Leben

Und wieder lauert die Zecke im Grünen – so schützen Sie sich vor Stichen

Ein Zecke, fotografiert auf einem Blatt.

Ein Zecke, fotografiert auf einem Blatt.

Draussen droht nicht das Coronavirus, sondern die Zecke. Deren Saison hat früh begonnen.

Sonne, Wärme, Coronadepression: Der Gang in die Natur ist unentbehrlich. Dort lauert nicht das Virus, dafür aber die Zecke. Häufiger als sonst nach diesem warmen Winter? Nicht unbedingt. Insekten haben verschiedene Strategien, um den Winter zu überleben. Im Ei-, Larven-, Puppen- oder Erwachsenenstadium sind sie bestens an frostige Winter angepasst, ihr Stoffwechsel ist minimiert. Ist es dagegen mild, ist ihr Energieumsatz hoch, die einen Insekten erwachen zu früh aus der Winterruhe und finden keine Nahrung vor. Zudem werden die Energiereserven vorzeitig aufgebraucht und die Tiere sterben. Und in milden Wintern dezimieren vor allem pilzbedingte Krankheiten einige Arten. Doch Insekten sind flexibel und die Zecke sowieso. Ihr macht weder Kälte noch Milde viel aus, sie erwacht, wenn das Thermometer 8 Grad Celsius zeigt.

«Wichtig ist, wie der Frühling ins Land zieht», sagt Werner Tischhauser, Projektleiter Biologische Zeckenbekämpfung der Zürcher Hochschule ZHAW. Geschieht das nach dem Winter mit voller Kraft, kommen viele Zecken schnell aus der Winterstarre und sind sehr aktiv. Dann lauern sie auf Tiere und Menschen, an denen die weit über 100 Zeckenarten Blut saugen.

Wichtig sei für den Menschen nicht die Anzahl der Zecken, erklärt Tischhauser, der am Mittwoch Stich-Meldungen auf der von ihm und Jürg Grunder von der ZHAW entwickelten Präventions-App «Zecke» gefolgt ist und sich deshalb in der Stadt Zürich auf Zeckensuche gemacht hat. Entscheidend sei das Freizeitverhalten und die nahe Besiedlung grüner Räume. Denn Zecken kommen zwar am häufigsten an Waldrändern vor, aber auch auf allen anderen Grünflächen. Gebissen werden kann man somit überall.

In Deutschland wurde 2019 festgestellt, dass zwar mehr Zeckenbisse gemeldet wurden, die Anzahl der anderen schwerwiegenden Zeckenkrankheit, der Borreliose, aber abgenommen hat. In der Schweiz zeigen die Zahlen ähnliches. Eine Erklärung dafür gibt es nicht. «Möglicherweise weiss die Bevölkerung besser Bescheid, entfernt die Zecken rasch, statt zum Arzt zu gehen. Bei der Übertragung der Borrelien spielt die Zeit zwischen Stich und Entfernung eine zentrale Rolle. Diese findet zwölf bis 24 Stunden nach dem Stich statt.» Auch der Zecken-Check am Abend werde vielleicht konsequenter durchgeführt als vor Jahren. Jede entdeckte Zecke am Körper ist nach Tischhauser eine gute, weil die wahrscheinlich noch nicht genug lang am Körper war, um Borrelien zu übertragen. Die FSME-Viren, die Hirnhautentzündungen auslösen, werden dagegen sofort beim Stich über die Speicheldrüse übertragen. Da hilft nur die Zeckenimpfung.

Gemeldete Stichorte (2009 - 2018)

Zeckenstichrisiko im Frühsommer

Autor

Bruno Knellwolf

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