: Menschen aus der Gesundheitsvorsorge, Altenpflege, im Bildungswesen und Menschen im Umfeld von Risikopersonen.

Im Moment gibt es Hunderte von Angeboten von Antikörper-Tests, von denen die meisten nicht seriös sind. Verschiedene Stellen sind dran, die Spreu vom Weizen zu trennen, auch das BAG ist damit beschäftigt. Einige gute Tests seien aber vorhanden und Selbsttests sowie in der Apotheke wären wünschenswert, sagen die St.Galler Infektiologen. Im Spital St.Gallen hofft man, nach Ostern die ersten 1000 Tests machen zu können.

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