Sammeln Sie Plastik? Noch nicht? Dann kann ich es Ihnen nur wärmstens empfehlen. Nicht zuletzt, um sich bewusst zu werden, wie viel Plastikmüll sich in einem normalen Haushalt täglich ansammelt. Von der Zahnpaste über das Frühstücksmüesli bis hin zur Milchflasche steckt so ziemlich alles, was wir von Früh bis spät verbrauchen, in einer mehr oder weniger dicken Plastikhülle. Innert kürzester Zeit ist der Plastiksammelsack voll mit Folien, Tetra Paks, Knisterbeuteln, Säcken und Obstschalen. Der normale Kehrichtsack hingegen wird und wird nicht voll.

Diese Tatsache macht das Sammeln von Plastik zu einem ziemlich emotional diskutierten Thema, bei dem die Meinungen der verschiedenen Interessenvertreter stark auseinandergehen. Die Kehrrichtverbrenner finden, dass beim Sammeln von Plastik so viel unbrauchbarer Plastik anfalle, dass 70 Prozent davon dann doch wieder im Kehricht landen. Den Sammelaufwand könne man sich deshalb aus finanziellen und ökologischen Gründen sparen.

Recycling spart Rohöl

Ganz anders sehen es die Befürworter der Sammelsäcke. Für sie ist klar: Kunststoff ist ein Rohstoff, der wiederverwertet werden kann und soll. Sie wollen durch das flächendeckende Sammeln von Plastik, wie es etwa in Deutschland schon lange üblich ist, den CO2-Ausstoss verringern und den Verbrauch von Rohöl reduzieren. Immerhin könne man mit einem Kilogramm Recyclingkunststoff bis zu drei Liter Rohöl einsparen, ist auf der Website www.sammelsack.ch zu lesen. «Mit dem Recycling von Haushaltkunststoffen können wir jährlich 270'000 Tonnen CO2 einsparen.»

Das Projekt verdient Beachtung. Denn selbst wenn Gegner und Befürworter noch heftig diskutieren – das Sammeln von Plastik ist für Verbraucher eine Chance, sich vor Augen zu führen, wie viel Müll jeder von uns produziert. Mit kleinen Verhaltensänderungen könnten wir durchaus plastikfreier leben. Es fängt damit an, dass man Gemüse, Käse, Fleisch und Früchte auf dem Markt oder an der Offentheke kauft, wo nicht jedes Produkt einzeln verpackt ist. Viele Drogerien und Reformhäuser bieten einen Nachfüllservice für Putzmittel oder Körperpflegeprodukte an. In grösseren Städten gibt es ZeroWaste-Läden, wo man eigene Vorratsdosen auffüllen lassen kann. Wer regelmässig über die Gasse isst, kann seine Schale oder sein Besteck selber mitbringen; im Büro kann man ein eigenes Glas aufbewahren um nicht ständig einen neuen Plastikbecher für das Wasser oder den Kaffee zu verbrauchen. Und zum Waschen von Kleidern aus synthetischen Fasern sollte man die Maschine ganz füllen und einen Jutesack verwenden, der die Mikrofaserfusseln auffängt, damit sie nicht ins Abwasser gelangen. Es gibt noch ganz viele weitere Möglichkeiten, den Abfall zu reduzieren. Allen gemein ist, dass eine Umstellung nicht ohne Effort, ohne Umdenken funktioniert. Plastikreduziert leben setzt ein gewisses Mass an Planung voraus und erfordert etwas mehr Zeit. Aber es lohnt sich. Für das eigene Gemüt. Und die Mitwelt.

Mikroplastik in Kosmetika

Gemäss der Meeresschutzorganisa- tion Oceancare werden weltweit pro Jahr rund 300 Millionen Tonnen Plastik produziert, Tendenz steigend. Pro Minute lande die Menge eines Müllwagens Plastik in den Meeren. Diese Menge könne sich bis im Jahr 2050 vervierfachen, befürchtet Oceancare.

Unsichtbarer und heimtückischer als ganze Plastikverpackungen ist der sogenannte Mikroplastik, der in Gewässer gelangt. Plastik wird im Lauf von bis zu 400 Jahren kleiner und kleiner, bis man ihn von blossem Auge nicht mehr sieht. Er verschwindet deshalb aber nicht aus der Umwelt. Kleiner als fünf Millimeter, stiftet er als Mikroplastik Schaden. Hinzu kommt der Mikroplastik, der als solcher in herkömmlichen Kosmetikprodukten leider sehr beliebt ist. Dieser gelangt vom Shampoo, Körperpeeling, Duschmittel oder Badezusatz ungefiltert ins Wasser, weil ihn die Kläranlagen nicht vollständig ausfiltern können.

Solcherlei Kunststoffe in Kosmetika haben viele Namen und werden als Füllmittel, Peelingkügelchen, Weichmacher, Glänzer oder Reinigungshilfe eingesetzt. Zum Beispiel Polyethylen (PE), Polypropylen (PP), Polyethylenterephthalat (PET), Nylon-12 und -6, Polyurethan (PUR), Acrylates Copolymer (AC), Acrylate Crosspolymer (ACS), Polymethyl methacrylate (PMMA), Polyacrylate (PA) oder Polystyrene (PS). Damit Sie sich nicht die Augen schädigen durch das angestrengte Lesen der kleingeschriebenen Inhaltsangaben, können Sie auf Ihrem Smartphone die App Code-Check installieren, mit dem man den Strichcode der Kosmetika scannen kann und sofort alle Hinweise zu den Inhaltsstoffen erhält.

Plastik in der Nahrungskette

Verglichen mit dem ganzen Müll, der täglich im Meer landet, scheint der Mikroplastik vernachlässigbar. Für die Tiere in den Weltmeeren wird jedoch auch er zunehmend zum Problem. Während die Kleinstlebewesen, Muscheln, Wale oder Austern Nahrung aus dem Wasser filtern, reichert sich ihr Körper mit dem Mikroplastik an. So gelangen die schadstoffreichen Partikel zurück in die Nahrungskette...

Plastik wird noch unsere Kinder, Enkel und Urenkel beschäftigen. Wir erweisen ihnen mit unserem oft unkritischen Konsumverhalten einen Bärendienst. Natürlich können wir nicht unser ganzes Leben auf den Kopf stellen und von heute auf morgen plastikfrei leben. Trotzdem: Wir sollten unser Bestmögliches tun und im Hier und Heute Zeichen setzen. Für die Zukunft unserer Umwelt und Meere. Für die Kinder dieser Erde und deren Kinder.