Er zittert. Seine dünnen Beinchen strampeln in der Luft. Das, obwohl er ein Mäntelchen am Körper trägt. Die junge Frau drückt das kleine Gfrörli an ihre Brust und herzt es an der Wange.

Nein, es ist kein Baby, das von seiner Mutter gehätschelt wird. Es ist ein kleiner Windhund, auf den Armen seines Frauchens. Ein Welpe? Wird er das durchschnittliche Stockmass von etwa 70 Zentimern noch erreichen? Wird er ein grosser, schlanker Windhund, wie ihn die meisten kennen?

Nein, mit grosser Wahrscheinlichkeit liegt ein «Italienisches Windspiel» in ihren Armen. Denn: «Der Trend verlagert sich in den letzten Jahren stark zu kleineren Rassen», sagt Urs Hunziker, der selber Afghanische Windhunde hält. Hunziker zählt auf, welche Windhund-Rassen rückläufig sind, und erwähnt, dass die zwei kleinsten Rassen «Italienisches Windspiel» (33 bis 38cm, siehe Bild) und «Whippet» (47 bis 51cm) stark zunehmen. Diese zwei Mini-Windhunde sind auch der Grund, weshalb es in der Schweiz mehr Windhunde gibt. Die Zucht dieser kleinen Rassen hat leicht zugenommen, erklärt Hansueli Beer, Zentralpräsident von Hund Schweiz und Besitzer zweier Whippets. Gemäss Amicus, der Datenbank für die Registrierung der Hunde in der Schweiz, ist die Anzahl von 2007 bis 2017 von 3834 Hunden auf 5953 gestiegen.

Hunziker stimmt dem zu, doch man wisse schliesslich nicht, wie viele es vor der Meldepflicht gegeben habe. Beer sagt: «Trotz der Zunahme sind die Windhunde immer noch weit hinten bei den beliebtesten Rassen in der Schweiz.» Die Zunahme erklärt er neben den kleinen Lieblingen vor allem mit Importen aus dem Ausland und mit dem grossen Einsatz von Tierschutzorganisationen in der Schweiz.

Die Rasse Galgo aus Spanien etwa brauche man für die Hasenjagd. Sei ein Hund verletzt, wird er erschossen. Hilfsorganisationen wie «Happy-Land» von Daniela Hänggi holen diese Tiere in die Schweiz, päppeln sie ein paar Wochen auf und vermitteln sie an neue Besitzer. Hänggi hilft pro Jahr etwa 20 ausländischen Windhunden. Beer merkt an, dass die CH-Züchter an diesem Phänomen zu beissen haben.

Doch warum ist die kleine Rasse der Windhunde nun so beliebt? Sie seien teilweise sehr katzenartig, drinnen in der Wohnung ruhig, draussen ein Hund mit viel Temperament. Einheitlich sagen die Windhund-Experten: «Sie riechen nicht.» Doch es bleibe ein Jagdhund, immer mit einer gewissen Eigenständigkeit. Dass der kleine Windhund der nächste Chihuahua oder Mops wird, glaubt Beer nicht unbedingt. Dennoch seien die kleinen Rassen in den Städten praktisch. So etwa im Zug, auf den Armen des Frauchens. Und das Cape? Echt nötig?

«Ein Mäntelchen macht bei Windhunden in der kalten Jahreszeit absolut Sinn», erklärt Beer. Sind sie an der Leine und können sich nicht frei bewegen, frieren sie schnell. Nur, so Beer, sei es natürlich eine menschliche Idiotie, dass es zum Modeaccessoire wurde. Das habe absolut nichts mit normaler Hundehaltung zu tun. Und das ständige Zittern dieser schlanken Hunde? Dies könne tatsächlich an der Kälte liegen, oder es sei eben auch ein Ausdruck von Angespanntheit und Stress.