Knapp 200 Tage ist Donald Trump nun schon im Amt. Und mit ihm auch sein Team aus Beratern und Ministern. Es ist das bisher Reichste in der US-Geschichte. 14 Milliarden Dollar bringen Schwiegersohn Jared Kushner, Aussenminister Rex Tillerson, Bildungsministerin Betsy DeVos und Co. zusammen. Mit dem Abgang von Anthony Scaramucci ist das Team nun zumindest monetär etwas ärmer geworden.

Der Ex-Goldman-Sachs-Banker war der bislang Letzte von vielen millionenschweren Unternehmern, denen Donald Trump einen Job in der Regierung gab. Bei allem Hin und Her im Weissen Haus scheint der Hausherr damit wenigstens einer Linie treu zu bleiben: Geld geht über Kompetenz und Wirtschafts- über Politgrösse. Doch verändert sich dadurch auch die Politik? Regieren Trump und seine Gehilfen anders, weil sie eher Unternehmer als Politiker sind? Und was charakterisiert einen Unternehmer vom Schlage Trump? Das hat eine psychologische Studie nun untersucht. (Obschonka, M. & Fisch, C. (2017). Entrepreneurial personalities in political leadership, Small Business Economics DOI 10.1007/s11187-017-9901-7. Link zur Studie hier). Sie vergleicht Trumps Persönlichkeitsstruktur mit dem Kreis illustrer amerikanischer Unternehmer, aus deren Umfeld er so gerne sein Personal rekrutiert, und erforscht, ob Trumps Persönlichkeit diesen bestimmten Unternehmertypus repräsentiert.

Big Five für die Big 106

Die Daten für die Studie des Wirtschaftswissenschafters Martin Obschonka und des Psychologen Christian Fisch stammen aus einer umfassenden Sprachanalyse der Twitter-Nachrichten von Donald Trump und 105 amerikanischen Unternehmergrössen wie Bill Gates, Jeff Bezos oder Oprah Winfrey

Eine ausgeklügelte Software entschlüsselte die Nachrichten anhand der sogenannten «Big Five»-Kriterien. Die fünf Kriterien Offenheit, Extraversion, Gewissenhaftigkeit, Empathie sowie des Neurotizismus sind ein erprobtes Instrument der Persönlichkeitspsychologie. Sie erlauben die Einordnung und den Vergleich verschiedener Persönlichkeiten.

Anhand dieser Analyse kommt die Studie denn auch zum Schluss: «Wir möchten betonen, wie anders Trumps Persönlichkeitsprofil im Vergleich zu dem anderer Unternehmergrössen ist.» Der 45. US-Präsident sprengt auch den Rahmen der Unternehmerpersönlichkeiten.

Die Sprache, die das amerikanische Staatsoberhaupt in seinen knapp 35'000 untersuchten Tweets verwendet, zeigt: «The Donald» ist offener als so manch einer seiner früheren Berufskollegen. Rund 92 Prozent der amerikanischen Unternehmer äussern sich weniger neugierig gegenüber neuen Ideen, bleiben in konventionellen Denkmustern verhaftet und zeigen konservativere Sichtweisen als ihr Präsident. Denselben Wert erreicht Donald Trump nur noch beim Persönlichkeitsmerkmal der Empathiefähigkeit.

Dort hält er hinter Napster-Gründer Sean Parker und Ebay-Chef Pierre Omidyar allerdings den Negativrekord. Rund 92 Prozent der Unternehmer sind harmoniebedürftiger und mitfühlender als Trump.

Überraschender ist derweil sein Wert in puncto Extraversion: «Interessanterweise weist Trump hier einen vergleichsweise tiefen Wert auf», statuieren die Wissenschafter. Nur rund 14 Prozent der 106 Unternehmer zeigen sich auf Twitter verschlossener, weniger gesprächsfreudig und passiver als der US-Präsident. Dazu passt, dass die Wissenschafter anhand der Sprachsoftware eruieren konnten, dass das Staatsoberhaupt über sehr hohe Neurotizismus-Werte verfügt. Nur eine Handvoll Top-Unternehmer kommuniziert mehr Ängste und Befürchtungen über Twitter und reagiert ungehaltener und launischer auf Stressoren, als der derzeitige Hausherr an der 1600 Pennsylvania Avenue. Repräsentativ ist der Präsident einzig bei der Gewissenhaftigkeit. Da ist Trump weder über- noch unterdurchschnittlich, sondern entspricht ein erstes und einziges Mal in der Studie der Norm.

Quelle: Obschonka, M. & Fisch, C. (2017). Entrepreneurial personalities in political leadership, Small Business Economics DOI 10.1007/s11187-017-9901-7.