Erinnern Sie sich noch an die Zeit, als eine Ernährung ohne Fleisch und Fisch als Marotte von ein paar exzentrischen Weltverbesserern, genannt Vegetarier, galt? Über Veganer, die sämtliche Produkte tierischen Ursprungs meiden, wurde damals gar nicht erst geredet. Ganz einfach, weil abgesehen von wenigen «Eingeweihten» kaum jemand von dieser Lebensweise wusste. Heute sind Veganer indes in aller Munde. Meist aus ethischen Gründen, manchmal der Gesundheit zuliebe, führt der Weg zum Veganismus – Ex-US-Präsident Bill Clinton etwa wurde nach einer Bypass-Operation zum zehn Kilo leichteren Veganer – und mittlerweile sicher auch, weil es sich um einen angesagten Lebensstil handelt.

Eine der ersten, die bei diesem Hype mitmachte, war Oscar-Preisträgerin Gwyneth Paltrow. Sie publiziert auf ihrem Blog Goop in regelmässigen Abständen ihre persönlichen Lebens-Optimierungs-Tipps und verkauft entsprechende Produkte. Dazu gehört seit kurzem auch ihre eigene, nach veganen Standards produzierte Bio-Hautpflegelinie, mit der die umtriebige Schauspielerin eine immer grösser werdende Kundschaft bedient, die nicht nur auf dem Teller, sondern auch im Bad konsequent auf tierische Produkte verzichten möchten.

Bei Weleda, dem Spezialisten für Naturkosmetik, stellt man eine zunehmende Nachfrage nach veganen Schönheitsartikeln fest. «Der Trend hat sich in den vergangenen Jahren gemeinsam mit der veganen Food-Bewegung entwickelt und ist seither ständig am Wachsen. Generell hat das Verständnis für Nachhaltigkeit, Qualität und für Herkunft von Rohstoffen und Lebensmitteln an Wichtigkeit gewonnen», sagt Weleda-Expertin Lilith Schwertle. Es ist darum nicht weiter erstaunlich, dass an der Naturkosmetikmesse Vivaness in Nürnberg im vergangenen Frühling mehr als 100 der knapp 260 Aussteller vegane Produkte im Sortiment hatten.

Qualität und Auswahl verbessert

Noch vor knapp zehn Jahren wurde die deutsche Buchautorin und Erfolgsbloggerin Franziska Schmid von «Veggie Love» an der Messe wie eine Exotin behandelt, als sie nach veganen Produkten fragte. «Ich war damals der Zeit weit voraus», sagt sie. Inzwischen seien die Unternehmen durch die vielen Nachfragen «viel mehr auf Zack», und entsprechend habe sich nicht nur die Qualität, sondern auch die Auswahl an veganen Beauty-Artikeln verbessert. «Neben der Hautpflege – i + m aus Berlin etwa ist eine gute Um- und Einsteiger-Marke – hat sich insbesondere im Bereich der dekorativen Kosmetik viel getan», sagt Schmid. Musste sie zu ihren veganen Anfangszeiten vor mehr als einem Jahrzehnt eine Weile nach ihrem ersten roten Lippenstift suchen, würden ihr mittlerweile auf Anhieb mehrere Marken einfallen, die tolle und gut pigmentierte Lippenstifte herstellen, «Axiology aus den USA gehört dazu und Nui aus Berlin».

Der Begriff «vegan» hat sich also auf der Vivaness zum Verkaufsargument entwickelt. Davon profitiert die gesamte Kosmetikbranche, selbst wenn längst nicht alle Naturkosmetikprodukte auch vegan sind, da in diesem Segment Zusatzstoffe wie Molke, Milch, Honig oder Wachs erlaubt sind. Bei Weleda etwa, so Schwertle, würden «grundsätzlich» wenig tierische Rohstoffe verwendet. Aber: «Wir setzen beispielsweise Bienen- und Wollwachse ein.» Hierbei stünden insbesondere Qualität, Pflegeeigenschaften und Wirkung im Vordergrund. «In der Naturkosmetik können wir Substanzen nicht beliebig durch andere mit der gleichen Funktion ersetzen, da wir ausschliesslich mit natürlichen Wirkstoffe arbeiten.» Weledas Haltung, die durch das anthroposophische Erbe geprägt sei, verfolge einen ganzheitlichen Ansatz und sei nicht ausschliesslich vegan.

Auf die Blume achten

Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte darum bei der Liste der Zutaten genau hinschauen – zumal es diverse Vegan-Labels gibt. Im Kosmetikbereich sei vor allem die Blume der britischen Vegan Society weit verbreitet, erklärt Mirjam de Boni, die vor drei Jahren den Onlineshop hellovegan.ch übernommen hat und daneben im Einkaufszentrum Uschter 77 den gleichnamigen Laden betreibt: «Einige Hersteller loben aber ihre Produkte selbst als vegan aus. Und dann gibt es auch noch vegane Kosmetik, die nicht explizit als solche ausgewiesen ist.» Die uneinheitliche Kennzeichnung sei mit ein Grund, warum die vegane Kundschaft am liebsten im gut assortierten Fachgeschäft einkaufen würde, wo sich in der Regel für jedes Budget das passende Beauty-Produkt finde. «Die Auswahl – auch für uns als Wiederverkäufer – ist schier endlos», sagt de Boni.

Das bestätigt Veggie-Love-Bloggerin Franziska Schmid. Bei ihr bleiben heute in Bezug auf vegane Kosmetik keine Wünsche mehr offen. Inwiefern sie das vegan lebenden Stars wie Ariana Grande, Usher, Moby oder Miley Cirus zu verdanken habe, sei schwer zu sagen, sagt sie. «Aber für alle, die sich bisher wenig mit dem Thema Veganismus beschäftigt haben, spielen Vorbilder sicher eine wichtige Rolle und dienen als Inspiration.»

Gwyneth Paltrow – nach verschiedenen Quellen übrigens selbst gar keine strikte Veganerin – hat auf jeden Fall ein gutes Händchen bewiesen, indem sie zur richtigen Zeit auf vegane Kosmetik setzte.