Nicht nur von der Gletscherschmelze, sondern auch von den Hütten des Schweizer Alpen-Clubs (SAC) gibt es dieses Jahr Rekordmeldungen aus den Bergen. Thomas Meier, Hüttenwart auf der zuhinterst im Valsertal auf 2090 Meter gelegenen Länta-Hütte, beschreibt die vergangenen Wochen auf der Hütte so: «Gegen Ende Juli setzte eine regelrechte Flucht von Klimaflüchtlingen aus den Städten ein, wir waren auch unter der Woche stets ausgebucht und die Belegungen und Vorreservationen bis Mitte Oktober sind ungewöhnlich hoch.»

Das schöne und stabile Wetter hat diesen Sommer auch Gäste in die Berge und auf die Länta-Hütte gelockt, die sonst eher im vor- und mittelalpinen Hügelland wandern. Durch das stabile Wetter hat es zudem kaum Stornierungen oder Tourenabbrüche gegeben. Allerdings gibt es gemäss dem Hüttenwart der Länta-Hütte dieses Jahr wegen der hohen Temperaturen Routen, die nicht oder nur am frühen Morgen im Aufstieg begangen werden können, da die Verhältnisse in Fels und Eis am Nachmittag unsicher werden. «Deshalb haben wir heuer die Frühstückszeiten bei Hoch-, Alpin- und Klettertouren morgens weiter nach vorne geschoben.»

Keine Verschnaufpausen

Ähnlich positiv blickt sein Namensvetter auf der Medelserhütte (2524 m) im Bündnerland auf die ersten beiden Sommermonate zurück. «Wir hatten gegenüber den beiden Vorjahren rund sechs Prozent mehr Übernachtungsgäste und die Zahl der Tagesgäste, die vor der Hitze im Tal an die kühle Bergluft geflüchtet ist, ist noch stärker gestiegen», erklärt Hüttenwart Thomas Meyer. Das habe die ganze Hüttencrew zu spüren bekommen, denn mangels Regentagen habe es kaum Zeit für Verschnaufpausen gegeben.

Glücklich schätzt sich die Crew der Medelserhütte über die nahe, zuverlässige und ergiebige Trinkwasserquelle. «Trotz übermässig warmen Temperaturen keine Probleme mit der Wasserversorgung», meldet auch der Hüttenwart der Lauteraarhütte (2393 m) im Grimselgebiet, Stefan Hablützel. Er schränkt aber ein, dass sich die Situation bei der Wasserversorgung wegen der massiven Gletscherschmelze in den nächsten Jahren verschlechtern könnte.

Auch auf dieser Hütte, die dem SAC Zofingen gehört, wird mit einem sehr guten Hüttensommer gerechnet. Genau wie auf der Blüemlisalphütte (2834 m) im Berner Oberland: Es würden «anhaltend mehr Gäste» gezählt, heisst es von da.

Überdurchschnittlicher Konsum

Die Gäste in den Hütten waren wegen der Hitze überdurchschnittlich durstig: «Es wurde so viel konsumiert wie selten», heisst es auf der Länta-Hütte, wo das Getränke-Lager, das normal bis Mitte August reicht, schon Ende Juli leer getrunken war. «Bereits waren zwei zusätzliche Versorgungsflüge mit dem Helikopter nötig», berichtet der Hüttenwart.

Der Schweizer Alpen-Club rechnet bereits jetzt, bevor endgültig Bilanz gezogen wird, mit einem «sehr guten Hüttenjahr». Bruno Lüthi, Marketingverantwortlicher für das Hüttenwesen beim SAC Schweiz, glaubt sogar an einen «Spitzenjahrgang», auch wenn nicht ganz alle Regionen mit absoluten Superlativen aufwarten.