Übernachtungen

Unter dem Sternenhimmel einschlafen: Schweiz Tourismus lanciert neues Angebot auf Land und Wasser

In Hüttwilen TG schlummert man unter Apfelbäumen.

In Hüttwilen TG schlummert man unter Apfelbäumen.

Mit Blick auf den Sternenhimmel einschlafen kann man im «Million Stars Hotel». Betten gibt es schweizweit.

Die Berner Alpen leuchten in der Abendstimmung, und der Mond trägt sein weisses Kleid. Kleine Wellen klatschen gegen unser schwimmendes Bett, das eben erst Küche, Esszimmer und Expeditionsgefährt auf dem Thunersee war. «Sealander» heisst das Bötchen, das wie ein schwimmendes Wohnmobil aussieht.

Es ist eine der rund 50 Übernachtungsmöglichkeiten des «Million Stars Hotel», das Schweiz Tourismus diese Woche lanciert hat. Vom Tessin bis nach Basel, vom Wallis bis nach St.Gallen lassen sich dabei aus dem Bett Sterne gucken. Diese Bedingung muss erfüllt sein.

Sonst sind die Nachtlager höchst unterschiedlich: Auf dem Piz Nair bei St.Moritz schläft es sich auf über 3000 Metern in einer umgebauten Seilbahngondel. Im Hotel Widder in Zürich hingegen über den Dächern von Zürich.

© Steven Kohl

Auf dem Lötschenpass gibt es ein Bett unter freiem Himmel – bei schlechtem Wetter bietet die nahe Hütte Unterschlupf. Anders in Hüttwilen TG: Dort schlummert man unter Apfelbäumen auf der Ladebrücke eines Anhängers. Zieht Regen auf, steuert man sein Bett in die Scheune der Gastgeber.

Schlechtes Wetter ist das Risiko, das alle Sternengucker tragen. Auch wir. Der erste Ausflug auf dem «Sealander» fiel buchstäblich ins Wasser. Es herrschte Sturmwarnung und Dauerregen. Beim zweiten Anlauf leuchtet der Thunersee hingegen türkis, als uns Beat Zimmermann vom Tourismusbüro Spiez für die Nacht auf See instruiert.

«Ihr müsst nur das Wetter, die Kursschiffe und die Fischerboote im Auge behalten. Letzteren beiden geht ihr aus dem Weg», sagt er und hievt Ersatzbatterien für den Elektromotor ins Campingboot. Fondue-, Raclette- oder Grill-Ausrüstung? Wir greifen einzig zu einer Pfanne, in der wir unsere mitgebrachte Pasta kochen können. Den Apéro verstauen wir in der Kühlbox.

Feriengefühl nach wenigen ­Stunden

Zimmermann wassert uns in Faulensee ein und ruft: «Im schlimmsten Fall berge ich euch mit dem Motorboot, auch nachts.» Schon tuckern wir los. Euphorisch und viel zu schnell. Das merken wir, als wir bereits nach dem Apéro die Batterie wechseln müssen. In den Gäste-Infos lesen wir:

Mist! Mit unserer Stromreserve finden wir ein schönes Plätzchen nahe Spiez, wo wir den «Sealander» treiben lassen und zu Abend essen. Wir sind erst wenige Stunden auf dem Wasser und fühlen uns wie nach ein paar Tagen Ferien. Entspannt und gleichzeitig aufgekratzt. Wohin als Nächstes? Die letzten Sonnenstrahlen streichen über den pyramidenförmigen Gipfel des Niesen. Statt für einen Platz in einem Hafen entscheiden wir uns für eine Boje – wenn schon, denn schon.

Aus Tisch und Bänken entsteht mit wenigen Handgriffen eine Liegefläche. Draussen ist es dunkel, als wir die letzten Mücken im Innern des «Sea­lander» jagen und in unsere Schlaf­säcke schlüpfen. Durch die Fenster ­sehen wir die ersten Sterne leuchten. Doch einschlafen ist schwierig. Das Camping-Feeling macht sich breit: Die Unterlage ist hart und irgendwie landen wir immer wieder im Spalt zwischen den Polstern.

Etwas übernächtigt und mit verspannten Muskeln, wachen wir auf. Wir ziehen die Vorhänge zurück. Vor uns schimmern die Berge in einem bläu­lichen Licht, der Thunersee glitzert um uns herum, auf dem Dach des «Sealanders» hüpft ein Vogel. Wir stehen auf, während die Natur erwacht.

In einem nahe gelegenen Hotel bekommen wir einen Frühstückskorb. Während wir auf dem See Birchermüesli löffeln, frischen Kaffee trinken und in Croissants beissen, überlegen wir bereits, wohin wir das schwimmende Bett das nächste Mal steuern könnten.

Je nach «Zimmer» kostet eine Übernachtung inklusive Frühstück des «Million Stars Hotel» zwischen 80 und 800 Franken. Buchbar bis maximal Ende Oktober.

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