Sie breiten sich schnell, spontan und ungewollt aus: Die Pflanzen, die als Unkraut bekannt sind. Sie sind die unerwünschten Nebenerscheinungen des Kulturpflanzenanbaus und das, wogegen Hobbygärtner ebenso hartnäckig ankämpfen wie Landschaftsarchitekten. Bekämpft wurden sie bisher allerdings vor allem chemisch. Mit Chemie lassen sich grosse Flächen kostengünstig von Schädlingen befreien. Insbesondere der Unkrautvertilger Glyphosat wird dabei häufig eingesetzt. Doch nicht erst seit der Kontroverse um das potenzielle Krebsrisiko von Glyphosat wird nach Alternativen umgesehen. Eine umweltverträgliche Unkrauttilgung soll her. Und das lieber früher als später.

Hitze, Wasser und Zucker

Eine Lösung scheint nun gefunden. Das Gartenunternehmen Diebold Zgraggen AG aus Fislisbach AG setzt in der Unkrautvertilgung auf Biothermie statt Chemie und bekämpft die ungeliebte Spontanvegetation mit einer zuckersüssen Methode. Das Prinzip ist einfach: Wasser wird auf rund 100 Grad erhitzt und mit Kokosnuss- und Maiszucker versetzt. Die Kombination erzeugt eine heisse, schäumende Flüssigkeit, die mit einem Schlauch grossflächig auf unkrautbesetzte Flächen gesprüht werden kann. Die Hitze des Wassers ist es denn auch, die dafür sorgt, dass die Eiweissstrukturen im Innern der Unkrautpflanzen gerinnen und sie buchstäblich innerlich zerplatzen.

Doch wofür braucht es dann den Zucker? «Der Zucker sorgt dafür, dass sich Schaum bildet. Der dient als Isolationsdecke für die Hitze, die ohne Schaum viel zu schnell entweichen würde», erklärt Fabian Meier von der Diebold Zgraggen AG. Um dem Unkraut nämlich nicht nur oberflächlich, sondern mitsamt den Wurzeln beizukommen, sei es essenziell, die Hitze so lange wie möglich auf den Pflanzen zu halten, so der Gärtnermeister weiter.

Der Schaum tötet zudem auch aufliegende Samen ab und stoppt damit die Verbreitung des Unkrauts, sodass – im Gegensatz zur Chemie – drei oder vier Behandlungen pro Jahr reichen, um dem Unkraut den Garaus zu machen.

Lecker, aber teurer

Das Fislisbacher Unternehmen arbeitet erst seit ein paar Monaten mit dem System. «Wir sind schweizweit die Zweiten, die beim deutschen Hersteller Elmotherm ein Heissschaumsystem bestellt haben», erklärt Meier. Auch die Stadt Baden wendet inzwischen das Mittel an. Und so ziehen künftig zwei zuckerwasserspeiende Unkrautvertilger durch die aargauischen Lande.

Misstrauische und fragende Blicke sind dabei keine Seltenheit: «Oft können wir keine 30 Minuten arbeiten, ohne dass uns jemand fragt, was das für ein Schaum ist», erzählt Meier. Dabei schwingt bei den meisten neugierigen Fragen auch ein Stück Misstrauen mit. «Die meisten Leute glauben nicht wirklich, dass der Schaum ungiftig ist. Dann nehmen wir kurzerhand einen Finger voll und essen den Schaum. Das beruhigt», so Meier. Das zeigen auch die Auftragszahlen des Gartenbauunternehmens. Denn Misstrauen schlägt oft in Interesse um und führt so zu neuen Aufträgen.

Das, obwohl die Zuckerwasser-Methode teurer ist als das herkömmliche Chemiepräparat. «Chemie ist ein Massenprodukt. Das kann man billiger anbieten. Bei der Zuckerwassermethode variieren die Preise von Fläche zu Fläche mehr», so der Gärtnermeister. Kleinere Flächen sind dabei in der Regel teurer, als grössere, weil der Heizaufwand der Schaummaschine im Vergleich zur bearbeiteten Fläche grösser ist. Langfristig sieht das Gartenunternehmen den Vorteil beim Zuckerwasser: «Viele Hausbesitzer sind froh, dass es eine Alternative zur Chemie gibt», zeigt sich Meier von der künftigen Massentauglichkeit von Zuckerwasser im Kampf gegen Unkraut überzeugt.