Noch heute – fünfzig Jahre später – ist dieser Tag im kollektiven Gedächtnis der Schweden fest verankert. "Dagen H", der Tag H. Am 3. September um 5 Uhr morgens stellten die Schweden von Links- auf Rechtsverkehr um. "Högertrafikomläggningen" heisst das auf Schwedisch.

Die Entwicklung zu Rechts- oder Linksverkehr hat sich in den meisten Ländern lange vor dem Autoverkehr ergeben; Fuhrwerke mussten einander gefahrlos passieren können. So bestimmten Konventionen und Gewohnheiten, auf welcher Seite gefahren wurde. Oder die Richtung wurde vorgeschrieben, wie unter Napoleon, der Rechtsverkehr bevorzugte.

Schwedens Nachbarländer Norwegen und Finnland hatten Rechtsverkehr, wer auf dem Landweg über den Zoll fuhr, musste bei der Grenze die Fahrbahn wechseln.

Bei einer Volksabstimmung in den fünfziger Jahren sprachen sich nur gerade 15 Prozent der Schweden für eine Umstellung aus. Die Autos in Schweden waren für den Rechtsverkehr konzipiert – für die Regierung ein Sicherheitsrisiko, für die Autofahrer eine angenehme Möglichkeit, nach dem Parkieren gleich auf das Trottoir zu steigen.

Doch das Ende der linksfahrenden Skandinavier war nah, 1963 beschloss der Reichstag, die Seite zu wechseln.

1967 war es so weit. Die staatliche Rechtsverkehrkommission hatte jahrelange Vorbereitungen geleistet. Die Strassenschilder im ganzen Land waren ausgetauscht, jeder Haushalt im Besitz einer dreissigseitigen Informationsbroschüre.

Das offizielle Logo des "Dagen H".

Das offizielle Logo des "Dagen H".

Um 4.50 morgens mussten sämtliche Fahrzeuge in Schweden anhalten und nach einem Stopp die Fahrbahn wechseln. Das Radio berichtete live, über 100'000 Personen waren zur Verkehrsregelung im Einsatz.

Verlierer der Umstellung auf Rechtsverkehr waren die Strassenbahnen. Diese wurden in vielen schwedischen Städten wie zum Beispiel Malmö mit der Umstellung abgeschafft, da neue Wagen und der Umbau der Haltestellen zu teuer gewesen wäre.

Auch das schwedische Nationaltier war von der Umstellung betroffen. Seit 1967 trabt der Elch nicht mehr von links, sondern von rechts über sein Warnschild. (jgl)