Analyse

Wegen toten Mäusen, Vögeln, Reptilien: Warum Katzenfreunde und Tierschützer zusammenspannen sollten

Auch wenn Katzen zu Hause edelstes Futter vorgesetzt kriegen, verzichten sie nicht darauf, Tiere zu töten – und sei es nur zum Spiel. Am erbeuten sie Mäuse und Spitzmäuse.

Auch wenn Katzen zu Hause edelstes Futter vorgesetzt kriegen, verzichten sie nicht darauf, Tiere zu töten – und sei es nur zum Spiel. Am erbeuten sie Mäuse und Spitzmäuse.

Katzen erlegen jedes Jahr Millionen von Mäusen, Vögeln und Reptilien. Doch Tierschutz und Naturschutz sollten zusammenspannen, statt gegeneinander zu schiessen. Denn sie hätten ein gemeinsames Ziel.

Katzen haben samtig weiche Pfoten und sind unglaublich herzig. Sie haben aber auch scharfe Krallen und sind die häufigsten Raubtiere unseres Landes. Rund eine Million Katzen haben Auslauf ins Freie und leben dort ihren Jagdtrieb aus. Zum Vergleich: Füchse gibt es in der Schweiz grob geschätzt 100'000, Wölfe gerade mal 60 bis 70.

Auch wenn Katzen zu Hause edelstes Futter vorgesetzt kriegen, verzichten sie nicht darauf, Tiere zu töten – und sei es nur zum Spiel. Am erbeuten sie Mäuse und Spitzmäuse, daneben viele Vögel. Gelegentlich erwischen sie auch eine Eidechse oder einen Molch.

Es gebe zu viele Katzen, heisst es deshalb von Seiten Naturschutz. Es werden aus dieser Warte teils drastische Massnahmen gefordert, von einer Katzensteuer bis hin zum vermehrten Abschuss. Die Halterinnen und Halter von Katzen fühlen sich angegriffen und befürchten Grausamkeiten gegen ihre Lieblinge. Oftmals sind sie aber auch selber im Clinch. Sie freuen sich nicht über ein blutiges «Geschenk» im Treppenhaus, über den Mäusedarm oder die zerstreuten Federn, die sie wegputzen müssen. Doch sie wollen ihre Katze auch nicht einsperren.

Gejagt werden die häufigsten Vögel

Wie schlimm sind die Raubzüge der Katzen wirklich? Die meisten Schätzungen liegen bei einigen Dutzend erlegten Beutetieren pro Jahr und Katze. Doch für eine intakte Natur ist nicht entscheidend, wie viele einzelne Tiere sterben, sondern ob dadurch der Bestand einer Art bedroht ist. Die Vogelwarte Sempach und Bird­life Schweiz schreiben auf einem Merkblatt, dass Katzen vor allem diejenigen Tierarten jagen, die zahlreich und einfach zu fangen sind. Bei den Vögeln sind dies Amseln, Rotkehlchen, Meisen, Finken und Sperlinge. «Vögel gefährdeter Arten werden dagegen nur selten erbeutet», heisst es weiter. Es ist nicht auszuschliessen, dass Katzen in einzelnen Fällen eine seltene Vogelart bedrohen, doch in der Regel verkraftet die Vogelwelt die Verluste gut.

Anders sieht es bei Reptilien aus. Wenn es kühl ist, können sich Eidechsen und Schlangen nur langsam bewegen und sind leichte Beute. «Besonders die Zauneidechse und die Blindschleiche leiden sehr stark unter der Hauskatze», heisst es auf der Website der Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz. Dahinter steckt jedoch ein viel grösseres Problem: der Verlust an Lebensräumen. In der Trockenmauer, unter dem Brombeergestrüpp oder im Steinhaufen fänden Eidechsen und Vögel Schutz, auf dem perfekt getrimmten Rasen kann sich dagegen kein Tier vor einer Katze verstecken.

Statt sich gegenseitig Tierfeindlichkeit vorzuwerfen, könnten sich die Liebhaberinnen und Liebhaber von Wildtieren und diejenigen von Katzen auf ihre gemeinsamen Werte besinnen. Niemand will, dass Tiere leiden ­– ob es nun Wildtiere oder Katzen sind. Und zumindest in einem Bereich zeichnet sich ein gemeinsamen Ziel ab: Es muss verhindert werden, dass sich Katzen unkontrolliert vermehren. Wenn das gelingt, werden einerseits weniger Katzen erschlagen, ertränkt, erschossen, eingeschläfert. Und andererseits werden auch weniger Kleintiere von Katzen getötet.

Nun haben Bundesrat und Parlament bislang alle Vorstösse für eine Chip- oder Kastrationspflicht abgelehnt. In seiner Stellungnahme zur Motion von Doris Fiala argumentiert der Bund mit dem «erheblichen Aufwand» für Kantone und Gemeinden. Er hat recht, die Kastration von Streunern ist aufwendig. Diesen Aufwand tragen derzeit die Tierschutzorganisationen und Freiwilligen, die mühsam verwilderte Katzen einfangen und kastrieren. Eingespart wird dadurch nichts. Vielmehr drückt sich der Staat vor einer unliebsamen Aufgabe und bürdet die Kosten und den Aufwand dem Tierschutz auf. Um das zu ändern, müssten Tierschutz und Naturschutz an einem Strick ziehen.

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