100 Jahre Bauhaus

«Bilden wir also eine neue Zunft der Handwerker ohne die klassentrennende Anmassung!»

Der deutsche Malerund Kunstpädagoge Josef Albers mit einer Gruppe Studenten im Vorkurs am Bauhaus in Dessau im Jahr 1928.

Der deutsche Malerund Kunstpädagoge Josef Albers mit einer Gruppe Studenten im Vorkurs am Bauhaus in Dessau im Jahr 1928.

Sie glaubten an das Gute. Nur 14 Jahre war die Bauhaus-Schule in Betrieb – und erst noch an drei Standorten: Weimar, Dessau und Berlin. Doch ihr Traum vom Bauen und Gestalten für einen neuen Menschen lebt seit 100 Jahren.

Erzählen wir den Anfang erst sachlich: 1919 übernahm der Architekt Walter Gropius die Leitung der Hochschule für Kunst in Weimar und vereinigte sie mit der Kunstgewerbeschule zum «Staatlichen Bauhaus zu Weimar». Sein Ziel war ambitioniert: eine Erneuerung von Lehre, Architektur und Kunst. Eine Idee, die typisch für die politische und gesellschaftliche Umbruch-Zeit Anfang des 20. Jahrhunderts war. Revolutionäre Strömungen finden sich in allen Künsten in ganz Europa.

Pathetischer klingt das bei Gropius selber, in seinem Gründungsmanifest: «Bilden wir also eine neue Zunft der Handwerker ohne die klassentrennende Anmassung, die eine hochmütige Mauer zwischen Handwerkern und Künstlern errichten wollte! Wollen, erdenken, erschaffen wir gemeinsam den neuen Bau der Zukunft, der alles in einer Gestalt sein wird: Architektur und Plastik und Malerei, der aus Millionen Händen der Handwerker einst gen Himmel steigen wird als kristallenes Sinnbild eines neuen kommenden Glaubens.»

Am Bauhaus wurde aber nicht nur geglaubt, sondern gelehrt und gelernt, gebaut und gewoben, getanzt und geschreinert, entworfen und gemalt. Herausragende Künstler wie Paul Klee, Wassily Kandinsky, Josef Albers und Johannes Itten oder Architekten wie Adolf Meyer und Hannes Meyer wurden als Meister engagiert. Einfache Form, gutes Handwerk, serielle Fertigung waren nur drei der Devisen. Studieren konnte jeder – und neu auch jede. Wobei die Frauen nach dem Vorkurs meist in der Textilklasse, bei den Webstühlen, landeten.

Politischer Widerstand

In der Weimarer Republik galten Meister und Studenten des Bauhauses bald als «links» und «internationalistisch». Man kürzte der Schule das Budget, worauf diese das Bundesland Thüringen verliess und 1925 ins sozialdemokratisch regierte Dessau zog. Gropius’ grosszügig verglaster Neubau für die Schule sowie seine kubisch gestalteten Meisterhäuser gelten bis heute als Inbegriff der Moderne.

Nach Gropius führte der Schweizer Architekt Hannes Meyer die Schule, implantierte den Genossenschaftsgedanken und suchte die industrielle Umsetzung der edlen Entwürfe. Wegen seiner politischen Haltung wurde er 1930 vom Oberbürgermeister von Dessau entlassen, die Schule in Dessau nach der Machtübernahme der NSDAP 1932 geschlossen. Der dritte Direktor, Architekt Ludwig Mies van der Rohe, versuchte sie in privaten Strukturen in Berlin weiterzuführen. Doch 1933 wurde das Bauhaus durch die Nazis zur Selbstauflösung gezwungen.

Viele der führenden Köpfe wie Gropius, van der Rohe, Albers oder Moholy-Nagy emigrierten in die USA. Von dort aus – Ironie der Geschichte – konnten sie die Ideen des Bauhauses global verbreiten. Der Mythos wirkt bis heute. Oder, um sachlich zu enden: Die Erneuerung von Architektur, Design und Vermittlung gilt als unbestrittene Pioniertat. Das belegen Statements von 100 Architekten (in: «Mein Bauhaus», Edition Detail). Angesichts des Jubiläumsjubels befürchten aber einige Verklärung, andere formalistisches Erstarren und einfaches Bedienen des Kommerzes. Nicht wenige fordern deshalb ein «Bauhaus 2.0». 

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