Über Landstrassen fährt man der Reuss entlang, durch kleine Dorfzentren und an weiten Feldern vorbei, bis man in Fischbach-Göslikon endlich die Wohlerstrasse erreicht. Helena Schmid Camenischs Kunden ist der lange Weg nicht zu schade: «Sie kommen von überall aus der Schweiz. Ich habe hier etwa sechs Katzen pro Tag.» Schmid Camenisch ist die Besitzerin von «Katzenbaden», des einzigen Schweizer Pflegesalons, der sich ausschliesslich auf Katzen spezialisiert hat.

An diesem Morgen kommt Anne Müller mit ihrem silber-schattierten Perser Fenja zur Katzencoiffeuse. Mit der Katzenkiste betritt sie Schmid Camenischs lichtdurchflutetes Haus, das ihr gleichzeitig Arbeitsplatz und Zuhause ist. Im Empfangszimmer begegnen sich Katze und Friseurin das erste Mal. «Zuerst muss ich die momentane Stimmung, den Charakter und Fellzustand der Katze abschätzen können», erklärt sie.

Katzen und Wasser

Fenja ist etwa viermal im Jahr zu Gast und verhält sich dementsprechend ruhig, die kurze Begrüssung verläuft problemlos. Dann wird die Besitzerin für drei Stunden verabschiedet, damit die Katze während der Pflege ruhig und nicht auf sie fokussiert bleibt. Fenja wird in den oberen Stock getragen, wo sich der eigentliche Salon befindet. Dort werden ihr zuerst einmal die Krallen geschnitten. Bisher zeigt sie keine Anzeichen von Gegenwehr.

Der nächste Schritt könnte aber schwierig werden: Fenja wird in den benachbarten Raum getragen, wo sie in ein breites Waschbecken gesetzt wird.

Katzen waschen? Sind die Tiere nicht wasserscheu? Mit einem Bad tut man ihnen doch bestimmt keinen Gefallen. Auch in anderen Salons herrscht diese Meinung vor, so zum Beispiel im Studio Flocke in Biel, das sich sowohl Hunden als auch Katzen widmet: «Fellpflege ist bei den wasserscheuen Tieren schwierig. Viele Katzenbesitzer gehen deshalb zum Tierarzt und lassen die Katze in Narkose scheren», stellen sie fest. Schmid Camenisch kennt diese Einstellung, hält aber dagegen: «Geht man behutsam mit den Katzen um, ist die Pflege kein Problem.» Oft fehle es den Tierfriseuren, die sich öfter Hunden als Katzen widmen, an Ausbildung und Wissen, wie man mit den sensiblen Samtpfoten umgehen müsse.

Erlernt hat die Katzencoiffeuse ihr Handwerk in den USA, beim «National Cat Groomers Institute of America», das vor zehn Jahren gegründet wurde. Katzensalons sind also auch in ihrem Ursprungsland ein relativ neues Phänomen, jedoch bereits viel verbreiteter als in Europa.

Der Hahn wird aufgedreht, die Katze langsam gewaschen und schamponiert. Kaum fliesst das Wasser über Fenjas Fell, wird aus der pelzig-wuscheligen Perserkatze ein unglaublich dünnes, kleines Tierchen mit viel zu grossem Kopf. Sie miaut, doch versucht nicht, aus dem Becken zu fliehen. Schmid Camenisch massiert das Shampoo ins weisse Fell ein, während das warme Wasser darüber läuft. Fenja schielt zuerst leicht skeptisch nach oben. Doch nach ein paar Minuten schnurrt sie laut. Stress hört sich wohl anders an.

Schönheitskönige im Tierheim

Das Shampoo wird ausgewaschen, bis die Haare beim Darüberstreichen quietschen. Dann trocknet Schmid Camenisch die Katze ab, indem sie Fenja in blaue Tücher hüllt, sodass nur noch ihr Kopf herausschaut. «Das nenne ich ein Kitten Wrap. Wenn die Katze jetzt ungeduldig und zickig wäre, wäre das ein Spicy Kitten Wrap», lacht sie, während sie Fenja die Ohren reinigt.

Dann wird der Perserin ein Ohrenschutz übergezogen, da Katzen empfindlich auf die Geräusche des Föhns reagieren. Beim Schwanz angefangen, lässt Schmid Camenisch den warmen Luftstrom langsam über Fenjas Fell wandern, und solange man ihr nicht ins Gesicht bläst, bleibt die Katze genauso ruhig wie zuvor auf ihrem Schoss liegen.

Zum Schluss werden ihr noch allfällige Knoten ausgekämmt, mit dem Resultat, dass um Fenja immer mehr Haufen von Fellbüscheln wachsen. «Wenn man Katzen nicht regelmässig pflegt, schlucken sie diese Haarbüschel. Es bilden sich Klumpen im Magen, die im schlimmsten Fall herausoperiert werden müssen», erklärt sie.

Es geht hier also nicht nur um Schönheitswettbewerb-Königinnen, sondern auch um Pflege und Gesundheit. Diese Kombination lässt sich leicht zu einem guten Zweck umformen: Bei den Katzenfriseur-Meisterschaften in den USA werden Katzen aus dem Tierheim gepflegt, frisiert und bewertet. Danach finden sie mit ihrem seidigen Fell schnell neue Besitzer. Das würde Fenja in ihrem hell schimmernden Pelzmantel bestimmt genauso gehen.