Männer wirken oft ratlos, wenn sie ein Parfüm für sich aussuchen wollen. Oft fragen sie ihre Partnerin, was, wie tschechische Forscher herausgefunden haben, keine schlechte Entscheidung ist. Noch besser: sie fragen ihre Schwester.

Die Zeiten, als ein Mann vom 18. bis zum 80. Lebensjahr – wenn überhaupt – stets den gleichen Duft auftrug, sind vorbei. In Drogerien und Parfümerien ist die Parfümabteilung für ihn mittlerweile nicht viel kleiner als für Frauen. Doch bei der Frage, welches Parfüm
es denn nun wählen sollte, ist das einst so duftunsensible Geschlecht immer noch ziemlich unsicher.

Guter Rat ist gefragt – doch von wem? Ein Forscherteam der Karls-Universität in Prag ist dieser Frage nachgegangen. Die Probanden bestanden aus 16 Männern, die ihre Partnerinnen ins Labor mitbrachten, und aus 12 Männern, die in Begleitung ihrer Schwester da waren. Der Testablauf war gleich: Zuerst durften die Männer aus 24 Herren-Parfüms zwei auswählen; und dann durften sich die Frauen zwei Düfte aussuchen, die deren Meinung nach am besten zu ihrem Partneroder eben ihrem Bruder passen würden.

Schwestern wählen am besten

Am Abend kam jeder Mann noch einmal allein ins Labor. Dort wusch er sich die Achselhöhlen mit geruchsneutraler Seife, und dann versprühte er in der einen das Parfüm, das er selbst ausgewählt hatte, und in der anderen das, welches seine Partnerin bzw. Schwes-
ter ausgesucht hatte. Schliesslich kamen noch Watte-Pads in die Achselhöhlen, die über Nacht den Duft-Mix aus Parfüm und Körpergeruch einfangen sollten. Sie wurden am nächsten Morgen abgenommen und einer Jury von 20 unabhängigen Testerinnen zum Schnuppern vorgelegt.

Deren Urteil war eindeutig: Die von den Männern selbst ausgesuchten Parfüms wurden in Kombination mit deren Körpergeruch allesamt als wenig attraktiv eingestuft. Hatten dagegen die Partnerinnen den Duft ausgewählt, fiel das Urteil deutlich besser aus. Doch am besten war es, wenn die Schwester die Wahl getroffen hatte. «Schwestern scheinen in besonderem Masse dazu geeignet, das attraktivste Parfüm für ihren Bruder auszuwählen», resümiert Studienleiterin Marketá Sobotkova. Ein Ergebnis, das die Forscher selbst ziemlich überraschte. Denn in der Duftforschung hat sich mittlerweile die Erkenntnis durchgesetzt, dass wir uns in der Partnerwahl am Duft des anderen orientieren, weil er Aufschlüsse über dessen Immunsystem gibt; und dabei bevorzugen wir jene Düfte, die auf ein Immunsystem hinweisen, das unser eigenes optimal ergänzt. Warum sollten aber in dieser Hinsicht ausgerechnet die Schwestern besser urteilen als die Männer selbst? «Eine Erklärung wäre, dass Schwestern im Laufe ihrer Evolution besonders gut darin geworden sind, ihren Bruder attraktiv für das andere Geschlecht zu machen», so Sobotkova. «Denn dadurch verbessern sie auch die Bedingungen für ein Fortpflanzen ihrer eigenen Gene.»