1.  Baumwipfelpfad Mogelsberg SG: In luftiger Höhe durch den Wald flanieren

Fast wie Vögel, die von Baum zu Baum hüpfen, fühlt es sich an, wenn man hoch oben zwischen Baumwipfeln flaniert. Nur sind wir an den Pfad gebunden, der sich wie eine Brio-Bahn den Weg durch die Baumkronen bahnt. Der kürzlich eröffnete Baumwipfelpfad in Mogelsberg im Toggenburg bietet neben dem Perspektivenwechsel durch die verschiedenen Stockwerke des Waldes auch viel Informatives. 40 Stationen in luftiger Höhe und auf dem Boden erklären das Leben von Fauna und Flora im Wald. So erfährt man einiges über die Sprache der Pflanzen, die sogenannte Strauchschicht oder die Sauerstofffabrik Wald. An der Spitze der Plattform guckt man durch eine Glasscheibe 50 Meter in die Tiefe, sodass einem fast schwindelig wird. Blickt man in die Ferne übers Neckertal, sieht man auf den Hügeln die Streusiedlungen, die diese Gegend so einzigartig machen. Wieso hier die Häuser so liegen, hat vielleicht mit der Legende vom Riesen zu tun, der einst mit einem löchrigen Sack durch die Gegend zog und dabei seine Häuser durch ein Loch verlor.

Es ist kein Zufall, dass der erste Baumwipfelpfad der Schweiz gerade an diesem Ort zu stehen kam. Im Steinwäldli konnten sich die Erbauer das natürliche Gefälle des Geländes zu Nutzen machen, sodass man sozusagen ebenerdig auf den imposanten Holzsteg gelangt. Um den 500 Meter langen, kinderwagentauglichen und dank Maschendrahtzaun auch kindersicheren Pfad anzulegen, mussten kaum Bäume gefällt werden.

Die filigrane Holzkonstruktion ist auch beeindruckend, wenn man den Weg am Boden begeht. Durch Orkan Vivian 1990 und Sturm Lothar 1999 konnte sich hier ein vielfältiger Mischwald mit 17 verschiedenen Baumarten entwickeln.

Baumwipfelpfad.ch, Familieneintritt Fr. 40.-

2. Waldkathedrale Beromünster LU: Wo Bäume sich verneigen

Eigentlich ist es ein Garten, den wir nur wenige Gehminuten vom Fleckchen Beromünster entfernt betreten. Aber das Schlosswäldli ist noch viel mehr: eine Kathedrale. Eine, die weder aus Stein noch aus Mörtel besteht, sondern aus lauter Bäumen. Dieser Wald wurde vor über 200 Jahren zur Erholung der Beromünster Chorherren angelegt und hat tatsächlich die Form einer Kathedrale. Denn die Chorherren wünschten sich für ihre Erholung einen Spaziergang in der freien Natur. 94 Rosskastanien und 3500 Hagebuchen sollen unter der Leitung von Stiftsbaumeister Josef Purtschert 1792 angelegt worden sein. Inspiriert wurde er wohl von der französischen Gartenkultur, diente er doch vor seinem Auftrag in Beromünster dem französischen König. 27 Wochen lang seien von zehn Arbeitern Bäume gefällt und verarbeitet, Erde abgetragen sowie Steine gesprengt worden, damit die Kuppe perfekt für das Naturbauwerk war. Die neuen Bäume wurden nach dem Grundriss einer gotischen Kathedrale angepflanzt: mit Mittel- und Seitenschiff sowie Chor. 140 Meter lang und 16 Meter breit ist das Bauwerk, so gross wie der Petersdom in Rom. Über die Jahre hat die Natur den «Spazierweg» zu einem imposanten Gebilde geformt.

Inzwischen stehen nicht mehr alle Kastanienbäume, sodass man vor einigen Jahren neue anpflanzen musste. Das Gefühl aber, in einer Kathedrale zu stehen, ist nach wie vor da. Denn die Baumreihen mit ihren Ästen und Blättern bilden über dem breiten Mittelschiff und zwei schmalen Seitenschiffen eine Art Dach; als ob sich die Bäume vor dem Himmel verneigen würden. Zwar hat diese Kirche keine Kanzel, dafür aber zwei hufeisenförmige Aussichtspunkte, die links und rechts den Blick auf das Stift und Beromünster sowie in die Alpen freigeben. Die Anlage gilt mit gutem Grund als eines der bedeutendsten Denkmäler der Gartenkunst und steht seit 2008 auch unter kantonalem Denkmalschutz.

An diesem speziellen Ort herrscht eine sakrale Stille. Nur ab und an wird sie von Vogelgezwitscher oder vom Rascheln eines Eichhörnchens durchbrochen. Eine angenehme Frische umhüllt uns an diesem schon fast magischen Ort. Bevor es wieder in die hektische Welt geht, tanken wir unter dem schützenden Blätterdach nochmals auf und halten einen Moment inne.

3. Tamangur, Scuol GR: Das Arven-Refugium

Der Name hört sich an wie aus einer mystischen Zauberwelt: Tamangur. Der Ort liegt aber im Unterengadin. Ganz hinten im S-charl-Tal wandert man hinauf zum höchstgelegenen Arvenwald Europas. Fast wie in einem Urwald fühlt man sich inmitten der knorrigen, zerzausten Bäume, die zum Himmel streben – Wind, Wetter und Felsen trotzend. Bis zu 800 Jahre alt sollen manche sein. Die silbrig glänzenden, abgestorbenen Stämme und Wurzeln wirken wie kunstvolle Skulpturen zwischen den jungen Bäumen, die heranwachsen. Seit der Engadiner Dichter Peider Lansel 1923 in einem Gedicht den sterbenden Wald von Tamangur mit dem damals verschwindenden Rätoromanisch verglich, steht der Wald auch für die Hartnäckigkeit, den Überlebenswillen und die Stärke der romanischen Kultur und Sprache.

4. Bödmerenwald, Muotatal SZ: Zwischen Karren und Mulden

Einfach bekommt man einen der urtümlichsten Wälder der Alpen nicht zu Gesicht. Ganz zuhinterst im Muotatal liegt der 550 Hektaren grosse Bödmerenwald, der seit 1984 ein Waldreservat ist. Am besten nimmt man die Wanderung von der Pragelpassstrasse in Angriff. Im Bödmerenwald angekommen, glaubt man fast, sich in einem Urwald wiederzufinden – oder in einem Märchenwald. Fichten stehen in lockeren Gruppen, dazwischen wachsen Vogelbeeren. Auf den Felsbändern und Kuppen ragen Bergföhren empor. In den Mulden und aus Felsspalten wachsen weissrindige Birken heraus. Dazwischen liegen Stämme kreuz und quer, die von Moos überwachsen sind. Der hohe Totholzanteil ist ideal für eine grosse Pilzvielfalt und Flechten, wie zum Beispiel die sehr seltene Engelshaarflechte. Die vielen Karren und Löcher im kalkigen Boden sind einer der Gründe, weshalb der Bödmerenwald weitgehend unberührt blieb. Zum Glück, denn so ist über die Jahrtausende ein Juwel entstanden, nachdem sich am Ende der letzten Eiszeit die Gletscher zurückzogen.

5. Pfynwald VS: Von der Steppe in den Dschungel

Schon von oben ist er beeindruckend, wenn man in Varen bei der Kirche steht: der Pfynwald. Erst recht, wenn man mitten durch das Herz des Regionalen Naturparks Pfyn-Finges wandert. Das Reizvolle am Pfynwald sei, dass man hier eine Weltreise mache, erklärt Armin Christen, Bereichsleiter für Umweltbildung. Nur wenige hundert Meter vom Bahnhof Leuk-Susten entfernt, fühlt man sich in der steppenartigen Landschaft mit niederen Föhren fast wie in Spanien oder Frankreich. Hier darf die Rotte noch wild mäandrieren. So karg dieser Landzug auch wirkt, auf den kleinen Inseln, den trockenen Buschlandschaften und den Tümpeln hat sich eine reiche Fauna angesiedelt.

Auf kleinstem Raum findet man hier viele verschiedene Vogelarten, aber auch andere Tiere wie etwa den Ameisenlöwen oder die lachenden Frösche. Wandert man weiter Richtung Sierre, gelangt man in einen Dschungel aus Föhren und Laubbäumen rund um den Pfafforetsee und den Rosensee. Geradezu mystisch wirkt es hier. Kein Wunder, weiss man so manche Geister- und Räubergeschichten über diese Gegend zu erzählen.